Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Chris Krause aus Westeresch hat die örtliche Schulbussituation mitverbessert

Chris Krause auf dem Gelände der alten Westerescher Schmiede.
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Chris Krause auf dem Gelände der alten Westerescher Schmiede. Hier haben die Schulbusse seit einigen Wochen eine Wendemöglichkeit.

Westeresch – Chris Krause sitzt am Schreibtisch seines Arbeitszimmers. Gerade donnert wieder ein Schulbus an der Straße „Hinterm Dorf“ vorbei – dort, wo der Autor mit seiner Familie in einem schmucken Fachwerkhäuschen wohnt. „Drei, manchmal auch vier am Tag – das ist leider immer noch ganz normal“, sagt der Westerescher, der gerade an einem neuen Krimi-Roman arbeitet.

Am liebsten wäre es ihm, wenn auch die Schwergewichte nicht mehr die 3,20 Meter breite Straße durchfahren würden, sondern stattdessen, wie ein Großteil der Schulbusse auch, ganz einfach auf dem Gelände der alten Schmiede wendeten – so, wie es inzwischen auch von offizieller Seite gedacht ist. Eigentlich. „Trotzdem bin ich ganz froh, dass hier nicht mehr der ganz große Verkehr durchrollt“, meint Krause. Weniger, weil auf Dauer sonst die unbefestigten Straßenränder zu sehr gelitten hätten, nein, er spricht bei Begegnungsverkehr sogar von Lebensgefahr für Fußgänger, die eben keine Möglichkeit hätten, auf einen Gehweg auszuweichen.

An die 20 Busfahrten am Tag – so sah es im August 2019 „Hinterm Dorf“ aus. Und eine lange Zeit auch noch danach. Damals war die durch Westeresch führende Buslinie, wie alle anderen Schulbus-Linien im Südkreis auch, von der Kreisverwaltung gerade an ein neues Beförderungsunternehmen vergeben worden: die Weser-Ems-Busverkehr GmbH mit Sitz in Bremen. „Da hat sich ein Team von externen Planern wohl Google Maps angeguckt und daraus erschlossen, dass man auch bei uns ganz prima durch die Straße fahren könne“, blickt Krause noch immer kopfschüttelnd zurück. Sei es früher nur ein einziger Schulbus gewesen, der täglich an seinem Haus vorbeigefahren war, nämlich der aus Richtung Hetzwege („Das war ja noch hinnehmbar!“), hätten sich die Fahrten quasi von heute auf morgen verzwanzigfacht. „Denn plötzlich sind alle aus Richtung Hetzwege gekommen und nicht – wie vorher – aus Sothel“, sagt er. Mit der alten Linie über die Dorfstraße, die Straße „Alte Eichen“ und die Neubauerstraße sei es entsprechend vorbei gewesen.

Natürlich müssten die Busse im Dorf jetzt erst einmal drehen beziehungsweise eine Schleife fahren. Wie man aber auf die Idee gekommen sei, den Schulbusverkehr in Gänze über die enge Straße „Hinterm Dorf“ zu leiten und welche Alternativen es womöglich noch gäbe, das habe er schon im Sommer 2019 vom Landkreis wissen wollen. Nur seien eben auch erst viele Wochen ins Land gegangen, bis er überhaupt eine Antwort bekommen habe. „Da hieß es, dass eine Rückkehr zur alten Linienführung nicht möglich sei, wohl aber – als einzige Möglichkeit – die Versetzung der Bushaltestelle vor dem Westerescher Hof, sodass man einfach eine Schleife durch die ,Alten Eichen‘ gemacht hätte.“ Allerdings, sagt Krause, habe sich die Idee einer Verlegung um 200 Meter von der Ortsmitte an die Ortsperipherie dann doch als zu wenig praktikabel erwiesen. „Denn das Bushaltestellenhäuschen besteht ja nicht nur aus vier Brettern und einem Balken, sondern ist in massiver Bauweise gemauert.“

Die Flinte vorschnell ins Korn werfen, sei für ihn aber nicht in Frage gekommen. Und so habe er sich auf Anraten des Kreisamtes an die Gemeinde Scheeßel gewandt. „Die meinte, die Problematik sei ihr durchaus bekannt, man wolle sich aber nicht in Ortsangelegenheiten einmischen“, rekapituliert Krause die weiteren Ereignisse seiner Behörden-Abklapper-Odyssee. Also sei er beim Westerescher Ortsbürgermeister gelandet. „Von dem hieß es, man wolle sich um die Sache kümmern, allerdings bin ich auch da wieder unendlich lange vertröstet worden – wohl wegen all den fast weltumspannenden bürokratischen und verwaltungstechnischen Dingen.“

Immerhin: Drei alternative Lösungsmöglichkeiten, allesamt vom Landkreis erarbeitet, hätten dem Ortsrat am Ende doch noch präsentiert werden können – in einer internen Sitzung im Oktober 2020, mehr als ein Jahr, nachdem das Problem aufgetreten war. Im Ergebnis, sagt Krause, der selbst zu der Sitzung geladen war, sei jedoch keine der drei offiziell angedachten Optionen zum Tragen gekommen. „Stattdessen wurde damals vorgeschlagen, die Busse schräg gegenüber vom Westerescher Hof, auf dem Gelände der ehemaligen Schmiede, wenden zu lassen.“ Und siehe da: Nach einer Testrunde, die im Beisein eines Mitarbeiters von Weser- Ems-Bus gedreht worden sei, sowie einem kleinen Eingriff am Pflaster habe es endlich dann doch überraschend schnell geklappt, freut sich Krause. Da es sich um ein Privatgrundstück handeln würde, Eigentümer ist Heiko Wahlers, der in Scheeßel eine Versicherungsagentur betreibt, sei die Nutzungsgenehmigung zunächst aber nur befristet. „Ich denke, dass diese Lösung jetzt erst mal für ein paar Jahre hält“, zeigt der Schriftsteller sich zuversichtlich. Für die Zeit danach schwebe ihm derweil auch schon etwas Konkretes vor: „Aus dem Rondell in der Einmündung zur Wenkeloher Straße könnte man mit ganz wenig Aufwand ganz prima einen gepflasterten, überfahrbaren Kreisverkehr machen – Platz wäre allemal da.“ Zudem sei ein solcher Kreisel doch auch als optische Geschwindigkeitsbegrenzung für das Dorf von Vorteil.

Während der Westerescher noch davon erzählt, wie langsam die Mühlen der Bürokratie doch manchmal mahlen würden, und davon, welch enttäuschende Erfahrungen er als Bürger doch von so mancher Behörde gemacht habe, passiert ein weiterer Bus das Fenster seines Arbeitszimmers. Es ist der Zweite an diesem Tag. „Eigentlich wollte das Busunternehmen seinen Fahrern allesamt mitgeteilt haben, sie mögen hier nicht mehr durchfahren – darauf wollten wir schließlich hinaus“, seufzt er. Nach seinem Wissenstand plane der Landkreis, sich deswegen nun einmal mehr mit Weser-Ems-Bus in Verbindung zu setzen. „Mal abwarten, ob was passiert“, kommentiert es der Autor, der sich nach seinen Erzählungen über den realen Krimi nun aber erstmal wieder seinem fiktiven Stoff widmet. Und auch der hat noch ein offenes Ende.

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