Bunt ging es nur im Wasser zu

Jahrestag: Vor 60 Jahren wurde in Scheeßel das Beekebad eröffnet

Das damals neue Sommerbad mit seinem Babybecken war ein beliebtes Postkartenmotiv.
+
Das damals neue Sommerbad mit seinem Babybecken war ein beliebtes Postkartenmotiv.

Scheeßel – Spätestens wenn in einigen Tagen die Schulferien beginnen, ist das Beekebad ein beliebter Anlaufpunkt für Kinder, Eltern und Großeltern. Für Stammgäste ist das Freibad am Helvesieker Weg eine Institution, ohne die der Beekeort so wenig denkbar ist wie etwa das Rathaus oder die Kirche. Dabei besteht das Beekebad erst seit 60 Jahren. Am 30. Juni 1961 wurde es mit großem Festakt eröffnet – und damals war alles anders, wie ein Blick in die Annalen zeigt.

Gegründet wurde das Bad als Nachfolger einer Wiese an der Wümme. Die Naturbadeanstalt war 1927 vom TV Scheeßel eingerichtet worden, weil eine der Übungen des deutschen Turn- und Sportabzeichens Schwimmen als Disziplin vorsah. „Jeder Turner ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Retter“ heißt es dazu markig in einer Festschrift des TV Scheeßel. Diese erste Scheeßeler Badeanstalt, bis Beginn des Zweiten Weltkriegs Schauplatz so manchen Schwimmfests, wurde im Zuge des Krieges zerstört. Nach dem Krieg lag das Schwimmen in Scheeßel brach. Es fehlte an Material, um das Bad wiederherzustellen – eine Aufgabe, bei der man seitens der TV-Vereinsvorsitzenden nun die Gemeinde in der Pflicht sah.

Die kam dem Wunsch vieler Bürger nach. Damit auch für die älteren Gäste gesorgt war, hatte man eine Kaffeeterrasse gebaut, die den Blick auf das Treiben ermöglichte. Bunt ging es übrigens nur im Wasser zu: Die Älteren saßen schicklich in dunkler Kleidung auf der Terrasse. „Heute gehen Badegäste in diesem Alter selbst noch schwimmen“, sagt Claus-Dieter Winkelmann, dessen Archiv über einige Fotos aus der ersten Zeit verfügt. Auf einem dieser Bilder ist Großmutter Anna Lüdemann verewigt; die Erwachsenen auf dem Bild kennt der Scheeßeler Archivar noch persönlich. Die Bilder waren im damaligen Geschäft vom Fotografen Heinrich Volckmer an der Kirchstraße zu erwerben – dort, wo heute bei „Vielseitig“ Bücher über den Ladentisch gehen.

Claus-Dieter Winkelmann kennt das Bad bereits aus Jugendzeiten.

Als das Bad eröffnet wurde, war Winkelmann 13. „Um ins Schwimmerbecken zu dürfen, musste man das Freischwimmerabzeichen – Seepferdchen gab es noch nicht – sichtbar auf der Badehose aufgenäht tragen. So voll, wie es dort an den Wochenenden war, hätte der Bademeister sonst wohl schnell den Überblick verloren, wer dort hingehört“, erinnert sich der Ur-Scheeßeler. Die Rasenflächen waren tabu, „nur auf der Liegewiese durfte man liegen“. Auch Spinde gab es in den ersten Jahren nicht: „Seine Kleidung gab man nach dem Umziehen an einem Tresen ab – dafür hatte die Gemeinde extra zwei Mitarbeiter eingestellt.“

Ein Name, der untrennbar mit der Geschichte des Beekebades verbunden ist, ist Dieter Roßbach. Der Bademeister prägte von 1967 bis 2006 die Entwicklung. Er erinnert sich noch an die Anfänge: „Damals gab es keine Heizung, beim Anbaden im Frühling herrschten Temperaturen von 16 Grad. Die wurden am Einmeterbrett tagesaktuell angeschlagen mit dem Hinweis ‚Wassertemperatur: 16 Grad. Springen auf eigene Gefahr‘.“ Als später eine Wärmepumpe eingebaut wurde, wodurch die Beheizung aus dem nahegelegenen Heidesee erfolgte, sei das schon ein enormer Fortschritt gewesen. Die Liegewiese, die große Schneckenrutsche, Tischtennis und Beachvolleyballfeld kamen erst später hinzu – so habe man dem Wunsch der Badegäste Rechnung getragen, über die „körperliche Ertüchtigung“ hinaus auch unterhalten zu werden.

Auch die Bedingungen fürs Schwimmen lernen hätten sich immer weiter verbessert. Roßbach muss es wissen: In seinen 40 Dienstjahren brachte er schätzungsweise 3  500 bis 4  000 Kindern das Schwimmen bei, darunter auch die noch amtierende Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. So hätten die heutigen Schwimmflügel gegenüber Wollpolstern und Korkgürteln eine ganz andere Bewegungsfreiheit ermöglicht, aber auch die beheizten Becken seien von Vorteil gewesen: „Da verkrampfen sich die Kinder nicht so leicht.“

Die Einweihung der Rutsche zog viele Zuschauer an. An die große Schneckenrutsche heute war noch nicht zu denken.

Roßbachs Bemühungen um kontinuierliche Renovierungen wurden ab 2004 von seinem Nachfolger Marcus Hils fortgeführt, der mittlerweile auch schon auf ein Vierteljahrhundert „Beekebadgeschichte“ zurückblickt. So waren die Photovoltaikanlage und Fernwärme aus Biogas bei ihrer Einführung „State-of-the-Art“. Doch nicht zuerst die Technik prägt das Renommee des charmanten Bades in idyllischer Lage direkt am Wald: die von Roßbach etablierten und Hills weitergeführte DLRG-Badeparty und das Saisonabschlussfrühstück, aber auch das Flutlichtschwimmen und der Kakao am Beckenrand am letzten Tag prägen die Institution. Mit diesem menschenzugewandten Ansatz hat das Beekebad auch die beiden jüngsten historischen Herausforderungen gemeistert: den Zuzug von Flüchtlingen, die im Schwimmen fit gemacht werden mussten, sowie die Wiederaufnahme und Aufrechterhaltung des Schwimmbetriebs in Zeiten der Corona-Pandemie.  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

„Rauchfang“-Betreiber über das Aus ihres Traditionslokals

„Rauchfang“-Betreiber über das Aus ihres Traditionslokals

„Rauchfang“-Betreiber über das Aus ihres Traditionslokals
Landkreis macht mit Impfbus Halt in Rotenburg

Landkreis macht mit Impfbus Halt in Rotenburg

Landkreis macht mit Impfbus Halt in Rotenburg
Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an
Selten auf den Feldern: Clüversborsteler Bauern bauen Knoblauch an

Selten auf den Feldern: Clüversborsteler Bauern bauen Knoblauch an

Selten auf den Feldern: Clüversborsteler Bauern bauen Knoblauch an

Kommentare