„Tweede Hand“ öffnet immer montags im alten Internat

Boutique statt Flohmarkt

Die Lust auf Mode mit Nachhaltigkeit mit einem wohltätigen Zweck verbinden Anja Cordell (2.v.l.), Edeltraud Lieder (4.v.l.) und ihre Mitstreiterinnen.
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Die Lust auf Mode mit Nachhaltigkeit mit einem wohltätigen Zweck verbinden Anja Cordell (2.v.l.), Edeltraud Lieder (4.v.l.) und ihre Mitstreiterinnen.

Scheeßel – Vor dem Eingang drei schick gekleidete Schaufensterpuppen, drinnen Drehständer mit nach Farben sortierten Blusen, in der Mitte ein mit Modeschmuck dekorierter Ast. Einer der ersten Besucherinnen des neuen „Tweede Hand“-Ladens im Helvesieker Weg entfährt es anerkennend: „Wie in einer Boutique!“ Und genau das hat das zehnköpfige Team um Edeltraud Lieder und Anja Cordell auch beabsichtigt.

In den beiden Räumen des ehemaligen Internats der Eichenschule, die zuletzt für Schlagzeug-Unterricht genutzt wurden und an deren ursprünglichen Zweck nur die schwarz-weißen Bodenfliesen erinnern, haben die Gründerinnen des neuen Vereins seit März eine Lücke geschlossen, nämlich die zwischen „normalen Modegeschäften“ und gebrauchter Kleidung, die vom Deutschen Roten Kreuz gegen einen symbolischen Betrag säckeweise an Bedürftige abgegeben wird. Nicht zufällig stammen viele der hier Aktiven aus dem Umkreis der Ausgabe der DRK-Kleiderkammer: Schon länger habe man versucht, eine Möglichkeit zu finden, hochwertige Second-Hand-Markenkleidung auch an Menschen vor Ort abzugeben, die den Gedanken der Nachhaltigkeit schätzen und nicht extra nach Sittensen oder Rotenburg fahren möchten, erklärt Lieder.

Als Konkurrenz zur DRK-Kleiderkammer oder zu den örtlichen Geschäften wollen sich die Frauen nicht verstanden wissen, „eher als Ergänzung“. Schon lange hätten sie versucht, im Rahmen der Kleiderkammer ein neues Konzept auch für Modebewusste im Sinne der Nachhaltigkeit auf den Weg zu bringen, seien jedoch aufgrund der Struktur des Dienstes auf seine Grenzen gestoßen. So hielt man vor der Eröffnung auch Rücksprache, ebenso wie mit örtlichen Vereinen. „Eigentlich hatten wir überlegt, uns einem bestehenden Verein anzuschließen“, erzählt Cordell. Am Ende haben habe man den Rat sämtlicher Gesprächspartner befolgt und einen eigenen Verein gegründet, „schon, um selbst darüber entscheiden zu können, an welche gemeinnützigen Vereine der Gemeinde wir die Erlöse am Ende des Jahres spenden.“

Auch örtliche Geschäfte unterstützen die Initiative, das Beekelädchen mit Bügeln oder das ehemalige Schuhhaus Vajen, dessen Inventar hier ein neues Heim gefunden hat. Überhaupt hat Lieder viel über Ebay Kleinanzeigen oder Sachspenden akquiriert, denn: „Es geht uns darum, möglichst wenige Kosten zu generieren – damit möglichst viel für den guten Zweck übrig bleibt.“ Aus diesem Grund zog der „Tweede Hand“ auch im ehemaligen Internat ein: „Wir haben lange nach einer Bleibe gesucht, vorzugsweise im Kernort, um gut wahrgenommen zu werden. Leider waren auch bei Leerständen die Mieten zu hoch – das hätten wir einer Öffnungszeit einmal wöchentlich nicht hereinholen können, sodass noch etwas übrig geblieben wäre“, meint Lieder. Besonders enttäuscht war sie, dass der Plan, neben der Scheeßeler Ausgabe der Rotenburger Tafel im Bahnhof zu eröffnen, nicht funktionierte: „Dort sei nichts frei, hieß es – schade, genau dort wären wir gut von unserer Zielgruppe wahrgenommen worden.“

Positiv überrascht sei man von der Spendenbereitschaft gewesen. Vornehmlich Markenware, geht für einige wenige Euro über den Tisch. „Vieles noch mit Etikett dran“, so Cordell. Die meisten, die etwas bringen, verzichten beim Verkauf auf Kommission, also darauf, die Hälfte der Einnahmen zu kassieren. „Sie freuen sich einfach, dass die Sachen nicht im Schredder landen, sondern noch getragen werden“, so Cordell.

Die ersten drei Stunden, wie in Zukunft immer montags von 15 bis 18 Uhr, verlaufen jedenfalls vielversprechend: Neben mehr als 100 Besuchern und einem Mut machenden Betrag in der Kasse kommen zur Eröffnung immer wieder Menschen, um den ehrenamtlich Aktiven zu gratulieren und kleine Aufmerksamkeiten zu bringen. „Toll, gut sortiert, keine Flohmarktatmosphäre, sondern eher wie ein schöner Fashionshop – da merkt man, wie viel Mühe drinsteckt“, befindet Besucherin Christine Röhrs. Das vorrangige Ziel der nächsten Wochen: Die Sommerware abzuverkaufen, um Platz für Herbstmode zu machen. Dabei soll ein ausgeklügeltes System „Ladenhüter“ verhindern, „wir wollen auch unseren zukünftigen Stammgästen immer Neues bieten“, erzählt Cordell. Irgendwann, wenn die Bestimmungen es denn wieder zulassen, sei vorstellbar, an den gemütlichen Tischchen am Rand Kaffee zu servieren und die „Tweede Hand“ auch als Treffpunkt zu etablieren.  hey

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