Brauchtum: Scheeßeler Paare schließen Liebesschlösser ins Herz

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Die Liebesschlösser können an einem Zaun am Beekstieg, direkt hinter dem Rathauspark, angebracht werden. Zahlreiche Paare haben sich bereits verewigt.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wer den Bund der Ehe nicht nur mit dem Ja-Wort eingehen, sondern seine Liebe ebenfalls symbolisch mit einem Vorhängeschloss besiegeln möchte, hat auch in Scheeßel Gelegenheit dazu. Seit April 2014 können Paare ein mit ihren Namen geschmücktes Vorhängeschloss an einem Zaun am Beekstieg direkt hinter dem Rathauspark anbringen.

Der wohl bekannteste Ort in Deutschland für ein Zeichen der Liebe ist die Hohenzollerbrücke in Köln. Dort, über dem Rheinufer, hängen mehr als 150000 sogenannte Liebesschlösser – und ein jedes erzählt seine ganz eigene Geschichte. Tausende Liebespaare haben dem Bauwerk in den vergangenen Jahren so zu Ruhm verholfen. Was aus ihnen geworden ist, die dort ihr Schloss aufgehängt haben und den Schlüssel voller Hoffnung auf eine lange gemeinsame Zukunft in den Rhein warfen, wissen zumeist nur die Verliebten selbst.

Einen etwas weniger bekannten, dafür aber mindestens genauso interessanten Ort der (Liebes)-Geschichten gibt es aber auch in Scheeßel: Denn der romantisch gelegene Beekstieg ist der Geheimtipp für Verliebte. So zieren inzwischen mehr als 30 der bunten Liebesbeweise den eigens für diesen Zweck aufgestellten Zaun – so wie die von Lena und Nico, Simeon und Maria sowie Antje und Felix – um nur einige Paare zu nennen.

Kaum verwunderlich, dass die Schlösser die Blicke auf sich ziehen. Denn hinter jedem steckt auch an der kleinen Brücke eine Liebes- oder Lebens-Geschichte. So wie die von Rainer und Silvia Behrens aus Abbendorf. Auf den Tag genau 25 Jahre, nachdem sie sich das Ja-Wort gaben, schritten sie am 18. April 2015 zur Tat, quasi getreu dem Motto „Alte Liebe rostet nicht“ – und das sogar im Beisein der Silberhochzeitsfotografin. „Zu unserer Zeit damals gab es das ja leider noch gar nicht“, sagt Silvia Behrens.

Ein paar Schlösser nebenan hat sich das namentlich nicht weiter bekannte Paar „F + M“ verewigt, welches der Gravur nach auch wirklich „4-ever vereint“ bleiben will. Dabei sind es längst nicht nur Liebes- und Hochzeitspaare, die in Scheeßel diese Tradition pflegen. Denn auch der eine oder andere Geburtstag ist in Form eines Erinnerungsschlosses inzwischen befestigt worden.

Auf die Idee zu der Aktion war seinerzeit Norbert Terhorst gekommen. „Unser Standesbeamte wurde immer wieder von den Brautpaaren angesprochen, ob es eine solche Möglichkeit auch in Scheeßel gibt“, berichtet der stellvertretende Verwaltungschef Stefan Behrens. Gemeinsam mit Dirk Schumacher, der das passende Hinweisschild beigesteuert hatte, habe man schließlich im Rathaus Nägel mit Köpfen gemacht – auch, um einem unkontrollierbaren „Klicken“ der Schlösser im Beeke-Ort vorzubeugen, verrät Behrens.

Knapp zwei Jahre später könne er bislang ein positives Fazit ziehen. Das Angebot werde seit Beginn gut angenommen und genutzt, berichtet der Verwaltungsmann. Nicht zuletzt auch, weil Heiratswillige, die ihre Trauungen im Standesamt anmelden, stets durch Terhorst auf die Möglichkeit hingewiesen würden. „Ich denke, bei rund 120 Ehen, die seitdem in Scheeßel geschlossen worden sind, ist das schon ein guter Schnitt“, so Behrens. Er selbst, betont er, würde indes nie seine Liebe auf diese Weise bekunden.

Den Ursprung des Liebesschlösser-Brauchs, der im Beeke-Ort erste Früchte trägt, ist nicht eindeutig zu klären. Es gibt Quellen, nach denen er in Oberitalien oder im Baltikum entstanden ist. Danach haben junge Männer am Ende des 20. Jahrhunderts damit begonnen, nach ihrer Militärzeit die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an Brückengeländer zu hängen, um ihre wiedergewonnene Freiheit zu demonstrieren – was mit einer romantischen Liebe eher weniger zu tun hat. Der aufflammende Boom der Liebesschlösser in den vergangenen Jahren allerdings wird auf den Liebesroman „Ich steh auf dich” des italienischen Autors Frederico Moccia aus dem Jahre 2006 zurückgeführt. Im zwischenzeitlich verfilmten Roman schwören sich die Hauptpersonen auf einer Brücke über dem Tiber ewige Liebe, indem sie besagtes Liebesschloss anbringen – wie auch die Liebenden in Scheeßel.

Die müssen sich aber mit einer Einschränkung zufrieden geben. Entgegen dem allgemeinen Brauch, den Schlüssel anschließend in den Fluss zu werfen, um der Beständigkeit der Liebe so Ausdruck zu verleihen, ist das in Scheeßel untersagt. So ist auf der Internetseite der Gemeinde zu lesen: „Wir würden uns freuen, wenn Sie die Schlüssel des Schlosses nicht in die Beeke werfen. Nehmen Sie die Schlüssel mit nach Hause. Dankeschön!“

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