Ausstellung „Weiblichkeit in Form und Farbe“ zweier russischer Künstlerinnen

Bloßgelegte Lebenserfahrungen

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Die in Leningrad geborene Künstlerin Anna Lüstina erklärt den Besuchern ihre Skulpturen.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Eine Ausstellung von Mutter und Tochter, mit Lebensläufen zwischen Russland und Deutschland, die eine mit eher kleineren Skulpturen und Plastiken, die andere mit großflächigen Bildern in Acryl, Rost, Spachtelmasse und Gold – die Ausstellung von Anna Lüstina und ihrer Tochter Marina Krasnitskaya im Kunstgewerbehaus , die am Samstagnachmittag mit einer Vernissage eröffnet wurde, verhieß viele verschiedene Facetten.

Gleiches gilt, so machte Laudatorin Gisela Wichern deutlich, auch für das Thema der Ausstellung selbst. „Weiblichkeit in Form und Farbe: Das ist Leidenschaft, Sinnlichkeit, das sind bloßgelegte Lebenserfahrungen!“ Die Begeisterung der Sittenser Künstlerin, die fast genau ein Jahr zuvor hier eine eigene Ausstellung gezeigt und den Kontakt zu den beiden in Bremen wohnhaften Künstlerinnen aus Leningrad hergestellt hatte, war groß: „Hier haben zwei Künstlerinnen ihr Herz geöffnet, den Werken eine Seele eingehaucht.“

Die rund 60 Besucher mussten sich jedoch noch gedulden, bis sie die Werke im Kunstgewerbehaus nach dem rund einstündigen Rahmenprogramm im Meyerhof selbst in Augenschein zu nehmen konnten. Einer von ihnen war eigens aus Bremen gekommen: „Ich bin Fan“, so Hartmut Ugall, der mit seiner Frau angereist war. Der ehemalige Arbeitskollege von Krasnitskaysas Mann Dimitri schwärmt: „Ich habe schon einige Werke von ihr gesehen, diese sind mir alle neu.“ Sein Lob galt vor den Räumlichkeiten, die er bereits von einem vorigen Besuch kannte: „Die Werke wirken hier, als ob der Raum passend gemacht worden wäre!“

Die Rolle des Heimatmuseums für die lokale Kunst stellte auch die stellvertretende Landrätin Elke Twesten in ihren Grußworten heraus: „An Scheeßel als Geheimtipp kommt man, wenn es um Kunst und Kultur im Landkreis geht, nicht mehr vorbei – darauf können wir stolz sein!“ Dem Heimatverein bescheinigte sie Aktualität: „Mit dem Thema Weiblichkeit zum Jahrtausend der Frau ist der Verein à jour!“

Was die Besucher erleben durften, war ein vielschichtiges Frauenbild: Großflächige Torsi, verschachtelte Gliedmaßen und Perspektiven, kubistische Darstellungen und immer wieder die Farbe Rot. Sie symbolisiert laut Wichern die Facetten der Frauen: Liebe, Sinnlichkeit, Gefahr, Provokation – und ein selbstbestimmtes Leben. In der Symbolik bleibend, orderte sie die Zuschauer auf: „Tragt mehr Rot!“

Mutter und Tochter stellten bereits zum zweiten Mal gemeinsam aus; Premiere war vor einem Jahr in Sittensen. Hineingeredet haben sie sich in die Auswahl der Exponate nicht, aber beide tauschen sich über ihre Kunst aus: „Ich weiß, was Marina sagen will – vielleicht besser als jeder andere“, so die Mutter. Eine Beeinflussung durch den Umzug von Leningrad nach Deutschland schließen sie beide aus: „Sehnsucht, Trauer oder Liebe sind universell – Gefühle sind ohne Grenzen“, so Lüstina.

Die „Schulmusikanten“, die als jüngste Sparte des Heimatvereins auch die Vernissage bereicherte, untermalte das Thema ebenso festlich wie stimmig: Dass das Ensemble an diesem Nachmittag fast ausnahmslos aus jungen Geigerinnen bestand, war wohl dem Zufall geschuldet; das zu Gehör gebrachte Werk, unter anderem von Marta Anna Mozart, einer älteren Schwester des Wunderkinds und laut Leiter Freddy Schmidt einer „echten Powerfrau“, war extra gewählt.

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