Finanzierungskonzept gerät ins Wanken

Buslinie von Scheeßel nach Zeven steht auf der Kippe

Von Scheeßel mit dem Bus nach Zeven und umgekehrt – das könnte die neue Linie 833 möglich machen. Nur an der Finanzierung beteiligen wollen sich die Scheeßeler nicht.
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Von Scheeßel mit dem Bus nach Zeven und umgekehrt – das könnte die neue Linie 833 möglich machen. Nur an der Finanzierung beteiligen wollen sich die Scheeßeler nicht.

Um die Einrichtung einer Buslinie zwischen Scheeßel und Zeven ist es nicht gut bestellt. Die Gemeinde Scheeßel will sich nicht an der Finanzierung beteiligen.

Scheeßel/Rotenburg – Eine richtige Buslinie, die Scheeßel mit Zeven verbindet, die gibt es noch nicht. Abhilfe könnte die Linie 833 schaffen – oder auch nicht. Schon vor längerer Zeit, im Zuge der Aufarbeitung des Nahverkehrsplans, hatte die Gemeinde Scheeßel gegenüber dem Landkreis angeregt, doch einmal zu prüfen, ob nicht ein Lückenschluss möglich sei.

Über Kosten war seinerzeit noch nicht gesprochen worden. Die benachbarte Samtgemeinde fand eine solche Linie durchaus interessant – erst recht mit Blick darauf, dass diese ja ihre neuausgewiesenen Gewerbegebiete in Zeven-Aspe und Elsdorf prima an den ÖPNV anbinden könne.

Mehrere Gesprächsrunden fanden zwischen dem Landkreis und den beteiligten Kommunen seitdem statt, zuletzt in der vergangenen Woche. „Da hat die Gemeinde Scheeßel erklärt, dass das Interesse ihrerseits nicht so groß sei, dass man dafür eigenes Geld bereithalten möchte“, erklärte Erster Kreisrat Torsten Lühring in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses für Wirtschaft und Verkehr. Im Zevener Rathaus sei man dagegen vollumgänglich einverstanden gewesen – sowohl mit dem für die Linie erarbeiteten Fahrplanentwurf als auch mit dem Finanzierungsanteil. Denn eines, betonte Lühring, sei klar: Die Kosten an der Linie, die zunächst für zwei Jahre im Testmodus bedient werden soll, trage der Landkreis ab der ersten Fahrt lediglich zur Hälfte. Bei jährlich 372 000 Euro würden nach dem Territorialprinzip so noch 106 000 Euro auf Zeven sowie 80 000 Euro auf Scheeßel entfallen.

Dass die Gemeinde dieses Geld nun nicht aufbringen wolle, habe ihn dann doch sehr überrascht, räumte der Verwaltungsmann ein. „Schließlich hatten beide Gemeinden das ursprünglich ja mal gemeinsam angeschoben – aber eben wohl mit dem Gedanken verbunden, dass der Landkreis das komplett alleine bezahlt“, mutmaßte Lühring. So sei man in Scheeßel jedenfalls zu der Überzeugung gekommen, dass der Bedarf nicht so groß sei.

Der dem Ausschuss vorgelegten Beschlussempfehlung, die zum Inhalt hat, dass die Buslinie vorbehaltlich der hälftigen Kostenbeteiligung der Gemeinde Scheeßel und der Samtgemeinde Zeven zunächst für zwei Jahre ab dem 1. August eingerichtet wird, sollte eine solche Haltung seiner Ansicht nach aber keinen Strich durch die Rechnung machen. „Wenn Scheeßel vielleicht noch einen Gegenvorschlag macht, dann werden wir uns damit beschäftigen – wenn es aber so bleibt, dann ist es erstmal so.“ Möglicherweise könne man die Linie in anderer Form später auch mit dem „Astrow“, dem Anrufsammeltaxi im Landkreis, bedienen.

An dem Beschluss festhalten, das konnte Reinhard Bussenius (Grüne) nur begrüßen. „Keiner kann Scheeßel verwehren, nochmal in die Diskussion zu gehen“, erklärte der Bremervörder. „Damit setzen wir beide Gemeinden natürlich auch unter Druck.“ Dass es durchaus wert sei, die Linie für zwei Jahre zu testen, befand Jens Behrens (CDU) aus Elsdorf: „Dann sehen wir ja, ob wir den Individualverkehr in den Bus reinbekommen oder nicht.“ Dass Scheeßel keinen Cent zahlen wolle, wundere ihn aber schon – „dann hätte auch der Landkreis dafür kein Geld in den Haushalt einstellen müssen“„ Er wünsche sich, dass zwischen den Rathäusern nun einmal mehr der Kontakt gesucht werde.

Erstaunt über die Information zeigte sich Angelika Dorsch (SPD). „Denn als Scheeßeler Ratsfrau ist mir das gar nicht bekannt gewesen.“ Tatsächlich, erklärte die Bartelsdorferin, sei der Scheeßeler Anteil diskussionswürdig – und das aus einem simplen Grund: „Mit Freude sind wir dem HVV beigetreten – wir bezahlen dafür aber auch. Wenn die Zevener über die Buslinie auch den HVV ab dem Bahnhof in Scheeßel nutzen können, dann zahlen wir im Grunde genommen doppelt: die Mitfinanzierung des HVV-Vorteils als auch den Bus.“ Das, so Dorsch, sei aus Scheeßeler Sicht natürlich nicht fair. Ja, auch sie werde dem Vorschlag, an dem Beschluss feszuhalten, zustimmen. „Denn ich und meine Fraktion im Gemeinderat halten die Linie immer noch für ein gutes Vorgehen. Dann muss halt jetzt einfach die Hoffnung darauf liegen, dass auch an anderer Stelle im Rat und im Rathaus womöglich neu gedacht wird.“

Davon dürfte aber wohl nicht auszugehen sein, denn wie Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, habe „ihr“ Verwaltungsausschuss bereits Nägel mit Köpfen gemacht. „Vor dem Hintergrund, dass wir den Nutzen für uns nicht sehen, gibt es ein einstimmiges Votum, dass die Gemeinde sich derzeit nicht an den Kosten beteiligen möchte.“ Jährlich 110 000 Euro zahle Scheeßel für die Mitgliedschaft im HVV – „das sind alles aber noch Abschläge, vereinbart war seinerzeit eine Grundlagenzählung der Nutzer, um anschließend die Aufteilung der Kosten auf die einzelnen Bahnhöfe zu machen“. Eine solche Zählung habe wegen Corona aber noch nicht stattfinden können, da die nur zu verfälschten Ergebnisse geführt hätte. „Deshalb kennen wir weder die genaue Basis noch die für unsere Gemeinde anfallenden Kosten, die möglicherweise durch die Mehrinanspruchnahme des HVV auftreten.“ Entsprechend sei auch noch gar keine Summe für die Buslinie 833 zwischen Zeven und Scheeßel in den Gemeindehaushalt eingestellt worden.

Dittmer-Scheele: „Wenn für die Zevener das Angebot so attraktiv und wichtig ist, steht es ihnen natürlich frei, die Kosten zu übernehmen – und dem Landkreis Rotenburg auch.“

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