In Bremen-Gröpelingen gibt es eine Scheeßeler Straße

Ein Stück Scheeßel an der Weser

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Ein Dorfidyll mitten in der Großstadt – darauf sind die Anwohner der Scheeßeler Straße besonders stolz. 

Scheeßel/Bremen - Von Lars Warnecke. Gyhum hat eine, Zeven, Brockel und Sittensen auch – und Scheeßel sowieso. Die Rede ist von der Scheeßeler Straße.

Selbst in Teterow, der mecklenburg-vorpommerschen Partnerstadt, steht der Beeke-Ort Pate für einen Straßennamen. Das ist schlüssig. Das macht Sinn. Aber Gröpelingen? Ausgerechnet jener an der Weser gelegene Stadtteil im Bremer Westen, der heute als sozialer Brennpunkt gilt und einst vom Schiffbau geprägt war? Ja, auch dort hat Scheeßel einen „Ableger“. Aber kennen die hanseatischen Straßenbewohner überhaupt das 70 Kilometer entfernte Scheeßel im Landkreis Rotenburg?

Zwischen Stotel und Heeslingen liegt Scheeßel – zumindest, wenn man das Gröpelinger Straßennetz heranzieht. Knapp 70 Häuser zählt die Scheeßeler Straße im Ortsteil Ohlenhof, eine etwa 200 Meter lange, parallel zur Gröpelinger Heerstraße verlaufende Asphaltpiste. Sie verbindet die Stoteler mit der Heeslinger Straße. Gleich in der Nähe gibt es einen Supermarkt, ein Asia-Restaurant und auch die nächste Bierstube, hier heißt sie „Zur blauen Ecke“, ist nicht fern.

Leben wie auf dem Dorf

In einem der Häuser lebt Katja Späder. „An sich hat Gröpelingen ja einen ziemlich schlechten Ruf, aber hier lebt es sich ganz wunderbar“, sagt die Mittfünfzigerin und deutet auf die Baumreihe hinter ihrem Garten. Hier liegt er, der Grünzug West – ein naturnaher Rad- und Wanderweg, an dessen Stelle einstmals eine Eisenbahntrasse verlief. Fast möchte man meinen, die Anwohner lebten auf dem Dorf, wie in Scheeßel eben – wenn nicht wenige Meter weiter im Minutentakt die Straßenbahn vorbeirauschen würde. 

„In Scheeßel war ich noch nie“, gesteht Späder. Obwohl sie hin und wieder mal in der Region sei. Klar kenne die Bremerin das Hurricane Festival, vom Hörensagen, und den damit verbundenen Matsch. Was sie besonders an ihrer Heimstätte schätzt: „Hier kennt man sich untereinander.“ Einmal im Jahr, in der Vorweihnachtszeit, käme die Nachbarschaft zu einem „so richtig schön kitschigen“ Adventsgrillen zusammen. „Das ist dann unser Straßenfest.“

Aber die Menschen in der Scheeßeler Straße können auch auf die Barrikaden gehen. Dann nämlich, wenn es hart auf hart kommt. „Als man uns den Supermarkt vor die Nase setzte, fuhren hier bestimmt 20 Autos in der Minute durch“, erinnert sich Irmgard Eickmeier (80). Sie, immerhin schon seit einem halben Jahrhundert an der Straße wohnhaft, und ihre Nachbarn gründeten eine Bürgerinitiative – mit dem Ziel, eine Sperrschranke zu erkämpfen. Mit Erfolg. Seit mehr als 20 Jahren ist die Scheeßeler Straße eine Einbahnstraße. Richtig Ruhe sei seitdem aber nicht eingekehrt, sagt die Rentnerin. „Bei uns wird immer mal wieder eingebrochen.“ Dreimal schon hätten Unbekannte allein in ihrem Haus ihr Unwesen getrieben. „Inzwischen haben wir schon alles einbruchsicher gemacht“, sagt Eickmeier und blickt zur Alarmanlage an ihrer Hauswand auf.

Neuer Name

Ja, auch sie kenne das Festival – „aus dem Fernsehen“ –, und nein, auch sie sei noch nie in ihrem Leben in Scheeßel gewesen. „Dabei haben mein Mann und ich schon die halbe Welt bereist.“ Wieso es eine Scheeßeler Straße im Bremer Westen gibt – Irmgard Eickmeier zuckt mit den Schultern. „Ich weiß nur, dass das hier früher ,Beim Ohlenhof‘ hieß.“

Tatsächlich hat es vor Jahrzehnten mal eine Umbenennung gegeben – damals, als der einstige Sandweg einem Pflaster wich. „Die Einweihung fand am 28. Juli 1970 statt“, heißt es aus dem Bremer Amt für Straßen und Verkehr auf Nachfrage. Mehr sei allerdings nicht in Erfahrung zu bringen gewesen.

Eine, die glaubt, des Rätsels Lösung gefunden zu haben, ist Christine Behrens, die ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins Scheeßel. Sie schreibt den Straßennamen eindeutig dem im Beeke-Ort geborenen und lange Zeit in der Hansestadt lebenden Künstler Ernst Müller-Scheeßel (1863-1936) zu. „Er hatte ja auch einige Beziehungen zu Kaufmannsfamilien, die in Gröpelingen lebten, und war mit einem dort wohnenden Schriftsteller bekannt“, schildert die 83-Jährige.

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