Bürgermeister der Samtgemeinde Fintel räumt nach achtjähriger Amtszeit den Chefsessel im Rathaus

Niestädt kandidiert nicht mehr

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Für viele eine faustdicke Überraschung: Michael Niestädt hört nach seiner ersten Amtsperiode als Bürgermeister der Samtgemeinde Fintel auf.

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Sieben Monate vor dem Ablaufen seiner ersten Amtszeit am 9. Juni 2016 stellt Michael Niestädt, Bürgermeister der Samtgemeinde Fintel, die Weichen in seiner persönlichen Lebensplanung neu. Sein Weg führt ihn heraus aus dem Rathaus Lauenbrück. Der parteilose Verwaltungschef tritt bei der Wahl Ende Februar nicht erneut an.

„Ich habe persönliche Gründe“, so der 55-Jährige. Im Sommer habe er sich mit seiner Familie intensiv beraten und entschieden, 2016 kein zweites Mal mehr kandidieren zu wollen. „In meiner Amtszeit habe ich viele Dinge erlebt und erleben müssen, die sich auf die eigene Gesundheit ausgewirkt haben“, sagt Niestädt. „Und da habe ich mich gefragt, wie es weitergehen soll, wenn ich meine Aufgabe in dieser Intensität noch weitere sechs Jahre wahrnehmen würde.“

Nur ganz wenige Eingeweihte wussten zunächst Bescheid. Dann, Mitte Juli, setzte er die im Samtgemeinderat vertretenden Fraktionen (CDU, SPD und Bündnisgrüne) sowie seine Mitarbeiter in der Verwaltung von seiner Entscheidung in Kenntnis. „Zu 98 Prozent waren alle überrascht“, so Niestädt über die Reaktionen. Die Mitarbeiter hätten „betroffen“ reagiert. Aus der Politik habe es Respekt und Anerkennung für seine Arbeit gegeben, „auch viel Dankbarkeit“, freut er sich.

Wenn der in Rotenburg lebende Familienvater von zwei Söhnen den Posten des hauptamtlichen Samtgemeindebürgermeisters im Juni abgibt, war er acht Jahre in dieser Position. Zuvor hatte der Diplomverwaltungswirt verschiedene Funktionen beim Landkreis Rotenburg inne. Im Auftrag des Niedersächsischen Studieninstituts Hannover lehrte er zudem Verwaltungsorganisation sowie Kosten- und Leistungsrechnung.

2007 hatten ihn bei der Wahl alle drei im Rat vertretenden Parteien unterstützt. Seinerzeit war er der einzige Kandidat, erhielt 81,48 Prozent der Stimmen – und damit souverän das notwendige Quorum von wenigstens 25 Prozent Zustimmung unter allen Wahlberechtigten. Die Bürger in Lauenbrück, Vahlde, Stemmen, Helvesiek und Fintel hatten damals erstmals die Möglichkeit, ihren Verwaltungschef direkt zu wählen.

Die Zusammenarbeit mit Rat und Verwaltung bewertet Michael Niestädt als „sehr erfolgreich“. Das Verhältnis zwischen Rat und Bürgermeister sei lange Jahre von einem engen Zusammenspiel geprägt gewesen. „Da ich ja vorher als parteiloser Verwaltungsmitarbeiter relativ wenig mit politischen Prozessen zu tun hatte, war ich doch anfangs sehr überrascht, dass es viele Parteimitlieder gibt, bei denen das Wohl der Bürger an erster Stelle steht – und nicht das Parteiprogramm oder irgendwelche Gruppenvereinbarungen“, sagt er. Er sei mit „viel Herzblut“ hauptamtlicher Bürgermeister gewesen, „aber die Arbeit eines Verwaltungschefs und Repräsentanten einer Kommune ist sehr zeitintensiv. Darunter leiden automatisch das Privatleben und die Familie. Das möchte ich nun ändern“, begründet er seinen Schritt.

Was die verbleibenen Monate im Lauenbrücker Rathaus betrifft, möchte er noch einige Projekte beenden. „Wir werden auch weiterhin viel zu tun haben und die Weichenstellung dafür erfolgt mit der Verabschiedung unseres Haushaltsplanes im Dezember.“

Dem Nachfolger oder der Nachfolgerin will er ein geordnetes Haus überlassen. „Egal wer Bürgermeister wird, es soll gut weiterlaufen“, so sein Ziel. Keine leichte Aufgabe angesichts der aktuellen Asylproblematik. „Das stellt uns als Kommune tatsächlich täglich vor immer neue Herausforderungen“, sagt Niestädt. Natürlich möchte er die Wahl am 28. Februar als Wahlleiter begleiten.

Derweil läuft in der Samtgemeinde die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren. Und wie schon vor acht Jahren wollen die Parteien auch diesmal wieder einen gemeinsam unterstützten Kandidaten als Einzelbewerber vorstellen. Der sollte am Besten aber ebenso über Verwaltungskenntnisse verfügen, wie Ratsvorsitzender Rüdiger Bruns (SPD) erklärt: „Bei uns ist die Verwaltungsleitung auch im operativen Geschäft tätig und muss so verschiedene Aufgaben selbst erledigen, ohne dass eine entsprechende Vorbereitung in den Fachbereichen erfolgt.“

Um einen aus politischer Sicht geeigneten Kandidaten zu finden, habe man sich in verschiedenen Rathäusern in der Region umgehört. Mit Erfolg: Drei Personen, so Bruns, hätten bereits ernsthaftes Interesse bekundet. Mit ihnen, so der Finteler Bürgermeister, würden in den kommenden Tagen Vorstellungsgespräche geführt. Der Ratsvorsitzende betont aber auch, dass sich prinzipiell jeder, der die gesetzlichen Auflagen erfüllt, als Kandidat aufstellen lassen könne – und zwar noch bis Anfang Januar.

Dass der Amtsinhaber das Handtuch schmeißen möchte, findet Rüdiger Bruns bedauerlich. „Unsere Samtgemeinde ist sehr gut aufgestellt, und daran hat er einen großen Anteil“, lobt er.

Wie es mit ihm nach seiner Karriere als Samtgemeindebürgermeister weitergehen werde – Niestädt zuckt mit den Schultern. „Einen Plan habe ich noch nicht“, sagt er und fügt hinzu: „Mir wird aber sicher noch etwas einfallen.“

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