Bürgermeisterin spricht beim Neujahrsempfang über die Flüchtlingssituation

Dittmer-Scheele lobt Welle der Hilfsbereitschaft

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Mehr als 200 Gäste aus allen Gesellschaftsbereichen haben den Neujahrsempfang im Saal des Scheeßeler Hofs miterlebt.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Bis vor die Tür standen die Gäste Schlange. Entsprechend eng wurde es im Saal, als Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele und weitere Redner nach dem Begrüßungsdefilee zu ihren Vorträgen anhoben. Die Gemeinde hatte am Donnerstagabend zum Neujahrsempfang in den Scheeßeler Hof geladen. Mehr als 200 Gäste kamen, um mit der Verwaltungschefin und den Ratsmitgliedern auf das Neue Jahr anzustoßen – und miteinander zu plaudern. Das alles beherrschende Thema drehte sich dabei einmal mehr um die aktuelle Flüchtlingssituation.

Höllisch aufpassen mussten die Bürger, Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Vereinen, Feuerwehr, Verwaltung und sozialen Einrichtungen, dass ihnen im Getümmel nicht der Sekt oder der Orangensaft aus den Gläsern schwappte. Das Service-Team vom Scheeßeler Hof füllte Glas um Glas, die Stehtische waren dicht umlagert. Neben der stellvertretenden Landrätin und Grünen-Landtagsabgeordneten Elke Twesten wurde auch jede Menge weitere Lokalprominenz gesichtet. Im angeregten Gespräch steckten die Vorstände von Sparkasse und Volksbank – Jürgen Lange, Olaf Achtabowski, Matthias Dittrich und Stefan Hunsche – die Köpfe zusammen. In Bundeswehr-Uniform mischten sich Oberleutnant Tom Heßler und Oberstabsfeldwebel Maik Meier vom Versorgungsbataillon 141 aus der Rotenburger Lent-Kaserne unter die Gästeschar. Schließlich pflegt die Gemeinde seit kurzem eine Partnerschaft mit der Militär-Einheit.

Gleich zu Beginn schnitt Dittmer-Scheele das nach ihren Worten „wichtigste, da forderndste Thema“ für die Gemeinde an: die Herausforderungen der Flüchtlingsaufnahme und -integration. 185 Menschen aus 16 Nationen seien derzeit in mehr als 40 Wohnungen dezentral untergebracht. Demnächst würden zwei Unterkünfte auf dem Internatsgelände für weitere 120 Flüchtlinge geöffnet. Die Rathaus-Chefin lobte die Bürger ihrer Gemeinde. Sie hätten die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. „Ohne die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen wäre die Aufgabe nicht zu bewältigen.“ Allerdings schlug sie auch kritische Töne an: „Wir dürfen nicht durch zu hohen ungehemmten Zugang überfordert werden – und brauchen den Schutz und ein entschiedenes Handeln des Staates dort, wo Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit ausgenutzt werden.“ Die Unterbringung der Flüchtlinge sei das eine, „Integration und friedvolles Leben in der Gemeinschaft bei Anerkennung unserer Werte und Kultur das andere“, so Dittmer-Scheele, die darauf hinwies, dass dieses Ziel allein nicht zu erreichen sei. „Es braucht unser aller Unterstützung – für mich ist das ein Gebot der Menschlichkeit.“

Neujahrsempfang in Scheeßel

Kurz ging die Bürgermeisterin auf weitere Herausforderungen ein, vor denen die Gemeinde in diesem Jahr steht – angefangen von der Wohnentwicklung auf den Dörfern über den letzten Bauabschnitt zur Neugestaltung der Kernortmitte bis hin zum Feuerwehrinvestitionsplan und der Supermarktansiedlung.

Auf die allgemeine Flüchtlingssituation kam Gastredner Gerd Hachmöller vom Stab zur Bewältigung der Flüchtlingsunterbringung in der Visselhöveder Lehnsheide-Kaserne zu sprechen. Der Landkreismitarbeiter ist überzeugt: „Die vor uns liegende Aufgabe der Integration ist riesengroß und deutlich schwieriger, als allein die Aufnahme von Flüchtlingen, mit der wir uns heute noch vor allem beschäftigen.“ Was er bei seiner Arbeit mit den Zuwanderern gelernt habe: „Man bekommt auch eine ganze Menge zurück!“

Nachdem die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Scheeßel, Anja Schürmann, über ihre Eindrücke aus dem örtlichen „Refugium“-Begegnungscafé sowie Paul Göttert und Franz Wenzl über das breit aufgestellte Engagement ihres mittlerweile 60 Mitglieder zählenden Flüchtlingshilfe-Vereins berichtet hatten, ging man schon zum gemütlichen Teil des Abends über. In kleinen Grüppchen wurde munter geplaudert. Voller neuer Eindrücke machten sich die Besucher zu späterer Stunde in klirrender Kälte auf den Heimweg.

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