Bürgerversammlung in Bartelsdorf: Meinungen zu Windpark-Erweiterungsplänen gehen auseinander

Wertschöpfung oder Wertverfall?

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Andrang in der Mehrzweckhalle: Einige der rund 120 Bürger brachten in der Versammlung ihre Bedenken gegen eine Windpark-Erweiterung zum Ausdruck.

Bartelsdorf - Von Lars Warnecke. Massive Ablehnung mischt sich mit wohlwollender Zustimmung: Die Pläne für eine Erweiterung des Windparks in Bartelsdorf rufen bei den Anwohnern ein geteiltes Meinungsbild hervor. Das hat sich bei einer Bürgerversammlung am Dienstagabend in der örtlichen Mehrzweckhalle gezeigt. Der Saal war brechend voll, einige der rund 120 Bartelsdorfer brachten ihre Bedenken gegen neue Windkraftanlagen mit einer Höhe zwischen 150 und 200 Metern zum Ausdruck. Sie fürchten noch mehr Lärm und eine Wertminderung für ihre Häuser.

In der rund zweistündigen Versammlung machten einige Anwohner ihrem Unmut Luft: „Es geht um uns, die betroffen sind. Nicht um die, die Geld damit verdienen wollen“, lautete ein Vorwurf an RWE Innorgy. 16 Anlagen betreibt der auf Windenergie-Vorhaben spezialisierte Konzern in einem Abstand von mindestens 1000 Metern zur Ortschaft. Nachdem der Landkreis im März 2013 die Aufstellung eines neuen Regionalen Raumordnungsprogrammes (RROP) beschlossen hatte, in dem auch neue Windkraft-Vorranggebiete ausgewiesen werden sollten, habe man bereits frühzeitig Flächen mit Erweiterungspotenzialen ausfindig gemacht und über entsprechende Pachtverträge mit den Grundstückseigentümern verhandelt, erläuterte Projektleiterin Katrin Hackbarth. Ein Großteil dieser Verträge sei inzwischen schon unterschrieben.

Wie Hackbarth weiter ausführte, könnten nach dem Anfang Dezember vorgestellten RROP-Entwurf, in dem mit Landschaftsschutzbereichen auch sogenannte Tabuzonen ausgewiesen worden seien, nun vier oder fünf neue Anlagen mit jeweils Drei-Megawatt-Leistung gebaut werden – und damit fünf weniger als von dem Energieriesen ursprünglich angepeilt. „Die Potenzialflächen, die sich größtenteils auf Brockeler Gebiet befinden, sind nun doch kleiner ausgewiesen als wir uns das gedacht haben“, so die Projektleiterin, die angesichts des aktuellen Planungsstandes weder Angaben über den Anlagentyp machen konnte noch über die exakte Lage und Höhe der Windräder. „Das Erweiterungsvorhaben befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium, entsprechend kann ich heute noch keine konkreten Planungen auf den Tisch legen – wir haben noch einen langen Weg vor uns.“

Wie lange das hänge nun von den Genehmigungen ab, gab Hackbarth Auskunft. So sei unter Berücksichtung der mit Blick auf den Raumentwurf vorgeschriebenen Öffentlichkeitsbeteiligung, der Genehmigungsverfahrenseröffnung sowie den vorbereitenden Baumaßnahmen nicht vor Ende 2018 mit einer Inbetriebnahme zu rechnen. „Vieles hängt vom zeitlichen Ablauf her noch von der Anzahl der Einwände ab und davon, wie sich das auf die Planungen niederschlägt.“

Einwände, die brachten Martin Riebesell, Lüder Miesner, Marco Bruns und Mark Meyer von der Interessengemeinschaft der Grundstückeigentümer an dem Abend nicht hervor. Ganz im Gegenteil, haben sich die Landwirte aus Bartelsdorf und Westervesede doch zu einer unter dem Namen „Heidland Wind GmbH“ firmierenden Projektgenossenschaft zusammengeschlossen, die mindestens eine der geplanten Anlagen künftig in Bürgerhand betreiben möchte. „Realistisch wären auch zwei, das hängt letztendlich vom Investitionsvolumen ab“, erklärte Marco Bruns. Er machte keinen Hehl daraus, dass die Gespräche mit RWE Innorgy mit einem langen Reifungsprozess einhergegangen seien, „bis das Modell auch zu unserer Zufriedenheit stand“.

Seinen Worten nach verfüge man mit dem Bürgerwindpark über eine inflationsneutrale Kapitalanlage, die eine Bereicherung für die gesamte Region darstellen werde. „Unsere Beteiligung bringt der Gemeinde Scheeßel nicht nur mehr Gewerbesteuereinnahmen, sondern bietet auch die Chance, dem Konzern nicht die ganzen Rechte auf die Wertschöpfung ,Wind‘ zu überlassen“, warb er vor den Anwesenden für die Idee.

Wertschöpfung auf der einen Seite, Wertverfall auf der anderen. Letzteren sehen einzelne Bürger für die Ortschaft einsetzen, sollte der Windpark expandieren. „Dann hätten wir mit den Anlagen hier eine 160-Grad-Umzingelung“, brachte Heinrich Hollmann seine Bedenken zum Ausdruck. Ein weiterer Einwand drehte sich um die Lärmemission, die die „Türme“ vor allem bei Ostwind verursachen würden. Hackbarth beteuerte, dass dahingehend sämtliche Auflagen eingehalten würden – als eine Bürgerin dazu aufforderte, man möge bei entsprechenden Wetterverhältnissen doch einmal erneute Messungen durchführen, verwies die Projektleiterin darauf, sich an die Emissionsschutzbehörde zu wenden. Ferner sei das Geräuschempfinden ohnehin subjektiv zu betrachten.

Mehr als 100 Unterschriften, unterrichtete Ortsbürgermeister Ernst-August Kröger die Zuhörer, seien inzwischen aus der Einwohnerschaft gegen die Windpark-Erweiterung gesammelt worden. Offenbar befinden sich diese Bürger aber in der Minderheit. „Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir auch bereit sein, etwas zu tun“, meldete sich eine Frau zu Wort. Kaum einer im Saal, der da nicht applaudieren wollte.

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