Boscheler Seniorenkreis: Raimund Herrmann erinnert mit seinen Mühlengeschichten an die Nachkriegszeit

„Platz war damals in der kleinsten Hütte“

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Viel Spaß hatten die Senioren beim „Mühlennachmittag“ mit Raimund und Bruni Herrmann im DGH Wittkopsbostel.

Wittkopsbostel - Das erste Boscheler Seniorenkreis-Treffen im neuen Jahrlockte besonders viele Senioren an. „So voll war es schon lange nicht mehr“, freute sich Hannelore Intelmann, die stets mithilft, die Zusammenkünfte im Dorfgemeinschaftshaus zu organisieren.

Nachdem sich alle mit Kaffee und Kuchen gestärkt und die neusten Neuigkeiten ausgetauscht hatten, lud das Scheeßeler Ehepaar Hermann die Senioren auf eine Reise in die Vergangenheit ein. Raimund Herrmann war 1945 als siebenjähriges Flüchtlingskind aus Bessarabien in den Beeke-Ort gekommen und hat im Umfeld der Scheeßeler Mühle seine Kindheit verbracht. Seine Erinnerungen an diese Zeit hat der „erste Mühlenschreiber von Scheeßel“ in dem Büchlein „Sagenhafte und erlebte Geschichten um die Scheeßeler Mühle“ niedergeschrieben, nachdem Besitzer Jan Müller-Scheeßel ihm dort einen Raum angeboten hatte. Den schönen Ausblick auf die Wasser- und Wiesenlandschaft genießend,  stellten sich bei dem Mitbegründer des Mühlenvereins wie von selbst alte Erinnerungen ein: „Hierher kamen alle Kinder zum Schwimmen, das war ein Riesentrubel damals. Da wurde aus allem Möglichen – bei mir aus einer alten Hitler-Fahne – Badehosen geschneidert oder eben wie bei Marga aus Jeersdorf drei löchrige Unterhosen übereinander gezogen.“ Spaß hätten die Kinder allemal gehabt, denn rund um die Mühle in den vielen Gebäuden, Wiesen, Feldern und Wäldern konnten sie sich richtig austoben. Aufpassen mussten sie nur vor dem Verwalter Fritz Schröder, der sie mit seiner Hundepeitsche immer wieder rigoros aus diesem riesigen Paradies vertrieb.

„Wir Kinder waren den ganzen Tag draußen – auch weil es in unserem kleinen Häuslingshaus in der Mühlenstraße so beengt war“, erzählte Herrmann.  „Mit sechs Personen lebten wir in drei kleinen Räumen – zeitweise sogar  mit elf Personen, als die Verwandten aus dem Osten dazu kamen, aber Platz war damals in der kleinsten Hütte.“ Hinter dem Haus wurden Hühner und Schweine gehalten, und als Gendarm Erdmann sie beim Schwarzschlachten erwischte, konnte dieser zum Glück mit drei Flaschen Selbstgebranntem beruhigt werden.

Seine Zeitreise in die Nachkriegsjahre kam bei den Senioren besonders gut an, weil Herrmann seine Informationen rund um die Mühle augenzwinkernd in humorige Geschichten verpackt hatte. Für Abwechslung im Programm sorgte Ehefrau Bruni Hermann, die mit ihrer Gitarre und alten Mühlen- und Wanderliedern den Nachmittag auflockerte und nach jeder Geschichte in die Saiten griff.

uj

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