Bürgergruppierung befürchtet bei Energieparkausweitung Wertverlust für die Grundstücke im Dorf

Der Wind dreht sich in Bartelsdorf

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An den Anblick der Windkrafträder haben sich die Bartelsdorfer inzwischen gewöhnt. Was viele nervt, ist der von ihnen, je nach Windrichtung mal mehr oder weniger stark ausgehende Lärm.

Bartelsdorf - Heinrich Hollmann ist das Lachen vergangen. „Wir waren damals ganz schön blauäugig“, gibt der Bartelsdorfer unumwunden zu. Damals – das war vor sechs Jahren, als ihm und den anderen Einwohnern ein Windpark vor die Haustür gesetzt wurde – mit 213 Hektar der größte im Landkreis. Dass der bei Ostwind ordentlich Krach ins Dorf bringt, stößt Hollmann sauer auf. Und nicht nur ihm, hat er mit Katrin Baden sowie dem Ehepaar Rolf und Katrin Kröger Mitstreiter gefunden, die eines fordern: Keine weiteren Windräder mehr in Bartelsdorf.

Öko-Strom, betont das Quartett, sei an sich eine gute Sache. Nur wenn es um den Standort der Windräder und dem damit verbundenen Lärm geht – ob hörbar oder in Form von Infraschall, ist für nicht wenige Dorfbewohner inzwischen Schluss mit lustig. „Vor allem die Anwohner unseres Sportplatzes sind genervt, müssen die doch mit einem durchgängigen Geräusch leben, das so laut ist wie eine Pauke beim Spielmannszug“, zieht Rolf Kröger einen Vergleich.

Dabei sei man 2010, als der von dem Energieunternehmen RWE Innogy betriebene Park mit seinen 16 Windrädern eingeweiht wurde, noch enthusiastisch gewesen. „Keine fünf Wochen später hatten wir dann Ostwind aus Westervesede – und damit war es dann vorbei mit der Ruhe“, blickt Hollmann zurück. „Daran ändern können wir nun natürlich nichts mehr, da nach Betreiberaussage angeblich alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt seien“, ergänzt Katrin Baden.

Ohnehin fühlen sich die Bartelsdorfer im Nachhinein zu wenig mit ins Boot genommen. „Als unsere Ortschaft vor zehn Jahren im regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Vorrangstandort geworden ist, gab es bei uns keinerlei Bürgerinformation“, so Baden. Überhaupt, sagt sie, habe sich seinerzeit niemand so recht mit der Thematik auseinander gesetzt. „Im Grunde reichte es aus, dass der Betreiber sich mit dem Grundstückeigentümer einig wird.“

Ein Verfahren, dass die Gruppe aus heutiger Sicht kritisiert – vor allem, da sich die Ereignisse aus ihrer Sicht gegenwärtig wiederholen würden. So hat der Kreis erst im Dezember seinen jüngsten RROP-Entwurf bekannt gegeben. Und auch Bartelsdorf ist darin als Potentialgebiet aufgeführt – mit Erweiterungsflächen, die Platz für vier weitere Windräder böten. „Diese wären dann wohl 200 statt bisher 150 Meter hoch – mit einer Leistung von drei Megawatt“, prophezeit Rolf Kröger angesichts der wirtschaftlichen Interessen auf Betreiberseite. „Mit weniger gibt sich heute niemand mehr zufrieden.“

Ganz so schlimm, wie befürchtet, sei die Ausweitung damit nun zwar nicht geraten, was er und seine Mitstreiter aber nach wie vor mit Sorge betrachten ist eine – auf lange Sicht gesehene – Einkreisung ihrer Ortschaft durch die Kolosse. So sieht das aktuelle RROP neben einem Vorranggebiet in Ostervesede unter anderem auch eine neue Fläche südlich vom benachbarten Wohlsdorf vor. Dort stehen bereits zwei Anlagen mit einer Höhe von je 80 Metern. „Für uns bleibt die Problematik damit auf alle Fälle erhalten“, betont Katrin Baden. Das habe man auch mit einer Unterschriftenaktion bereits untermauern wollen, an der sich mehr als 100 Bartelsdorfer beteiligt hätten. Und auch dem Ortsrat seien die Bedenken inzwischen bekannt. „Wir haben schon mehrfach versucht, die Betreiberfirma zu einer öffentlichen Versammlung einzuladen, wo sie mal Tacheles reden sollte“, so Katrin Baden. „Es gab auch einen Hoffnungsschimmer, dass ein Termin zustande kommt – am Ende ist der aber vom Konzern wieder zurückgezogen worden.“

Heinrich Hollmann stellt klar: „Wir sind keine Windkraftgegner, wir wünschen uns nur, dass die Lasten gleichmäßig verteilt werden.“ Andernfalls, befürchten er und seine Mitstreiter, würde der Ort den Kürzeren ziehen. „Es gäbe auf jeden Fall einen Wertverfall unserer Grundstücke und Häuser“, ist Rolf Kröger überzeugt. Seinen Worten nach würden im Dorf durchaus junge Leute leben, die gerne bauen möchten. „Durch die Windkraft und durch die Geruchsimmissions-Richtlinie, die uns wegen unserer Landwirschaft stark einschränkt, würde unser Dorf letztendlich tot gemacht.“

Das letzte Wörtchen in der Angelegenheit Windkraft ist noch nicht gesprochen, sind in nächster Instanz doch nun die Kommunen aufgefordert, Stellung zu dem RROP-Entwurf zu beziehen.

lw

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