Blicke zwischen Skepsis und Stolz

Flüchtlingshilfe eröffnet Fotoausstellung mit Porträts Geflüchteter

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Mohammed und Hoomo Bashir mit ihren in Deutschland geborenen Kindern vor ihrem Porträt von Fotograf Sascha Bett, daneben Hobbyfotografin Lena Gehring.

Scheeßel – Multikulturell ging es am Donnerstagnachmittag in der Kundenhalle der Sparkasse Scheeßel zu. Die Vernissage zur ersten Ausstellung im neuen Jahr sei etwas Besonderes, verriet Direktor Olaf Achtabowski den zahlreichen Gästen: „Wo haben Sie schon einmal Gelegenheit, die Porträtierten persönlich zu treffen?“

In der Tat: Einige der auf Initiative der Scheeßeler Flüchtlingshilfe fotografisch porträtierten Neu-Scheeßelern, die auf den rund 40 Fotos unter dem Titel „Sehen # ansehen # An-sehen“ auf Initiative der Flüchtlingshilfe zu sehen sind, darunter Einzelpersonen wie Familien, mischten sich unter die zahlreichen Vernissage-Besucher. „Dass es nicht mehr sind, liegt zum Teil daran, dass viele gerade bei der Arbeit sind“, betonte der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, Paul Göttert. Ein gutes Zeichen, verdeutliche es doch eine teilweise bereits gelungene Integration. Das spiegelte sich auch in den Bildern wieder; blickten diejenigen, die Hobbyfotografin Lena Gehring am Arbeitsplatz abgelichtet hatte, doch mit wesentlich mehr Stolz und Selbstbewussten in die Kamera als diejenigen, die sich trotz sprachlicher und kultureller Barrieren ins Fotostudio des Profis Sascha Bett getraut hatten. „Eindrucksvoll, wie sie den Augenkontakt suchen, einen richtig in die Bilder hineinzuziehen scheinen“, zeigten sich Christiane Looks und Ehemann Joachim aus Eversen, selbst Hobbyfotograf, von seinen Porträts begeistert.

So manches der Bilder, die ebenso zum Betrachten wie zum Diskurs mit den Gezeigten einluden, wie von Göttert und Gehring gewünscht, regte zum Nachdenken an: „Ich dachte, es wären vor allem junge Männer gekommen“, wunderte sich Wilhelm Röhrs, selbst Unterstützer von Geflüchteten, angesichts zweier Bilder von Familien ohne Vater. Rechts daneben: Mohammed Bashir und seine Frau Hoomo aus Somalia mit ihren beiden in Deutschland geborenen Kindern. Die beiden hatten sich auf der Flucht kennengelernt; Unterstützer Hans Brauns aus Jeersdorf stellte den Kontakt zu seinem ehemaligen Arbeitgeber her; seitdem arbeitet der 22-Jährige in der Nachtschicht an der Rezeption des Wachtelhofs. Ein Angehen war ihm und seiner Frau der Gang ins Studio nicht. „Die Bilder sind toll geworden“, befindet er in fließendem Deutsch, und in seiner Stimme schwingt etwas Stolz mit.

Das, was die Flüchtlingshilfe mit ihrer Aktion bezweckt, die laut Göttert „ohne unsere ehrenamtlichen Fotografen nicht hätte stattfinden können“, nämlich die Neubürger sichtbar zu machen und über die Bilder ins Gespräch kommen, scheint zumindest an diesem Nachmittag erfüllt. Er ruft in seiner Ansprache zu einem „neuen Wir“ auf: „Die Realität lässt uns keine Wahl: Wenn eine zukunftsfähige Gemeinschaft entstehen soll, müssen wir uns auf einander zubewegen, auch wenn es beiden Seiten schwerfällt!“ Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat auch Vorredner Olaf Achtabowski positioniert und eine Lanze für die Integration gebrochen: „Wichtig ist, dass wir die Menschen, die hier gern leben wollen, willkommen heißen und – sorgen wir dafür, dass sie gern bleiben!“ Auch wenn dies teilweise schon gelungen scheint, so bleibt – da sind sich die meisten hier einig – noch viel zu tun. 

Davon zeugen die skeptischen Blicke, die neben neugierigen Kinderaugen und zuversichtlich in die Kamera gereckten Daumen vor allem Jugendlicher aus den Bildern sprechen. Die Bilder beschönigen nicht – sie zeigen die vielen Facetten – so vielfältig wie die Menschen, die seit einiger Zeit hier leben. Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar zu den regulären Öffnungszeiten der Sparkasse zu sehen.

hey

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