Buchautorin Christine Schulz-Reiss referiert vor Neuntklässlern der Eichenschule

Crashkurs in Politik

Um die Vermittlung von „Themen, die eigentlich langweilig sind“ ging es Christine Schulz-Reiss auch bei ihrer Lesung in der Eichenschule. - Foto: Heyne

Scheeßel - Staatsgewalt, ministeriales Ressortprinzip oder Interpellationsrecht – mit der Definition dieser Begriffe, die auch so manchen Erwachsenen ins Schleudern bringen würde, hat sich Christine Schulz-Reiss nicht eben eine leichte Mission ausgesucht. Die Journalistin und Autorin will mit ihrem Werk „Nachgefragt: Politik“ Jugendlichen die Politik nahebringen und ihre eigene Begeisterung vermitteln. So auch bei ihrer durch private Kontakte von Lehrer John Cramer kurzfristig zustande gekommenen Vorstellung ihres Sachbuchs „Politik – Nachgefragt“ am Donnerstag vor Neuntklässlern in der Eichenschule.

„Dürfen Politiker lügen?“, „Was darf der Bundespräsident“ oder „Was bringt eine Petition?“ – dicke Bretter galt es für die Bayerin zu bohren. Das galt ebenso für Definitionen sperriger Begriffe und Sachverhalte des deutschen Rechtssystems, als auch, die Neuntklässler in einen Diskurs zu verwickeln. Die Demonstrationen zum Nato-Doppelbeschluss oder das Gebaren von CSU-Politiker Franz-Josef Strauß: Was die 60-jährige Journalistin noch aus eigenem Berufsalltag berichtete, war für die Schüler nicht nur eine Generation entfernt, sondern an diesem Vormittag fast ein Ausflug in eine fremde Galaxie.

Dabei machte die Autorin angesichts der anstehenden Kommunalwahlen insbesondere einen Exkurs ins Wahlrecht und erklärte Begriffe wie personalisiertes Verhältniswahlrecht, Panaschieren oder Kumulieren und würzte die eher trockene Materie immer wieder mit Anekdoten wie Joschka Fischers Rausschmiss aus dem Bundestag oder Herbert Wehners Rekord von 38 Rügen wegen Fehlverhaltens im Bundestag. Diese „menschelnden“ Seiten der Politik haben das Potenzial, die Schüler persönlich zu packen. Wenn Schulz-Reiss unsoziales Verhalten anprangert und sich im Publikum Grinsen und vielsagende Blicke breit machen, dann kann die Journalistin nicht so ganz falsch liegen mit ihrem Versuch, Politik einfach und lebensnah zu erklären und auf die Lebenswelt der Jugendlichen herunter zu brechen.

Auf ihre Fragen, wer sich denn politisch engagiere, die Tagesthemen schaue oder am Abendbrottisch erbittert mit den Eltern über das Weltgeschehen diskutiere, erheben sich nur wenige Hände.

Mit Einblicken in die berufliche Laufbahn der Journalistin – im Fall von Schulz-Reiss eine klassische Karriere mit Studium und Volontariat – bekommen die Schüler bereits einen Vorgeschmack auf das nächste Thema im Curriculum: Die Medien als die vierte Macht im Staat. - hey

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