„Bloß kein Jammer-Video“

Scheeßeler Gewerbeverein dreht Imagefilm zur Situation nach einem Jahr Pandemie

Videoclips statt
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Videoclips statt

Scheeßel – Ein wenig nervös ist Dörte Delventhal schon. Gleich wird sie, frisch frisiert, im Fotostudio von Carmen Baldamus vor der Kamera stehen, so wie vor ihr 25 andere Mitstreiter vom Gewerbeverein Scheeßel (GVS). Doch nicht nur optisch soll der Ausdruck der Inhaberin des Ofenhauses stimmen, denn am letzten von sechs Drehtagen geht es nicht um Bilder, sondern um Videostatements für die neue Imagekampagne des GVS.

Schon vor einem Jahr hatten sich die Gewerbetreibenden zusammengeschlossen, um mit der Plakataktion „Gemeinsam für Scheeßel“ ein Zeichen zu setzen. Darum geht es auch dieses Mal, ein Jahr und zwei Lockdowns später: „Farbe bekennen, den Kunden versichern, dass wir für sie da sind, aber auch sagen, was war und ist“, erklärt der GVS-Vorsitzende Karsten Lüdemann. Die Idee zu der Aktion, die von Anja Lohmann und Carmen Baldamus umgesetzt wird, hatte Carsten Gehse. Aus dem ursprünglichen Konzept von Fotos mit Statement wurden bewegte Bilder. Nicht von ungefähr, beschäftigte sich Lohmann doch gerade für ihre Kunden verstärkt mit diesem Medium. „Video ist cool“, hat sie festgestellt. Die Grafik-Designerin geht in der Pandemie neue Wege, hat mehrere Erklärvideos ins Internet gestellt, mit dem eigenen Hörspiel „Der Baum und das Feld“ ein „Coaching in Verpackung“ produziert und einen Podcastkanal „Coaching für Daheimgebliebene“ ins Leben gerufen.

Authentizität ist Trumpf

Als ein Drehort mit geeigneter Ausleuchtung gesucht wurde, („Schließlich soll das Ganze ja professionell rüber kommen“, so Lüdemann), kam Baldamus ins Spiel. Die Fotografin setzt das Projekt mit ihrem Profi-Equipment nicht nur ins richtige Licht, sondern gibt Tipps zur richtigen Haltung und Präsenz vor der Kamera, ergänzt von den Tipps der Coachin vom „Lowmannsland“. Bei vielen sei der Dreh erstaunlich schnell gegangen, „die meisten haben frei gesprochen und das richtig gut hingekriegt“, erzählt Lohmann, während sie die Kameraübertragung auf einem separaten Bild etwas abseits kontrolliert. Dabei geht es nicht die perfekte Selbstinszenierung, sondern darum, „möglichst authentisch und ehrlich rüberzukommen“.

Erzählen, was war, was für Lösungen die Einzelnen für sich in ihrer Branche gefunden haben, „Einblicke mit Ausblick“, nennt es Lohmann, dafür haben die Teilnehmer jeweils 20 Minuten Zeit vor der Kamera. Zusammengeschnitten wird das Material auf einen mehrminütigen gemeinsamen Trailer, der auf dem neuen Youtube-Kanal des GVS zu sehen sein wird. Dort werden auch die einzelnen Videos von mehreren Minuten Länge der gut zwei Dutzend Teilnehmer abrufbar sein; „es können auch mal fünf Minuten werden“, meint Lohmann; zensieren möchte sie die Aussagen nicht. „Mit so vielen Teilnehmern hatten wir gar nicht gerechnet“, so Lüdemann. Besonders erfreulich sei die Vielfalt der Branchen vom örtlichen Einzelhandel über Fitnessstudios und Veranstaltungstechniker bis zur Frisörin.

Letztere wartet im Vorraum. Ina Heupel-Becker ist ein wenig angespannt. Die Inhaberin des Kopfateliers will erzählen, „was Corona mit der Wirtschaft gemacht hat“. Aus Kundengesprächen weiß sie: „In der Öffentlichkeit herrscht oft ein falscher Eindruck, was an Hilfen ankommt.“ In ihrem Fall sei das trotz vier Monaten Schließung bisher kein einziger Cent gewesen. Die Geschäftsfrau rechnet nicht mehr mit staatlicher Hilfe, hat einen Kredit aufgenommen, um das Geschäft und ihre Angestellten halten zu können. „Ich werde mich nicht auf die Regierung verlassen, sondern selber handeln.“

Was sie auf keinen Fall will, ist ein „Jammer-Video“. Damit spricht sie wohl für alle, die für das Projekt vor der Kamera standen. Auch wenn die Pandemie die Branchen ganz unterschiedlich treffe und das Video die ganze Bandbreite vom Verlierer bis zum Gewinner zeigen wird, eint die Teilnehmer ihre Einstellung, hat Lohmann festgestellt: „Positiv in die Zukunft schauen, zeigen: Wir sind noch da. Das ist unser gemeinsames Anliegen“, fasst sie die Botschaft zusammen. Auch sie selbst und Baldamus agieren vor der Kamera. Für die Fotografin, der allein durch den Wegfall von Hochzeiten über die Hälfte des Geschäfts wegbrach, ist es wichtig, mit dem Video Flagge zu bekennen: „Es geht vor allem darum, unsere Gemeinschaft darzustellen.“ Und ganz nebenbei, das ist den beiden an diesem letzten Drehtag anzumerken, „macht das Ganze auch noch einen Höllenspaß“, sind sich Lohmann und Baldamus einig. Die gelöste Atmosphäre überträgt sich auf die Protagonisten vor der Kamera: Die Aufregung ist schnell verschwunden und neben einigen „Outtakes“ hat Lohmann, vor der mehr als eine Woche Schneidearbeit liegt, wieder zwei Puzzleteilchen für das Gesamtbild „Gewerbe in Scheeßel“, das in wenigen Wochen auf Youtube zu sehen sein wird. Lohmann ist zufrieden: „Ich schlafe mit einem Lächeln ein“, sagt sie, ein Folgeprojekt im Kopf: Sie träumt vom „GVS-TV“.  

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