Christina Lux verzaubert auf Englisch und Deutsch

Euphorie nach einer Dekade

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Charismatisch, intensiv und nahbar: Christina Lux überzeugte musikalisch und menschlich.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Sie selbst konnte sich gar nicht mehr an ihren letzten Auftritt in Scheeßel erinnern, wohl aber an die alten und neuen Kulturschaffenden in Scheeßel. Als Hommage an ihre Vorgänger-Organisation „Publikum Scheeßel“ hatten die Organisatoren der Scheeßeler Kulturinitiative Kis um Detlev Kaldinski nach mehr als zehn Jahren Christina Lux erneut in den Beeke-Ort gebeten. Und genau wie damals, als die charismatische Künstlerin für eine ausgefallene Kollegin eingesprungen war: Eine gute Entscheidung.

Etwas mussten Lux und ihr kongenialer Mitstreiter Stephan Emig an Drums und Percussion schon gegen die im Vergleich zum Meyerhof eher anonyme Atmosphäre im Scheeßeler Hof anspielen – mit rund 100 Zuschauern nicht gerade zum Bersten voll.

Doch genau das ist die Stärke der Singer-Songwriterin: Nähe schaffen, Distanz überbrücken – nicht nur auf der Bühne, sondern auch in ihren Songs. Denn darum geht es oft in ihren Texten, ob auf Deutsch oder Englisch: um Zwischenmenschliches, darum, neue Wege zu gehen, sich etwas zu trauen.

Sympathisch, souverän und voller sichtlicher Spielfreude, verweist die Künstlerin in „Are you Somebody“ die Zauderer und ewigen Nörgler unter den inneren Stimmen in die letzte Reihe, nimmt den Zuschauer in Ansagen voller Leidenschaft und Lebensfreude mit in ihre Gedankenwelten. Und der merkt: Die Lux denkt viel. Vor allem über das Leben, und das Miteinander. Daraus entstehen intelligente Texte, früher durchgehend auf Englisch, seit 2006 immer mehr auf Deutsch. Das nächste Album soll komplett in der Muttersprache entstehen. „Ich bin groß geworden mit Soul und Jazz – für deutsche Texte brauchte ich eine Musik, die das trägt, einen eigenen Rhythmus. Da bin ich jetzt angekommen“, verrät die Songwriterin nach dem Konzert. Englisch habe ihr früher geholfen, angesichts der oft sehr persönlichen Texte einen Abstand zu halten.

Da lassen sich die Zuhörer gern gefangen nehmen, singen schon im zweiten Song „beautiful, marvellous, precious“ mit – kein Zufall, dass die Attribute „schön, wunderbar und wertvoll“ an den (bekannten oder unbekannten) Nebenmann gerichtet werden sollen: „bekennend blauäugig“ sieht Lux auch mit 50 Jahren das Gute. Das spiegelt sich auch in ihrer Musik wider: groovende Rhythmen, gefällige, jedoch nie beliebige Melodieführungen, poetische Zeile wie in der starken Hommage ans Meer, Anknüpfen an Kafka wie in „Neue Wege gehen“, aber auch politische Statements wie im leicht funkigen „Let’s make Love of Religion“ sind zu finden.

Dass der Abend nicht zu einem fast intimem Erlebnis wird, ist auch Stephan Emig zu verdanken. Unaufdringlich, sensibel, aber präsent und Akzente setzend: Mehr als einmal ist es sein Beitrag an Drums, Cajon oder der Ocean Drums wie bei „Wenn ich das Meer wär“, die dem Vortrag Tiefe geben.

Begeistert ist nicht nur Thomas Stermann, alter „Publikum Scheeßel“-Recke: „So nah, so intensiv – genau wie früher!“. Diesem Fazit mochten sich wohl die meisten Zuhörer anschließen.

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