Oliver Tobis und Dirk Trochelmann haben Pläne

Scheeßeler Scheune wird zur Brauerei

Gemeinsam mit dem Benkeloher Felix Pfirrmann (l.) und seinem mobilen Sägewerk und einigen Helfern macht Oliver Tobis (2.v.l.) die Fichten aus dem eigenen Wald zum Ständerwerk für die geplante Brauerei.
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Gemeinsam mit dem Benkeloher Felix Pfirrmann (l.) und seinem mobilen Sägewerk und einigen Helfern macht Oliver Tobis (2.v.l.) die Fichten aus dem eigenen Wald zum Ständerwerk für die geplante Brauerei.

Scheeßel – Sechs Männer stehen im Waldstück gegenüber dem Eichenring, das Blatt des mobilen Sägewerks von Felix Pfirrmann aus Benkeloh schneidet ein ums andere Brett aus den Fichten, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. 35 Bäume hat Forstbesitzer Oliver Tobis in den vergangenen Wochen im acht Hektar großen Stück Mischwald gefällt, mit einem Kleintraktor geräumt und für die heutige Aktion vorbereitet.

Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. „Die Bäume haben nicht genug Wasser, um dem Käferbefall genügend Harzbildung entgegenzusetzen“, erklärt der Klimaaktivist. Die Laubbäume seien weniger stark betroffen.

Was das Ganze mit einem süffigen Untergärigen zu tun hat? Der 41-Jährige lacht. Der Großteil der gerade gesägten Bretter und Balken bildet das Fundament für das nächste Projekt: eine Mikro-Brauerei in der Scheune des familieneigenen Schomakers Hof, einer der alten Hofstellen im Ortskern. In der Scheune wollen er und Mitstreiter Dirk Trochelmann einen zusätzlichen Boden für das Malzlager einziehen, und auch der Produktionsraum soll hier in der historischen Scheune hinter der ehemaligen Druckerei Harmsen entstehen.

Die Menschen sollen den Brauprozess live verfolgen.

Oliver Tobis

Schon seit Jahren sind die Craftbier-Kreationen bei besonderen Anlässen wie dem Mühlenfest am 1. Mai auf dem Heimathausgelände oder beim Heimatfestival gefragt. Nicht wenige Besucher, angesichts der frischen, ohne künstliche Zutaten oder Konservierungsstoffe „handgebrauten“ Kreationen wie „Rote Moorhexe“ auf den Geschmack gekommen, wurden enttäuscht, wenn sie ein paar Flaschen erwerben wollten. Das könnte sich nun ändern: Die Gemeinde Scheeßel und das Gewerbeaufsichtsamt haben grünes Licht gegeben, die Entscheidung für einen 1 000-Liter-Braukessel statt des bisher benutzten mit 180 Litern ist gefallen, eine Flaschenabfüllanlage avisiert – nur noch die Baugenehmigung steht aus.

Über den Sommer soll „Tobies Braukessel“, die wohl erste Craftbierbrauerei im südlichen Landkreis, endlich Gestalt annehmen, „mit großen Fensterfronten, damit die Menschen den Brauprozess live verfolgen können“, erklärt Tobis. Auch an Verkostungen und Seminare sei gedacht. Vor allem aber sollen die am besten frisch zu genießenden Kreationen nach vier bis sechs Wochen Vorlauf bei Dorffesten, Hochzeiten und anderen privaten Feierlichkeiten zu haben sein oder auch Veranstaltungen und Festivals wie dem Heimatfestival, dessen Vorsitz Tobis einige Jahre innehatte.

Das Schwartenholz ist für eine Bar bestimmt

Auch diesem Event bleibt der Veersebrücker treu: Der große Stapel Schwartenholz, also den äußeren vom Stamm gesägten Brettern mit Rinde, ist für den Bau einer Bar bei der nächsten Ausgabe des „Mit Freunden“-Festivals geplant. Selbiges musste letztes und dieses Jahr aussetzen, wie alle Großveranstaltungen – das haben auch die Mikrobrauer zu spüren bekommen. „Gut, dass wir beide noch andere Hauptjobs haben“, meint der Lehrer, „sonst hätte es uns härter getroffen.“

Alles maßhaltig? Felix Pfirrmann schneidet am mobilen Sägewerk nicht nur Bretter, sondern auch Balken.

Auch wenn die Bestellungen des Gerstensaftes weitgehend ausblieben, die vorerst nur in Fässern ab zehn Litern abgegeben werden, waren die beiden nicht untätig. Dank einer 20-Liter-Kleinversuchsanlage haben Trochelmann und Tobis die vergangenen Monate genutzt, um Rezepturen zu verfeinern und neue auf den Weg zu bringen, etwa das Siebenkorn-Landbier. Als Einziges entspricht es nicht dem Reinheitsgebot, weil einige der Getreidesorten wie die alte Sorte Emmer darin gar nicht erfasst seien.

Nachhaltigkeit ist, neben wirtschaftlichen Aspekten, denn auch der Hintergrund der Sägeaktion an diesem Morgen. Der Brauereiraum aus eigenen, regionalen Hölzern – das hat für den Mitbegründer der jüngst entstandenen „Klimaliste“ auch Symbolcharakter: „Genau wie wir unsere Biere nur regional vermarkten wollen, geht es auch bei den Hölzern um eine Verwertung auf regionaler Ebene.“

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