Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele äußert sich zur Flüchtlingssituation in der Gemeinde Scheeßel

„Hilfsbereitschaft ist großartig“

+
Bin r zuversichtlich, dass es gelingen kann.“ – Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die Flüchtlingszahlen steigen – in Deutschland, in Niedersachsen und damit auch in Scheeßel. Rund 110 Asylbewerber sind derzeit in der Gemeinde untergebracht. Weitere 85 Zuwanderer werden bis Anfang kommenden Jahres erwartet. „Für uns alle eine Herkulesaufgabe,“ sagt Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. Im Interview spricht sie über die örtliche Situation der Flüchtlinge.

Frau Dittmer-Scheele, Sehen Sie ein Limit? Gibt es einen Punkt X, an dem man sagen muss: Das kann Scheeßel nicht mehr schaffen?

Dittmer-Scheele: Wenn die auf den diversen Gipfeln beim Bund und Land und EU verabredeten Maßnahmen nicht schnellstens umgesetzt werden, bin ich schon in Sorge. Ich bin aber zuversichtlich, dass es gelingen kann. Wir werden alles daran setzen, weiter zu helfen. Die Gemeinde sucht dringend weitere Wohnungen und Häuser zu mieten.

Wann muss bei Flüchtlingen die Integration beginnen?

Käthe Dittmer-Scheele: Menschen, die nach Deutschland kommen, sind in erster Linie einfach Menschen. Sie brauchen Hilfe und Zuwendung und haben Anspruch auf die rechtliche Prüfung ihrer Anliegen. Flüchtlinge mit Bleibeperspektive sollten so früh wie möglich integriert werden. Dazu bedarf es einer personellen und finanziellen Kraftanstrengung von vielen Stellen und Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Wir wollen und werden als Kommune helfen, dürfen aber von Bund und Land nicht alleine gelassen werden. Es wird eine Aufgabe sein, der wir uns über viele Jahre stellen müssen und stellen werden. Ohne Unterstützung auf allen staatlichen Ebenen und ohne ehrenamtliches Engagement werden wir diese Herkulesaufgabe nicht wuppen können.

Woher kommen die meisten Flüchtlinge in Scheeßel?

Dittmer-Scheele: In Scheeßel wohnen Flüchtlinge aus 15 verschiedenen Nationen, die größte Gruppe kommt zurzeit aus dem Sudan.

Läuft die Flüchtlingsarbeit in Scheeßel eher über die Gemeinde oder über private Initiativen?

Dittmer-Scheele: Sowohl als auch. Die Hilfsbereitschaft unserer Bürger ist großartig. Wir haben zum Beispiel beim Asylkreis der Kirche, der DRK-Kleiderkammer, der Tafel, in den Vereinen und Schulen Menschen, die sich ehrenamtlich für unsere Flüchtlinge einbringen. Dafür bin ich sehr dankbar. Es werden weitere Unterstützer gesucht und gebraucht, damit die ehrenamtliche Arbeit sich auf viele Schultern verteilen kann. Wer sich einbringen möchte, ist herzlich willkommen und kann sich mit Paul Göttert vom Asylkreis oder unseren Mitarbeitern im Rathaus in Verbindung setzen oder mit dem Formular auf unserer Internetseite eine Nachricht zukommen lassen. Anja Schürmann, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, plant mit weiterer Unterstützung, einen regelmäßigen Café-Treff anzubieten. In den Schulen kümmern sich Lehrer und Schüler mit viel Kraftanstrengung um die neuen Mitschüler. In unseren Kindergärten leisten die Mitarbeiterinnen Schwerstarbeit, da die meisten Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse in die Gruppen kommen. Unsere Mitarbeiter in der Verwaltung kümmern sich vorrangig um die Unterbringung der Flüchtlinge und sind damit extrem ausgelastet. In regelmäßigen Info-Treffen mit Vertretern des Asylkreises versuchen wir uns noch besser zu vernetzen. Das Rathauspersonal werden wir aufstocken.

Wie und wo sind die Flüchtlinge derzeit überhaupt untergebracht?

Dittmer-Scheele: Vorwiegend in durch die Gemeinde angemieteten Wohnungen und Häusern im Kernort und in einigen Dörfern.

Wenn es in diesem Jahr schon schwer wird, die Zuwanderer im Gemeindegebiet unterzubringen, wie wollen Sie das 2016 schaffen?

Dittmer-Scheele: Wir müssen weiterhin versuchen, noch mehr Wohnraum zu mobilisieren.

Wer Wohnraum für Asylberwerber an die Gemeinde zu vermieten hat, wendet sich ans Scheeßeler Rathaus unter der Rufnummer 04263/93081830 oder per E-Mail an thies@scheessel.de.

Mehr zum Thema:

Polizei nimmt sieben Personen fest

Polizei nimmt sieben Personen fest

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Stadt, Land, Fluss rund um Hameln

Stadt, Land, Fluss rund um Hameln

Meistgelesene Artikel

Schüler erteilen Rassismus einen Platzverweis

Schüler erteilen Rassismus einen Platzverweis

16-jährige Radlerin stirbt bei Unfall

16-jährige Radlerin stirbt bei Unfall

Kulturinitiative wird nicht in den Heimatverein aufgenommen

Kulturinitiative wird nicht in den Heimatverein aufgenommen

Kommentare