Smartphone statt Kaugummi

Comedian Frank Eilers hält Auftaktvortrag zur Digitalisierung

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Sparkassenvertreter Rainer Bassen (l.) und Jürgen Lange (Mitte) hatten sichtlich Spaß bei der außergewöhnlichen Anmoderation von Keynote-Speaker Frank Eilers.

Scheeßel - Muss man vor der digitalisierten Zukunft Angst haben? Zumindest skeptisch stand die Mehrheit der Besucher des Auftaktvortrags zu den digitalen Tagen in der Sparkasse Scheeßel dieser Frage des Referenten Frank Eilers gegenüber. Lachen über die Auswüchse derzeitiger Technikflut konnten die rund 200 Gäste am Donnerstag im Foyer der Sparkasse allemal – dafür sorgte Comedian, Keynote-Speaker und dem ein oder anderen aus Fernsehformaten wie „Nightwash“ bekannte Frank Eilers.

Der wusste zum Thema „Digital total“ zunächst ebenso eigene Erlebnisse wie generelle Absurditäten zu berichten: Von Air-BNB-Gastgebern, die ihr Weinregal per Sprachsteuerung in Lila illuminieren lassen, der direkten Vernetzung von Sprachsteuerung „Alexa“ und dem hauseigenen Thermomix mit dem Amazon-Lebensmittel-Lieferservice oder der Tatsache, dass die Kaugummikäufe wegen des veränderten Einkaufsverhaltens der Handybenutzer an der Kasse zurückgehen.

Denn, das stellte Eilers bei allen Frotzeleien in aller Ernsthaftigkeit fest: „Der Mensch verändert sich.“ Das äußere sich nicht nur darin, dass viele dem Internet mehr vertrauten als einem guten Freund, sondern auch extremen Auswüchsen wie dem Einchecken vieler Schweden am Arbeitsplatz mithilfe des unter der Haut implantierten Chips. 

Tipps und Schmunzler vom Coach

Aber er ermunterte zum positiven Umgang mit der neuen Technik: „Schauen Sie über den Tellerrand, auch branchenübergreifend!“ So habe etwa eine Hamburger Bäckereikette ihr Angebot mithilfe einer Verbindung ihrer Absatzstatistiken mit den Wetterdaten an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Ob allerdings ein Supermarktbesuch mit Sprachsteuerung „Alexa“ eine gute Idee wäre? Kleine Exkurse zum Schmunzeln nahmen dem Thema seine Schwere.

Ob das auf den Einzelnen zugeschnittene Internet zu mehr Individualität führt, ob es unabhängiger macht und die Dinge beschleunigt und vereinfacht? Diese Gemeinplätze blieben die einzigen Zukunftsvisionen. Vornehmlich arbeitete sich Eilers an der Beschreibung der Istzustände ab – und die nehmen sich mitunter abwegig aus, dass es eines Blicks in die Zukunft nicht bedarf. Bei seinen Tipps für den Umgang mit der „schönen neuen Welt“ berief sich der preisgekrönte Coach auf gute alte Werte aus der analogen Welt: Haltung, Flexibilität und ein positives Menschenbild. Dies sei in digitalisierten Unternehmen erheblich ausgeprägter, wie der charmante Redner in den Raum stellte.

Stimmig, knackig und etwas oberflächlich

So spontan und schlagfertig Eilers eine Stunde lang das Thema „Digitalisierung“ beleuchtete: Aus der Reserve wurde der Wahl-Kölner durch die Anmoderation gelockt. Sparkassen-Vertreter Rainer Bassen und sein Team hatten sich einmal mehr (man erinnere sich noch an den fingierten „Tatort“ bei der letzten Literatur-vor-Ort-Ausgabe) überboten: Zuschauer, die „last minute“ beim Dekorieren helfen mussten, bis ein ganzer Tisch voller Laptops, Bildschirmen und Modems vor lauter Digitalisierung strotzte und zwei Hausherren, die ob des gelungenen Werks erstmal auf einer Bierzeltgarnitur sitzend ein Bierchen lenzten – „so eine verrückte Anmoderation hatte ich noch nie!“, meinte der studierte Betriebswirt.

Alles in allem ein stimmiger, knackiger Vortrag, der sicherlich nicht in die Tiefen der Materie vordrang und wahrscheinlich gerade deshalb so überaus unterhaltsam ausfiel. Oder, wie Zuschauer Karl-Heinz Poludniok es auf den Punkt brachte: „Er hat nicht nur eine Menge rübergebracht – das hat auch richtig Spaß gemacht!“ – und ein genialer Auftakt für mehrere Tage Digitalisierung, die den Menschen spätestens nach diesem Abend keine Angst mehr zu machen braucht. - hey

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