Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde Fintel: Kandidat Tobias Krüger wünscht sich eine hohe Beteiligung

„Ich hoffe wirklich auf das Beste “

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Mit seinen 39 Jahren wäre Tobias Krüger der jüngste hauptamtliche Bürgermeister im Landkreis Rotenburg.

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Er ist jung, charmant, fleißig und auf gutem Weg, neues Verwaltungsoberhaupt der Samtgemeinde Fintel zu werden: Mit Tobias Krüger haben die zwischen Fintau und Eurostrand lebenden Bürger morgen die Wahl – oder eben auch nicht. Schließlich macht der 39-Jährige das Rennen um das Bürgermeisteramt als einziger, von der örtlichen Politik gestützte Kandidat mit sich selbst aus. Immerhin: Die rund 6200 Wahlberechtigen können ankreuzen, ob sie dem jetzigen Bauamtsleiter im Lauenbrücker Rathaus den Posten zutrauen oder nicht. Kurz vor dem Urnengang haben wir mit Tobias Krüger über dessen Hoffnungen und Erwartungen gesprochen.

Herr Krüger, Sie sind der einzige Kandidat bei der Bürgermeisterwahl morgen. Dann dürfen wir ja schon mal gratulieren...

Tobias Krüger: Das ist sehr freundlich von Ihnen, aber noch verfrüht. Wie Sie wissen, entscheiden darüber am morgigen Tag die Wähler.

Kein Gegenkandidat und seit sieben Jahren Bauamtsleiter im Rathaus der Samtgemeinde. Zwischen Fintau und Eurostrand kennt Sie also jeder. Weshalb haben Sie vor der Wahl trotzdem Bürgergespräche geführt?

Krüger: Damit wollte ich von Anfang an unterstreichen, dass ich auch ohne Gegenkandidat einen Wahlkampf ohne Wenn und Aber führe. Für die Zukunft möchte ich diese Hausbesuche, neben regelmäßigen Bürgermeistersprechstunden, übrigens gerne fortführen. Zusätzlich war es mein Anliegen, neben den Bürgerdialogen die Möglichkeit zu bieten, mit mir ein persönliches Gespräch führen zu können. Meine Erfahrung zeigt, dass nicht jeder Interessierte im Rahmen großer öffentlicher Veranstaltungen Fragen stellen oder Diskussionen führen möchte.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind und Jugendlicher? Bürgermeister?

Krüger: Nein, als Kind wollte ich Polizist werden und als Jugendlicher hätte ich mir vorstellen können, mein Geld mit Computern zu verdienen. Erst durch verschiedene Praktika habe ich meine Berufswahl eingrenzen können. Durch meine Aus- und Fortbildungen, aber auch mit steigender Berufserfahrung haben mir die Aufgaben mehr und mehr Freude am Beruf beschert. Ich kann nur jedem wünschen einen Beruf zu finden und auszuüben, der Spaß macht.

Warum und wann haben Sie sich für die Kandidatur entschieden?

Krüger: Weil ich davon überzeugt bin, dass ich der richtige Kandidat bin. In erster Linie liegt die Aufgabe des Samtgemeindebürgermeisters in der Leitung der Samtgemeindeverwaltung und als Impulsgeber für strategische Überlegungen und Ideen. Hier vor Ort können wir in einem breiten Themenspektrum unsere Entwicklung selbst in die Hand nehmen. Wir können agieren und Erfolg oder Misserfolg direkt erleben und beeinflussen. Aus diesem Grund möchte ich mich den aktuellen und künftigen Herausforderungen hier in der Samtgemeinde Fintel stellen. Die Entscheidung zu kandidieren ist übrigens im September vergangenen Jahres gefallen – nach Gesprächen mit vertrauten Personen und letztlich im Kreise meiner Familie.

Wie gehen Sie mit der Situation um, einziger Bewerber zu sein?

Krüger: Zwischenzeitlich hätte ich mir gewünscht, einen Gegenkandidaten zu haben. Auf diese Weise hätte ich noch deutlicher meine Qualitäten und mein Profil darstellen können.

Wie wichtig ist für Sie morgen die Wahlbeteiligung, die ja selbst bei Bürgermeisterwahlen mit mehreren Kandidaten oft erstaunlich niedrig ist?

Krüger: Eine ordentliche Wahlbeteiligung ist mir schon wichtig. Mir ist bewusst, dass meine Einflussmöglichkeiten nur begrenzt sind. Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich nicht vorrangig für meine Kandidatur, sondern für die Wahlbeteiligung werben möchte und muss. Dies ist auch der Grund, weshalb zum Beispiel Wahlplakate aufgehängt wurden. Persönlich empfinde ich es eher als unangenehm, meinem Foto an zahlreichen Straßen zu begegnen. Die Plakate sind aber ein gutes Mittel, die Wähler an ihr Wahlrecht zu erinnern.

Haben Sie da ein Wunschziel, etwa „50 plus x“?

Krüger: Trotz zahlreicher ernüchternder Ergebnisse bei Bürgermeisterwahlen in anderen Kommunen – ich hoffe wirklich auf das Beste.

Könnte man bei einem einzigen Kandidaten nicht auch gleich auf die Wahl verzichten?

Krüger: Nein, natürlich nicht, denn nur so können die Wählerinnen und Wähler erklären, ob Sie den Kandidaten unterstützen. Im Übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass der sachlichen Zusammenarbeit in den politischen Gremien durch einen gemeinsamen Kandidaten Rechnung getragen wird. Durch eine gute Wahlbeteiligung mit einer hohen Zustimmung wird auch die Arbeit der Fraktionen in der Vergangenheit gewürdigt. Zum anderen stärkt es die Position des Bürgermeisters.

Was macht einen guten Bürgermeister grundsätzlich aus?

Krüger: Ein Bürgermeister einer ländlichen Samtgemeinde sollte zahlreiche Facetten bieten. Neben umfangreichen Fachkenntnissen ist Erfahrung, insbesondere Empathie im Umgang mit Menschen, von großer Bedeutung.

Und diese Qualitäten bringen Sie für das Amt mit?

Krüger: Unter anderem. Zusätzlich sehe ich mich durch zahlreiche Unterstützer, die Parteien und auch die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden, die von meinen Fähigkeiten überzeugt sind, bekräftigt.

Welcher Partei stehen Sie eigentlich am nächsten?

Krüger: Dem HSV natürlich... (lacht)

Was meinen Sie: Spielt Parteipolitik auf dem Dorf überhaupt eine Rolle?

Krüger: In unseren dörflichen Strukturen sollte das keine Rolle spielen, nein. Das ist auch nicht das Verständnis der Parteien vor Ort. Alle Themen wurden und werden ausnahmslos im Interesse der Sache, im Interesse der Samtgemeinde betrachtet. Parteipolitische Ansichten waren und sind hier nicht entscheidend. Dafür werde ich mich auch künftig immer einsetzen.

Gibt es etwas, dass Sie an der Politik nervt?

Krüger: Auf überregionaler Ebene verbinde ich in der Tat nicht nur positive Gedanken mit dem Begriff „Politik“ oder „Politiker“. Bei mir wecken nebulöse oder sich sogar widersprechende Aussagen Unverständnis. Auch die Charaktereigenschaft, mit vielen Worten nichts zu sagen, ist in meinen Augen kein Talent.

Sie werden nur noch für fünf Jahre gewählt. Halten Sie diese verkürzte Amtszeit für sinnvoll?

Krüger: Ein Zeitraum von fünf Jahren bietet nur bedingt Möglichkeiten, dauerhafte Akzente zu setzen. Das gilt umso mehr für Kandidaten in anderen Kommunen, die sich erst fachlich einarbeiten müssen. Zwischen Einarbeitung und Vorbereitung auf die nächste Wahl steht wenig Zeit zur Verfügung. Für mich persönlich sehe ich kein Hindernis, sämtliche Projekte und Aufgaben können nahtlos fortgeführt werden.

Was wäre für Sie das vordringlichste und was das erstrebenswerteste Projekt für die Samtgemeinde in den kommenden fünf Jahren?

Krüger: Neben dem HVV-Tarif sind die anstehenden Investitionen im Bereich des Brandschutzes ein gewichtiges Thema. In den kommenden Jahren stehen baulichen Maßnahmen und Fahrzeugneubeschaffungen an. Das Investitionsvolumen wird mehrere Millionen Euro umfassen. Die dafür notwendigen Entscheidungen gilt es sorgfältig abzuwägen. Gerne würde ich in fünf Jahren feststellen, dass wir viele Menschen, die heute bei uns Schutz suchen, als anerkannte Flüchtlinge erfolgreich in unsere Dorfgemeinschaft und in das Arbeitsleben integriert haben.

Und welches wäre Ihre erste Amtshandlung als Verwaltungschef?

Krüger: Ich denke, ich werde das Namensschild an der Bürotür ändern.

Bürgermeister ist man rund um die Uhr. Für persönliche Interessen bleibt oft wenig Zeit. Für Sie scheint das in Ordnung zu gehen...

Krüger: Na klar, weil mir die Arbeit ja auch Spaß macht. Trotzdem gehört aber auch eine gesunde Balance zwischen Beruf und Freizeit dazu. Den Grad der Balance beurteilt sicher jeder anders.

Wer würde eigentlich Ihr Nachfolger im Bauamt werden, ist da die Personalie schon entschieden?

Krüger: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Alles weitere werden wir ab der kommenden Woche angehen.

Was machen Sie besser als Ihr Vorgänger Michael Niestädt?

Krüger: Michael Niestädt und ich arbeiten seit jeher konstruktiv zusammen. Dazu gehört auch, dass im persönlichen Gespräch gegenseitige Kritik offen ausgesprochen wird und gegenteilige Meinungen ausgetauscht werden. Ein Resümee können wir gerne in fünf Jahren ziehen.

Wie feiern Sie am Sonntagabend?

Krüger: Ich werde mit meiner Familie im Rathaus sein und auf die Ergebnisse aus den Wahllokalen warten. Ab etwa 18.30 Uhr ist voraussichtlich mit den ersten Meldungen zu rechnen. Den Abend möchte ich nutzen, um mich bei allen Unterstützern mit einem Glas Sekt oder einem Bier zu bedanken.

Und wenn die Mehrheit mit „Nein“ stimmen sollte?

Krüger: Dann heißt der Bauamtsleiter der Samtgemeinde auch künftig Krüger.

Zur Person

Tobias Krüger, Jahrgang 1977, lebt mit seiner Frau Anett und den beiden Töchtern Jennifer (7) und Isabella (4) in Sittensen. Im Alter von 16 Jahren nahm er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten auf. Es folgten unterschiedliche Tätigkeiten in der Kommunalverwaltung. Zusatzausbildungen zum Verwaltungsfachwirt, kommunalen Gebäudewirt, zum Anlage- und Vermögensberater sowie ein Führungskräftetraining öffneten ihm schließlich die Tür ins Lauenbrücker Rathaus. Dort leitet der leidenschaftliche Motorradfahrer seit 2009 den Fachbereich Bau und Planung. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport – Laufen, Schwimmen und Beachvolleyball zählt er zu seinen Hobbys.

lw

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