Blaulicht im Miniaturformat

Reinhard Huthmann aus Scheeßel sammelt Modelleinsatzfahrzeuge aller Art

Ein Mann steht vor seiner Sammlung.
+
Im Keller von Reinhard Huthmann verbirgt sich ein Museum der besonderen Art. Dort stellt der Scheeßeler seine Modellfahrzeuge in Kisten und Kästen aus.

Reinhard Huthmann aus Scheeßel besitzt rund 1000 Einsatzfahrzeuge im Modellformat. Vor allem für Mini-Autos aus dem Feuerwehrwesen hat der Senior ein Faible.

  • Scheeßeler Reinhard Huthmann besitzt an die 1000 Modellfahrzeuge.
  • Besonders Feuerwehrautos sind sein Ding.
  • Erweiterung aus Platzgründen nicht mehr möglich.

Scheeßel – Reinhard Huthmann liebt Spielzeugautos. Für die hat der Scheeßeler selbst im Rentenalter noch ein besonderes Faible. Warum? „Die sind doch wirklich hübsch anzusehen“, sagt der 67-Jährige und nimmt zum Beweis ein Magirus-Tanklöschfahzeug samt Vorbauseilwinde, Baujahr 1964, in die Hand. Der ist natürlich nur eines von unzähligen Miniatur-Fahrzeugen, die die Wände seines Kellerraums schmücken.

In sage und schreibe 32 Vitrinenkästen bewahrt Huthmann seine Sammlung rollender Schätzchen auf. Ebenso in und auf Schränken.

Und das mit System: Hier reihen sich Polizeiautos akkurat aneinander, dort welche vom THW und Rettungsdienst. Und klar: Auch von einer beachtlichen Zahl an Feuerwehrfahrzeugen ist er stolzer Besitzer. Zu denen pflegt Huthmann, selbst schon 50 Jahre Mitglied in der Ortswehr, eine besondere Beziehung. „Die alte Emma bin ich früher sogar selbst noch gefahren“, sagt der frühere Lokführer und deutet auf das handliche Pendant vom Typ TLF 15.

50 Jahre Feuerwehrmitglied

Das befindet sich mit all den anderen fahrbaren Untersätzen, die die Scheeßeler Brandschützer von ihren Anfängen bis heute in Gebrauch hatten und haben, in wahrlich bester Gesellschaft. Reinhard Huthmann hat sie alle ausgestellt in seinem privaten Blaulicht-Museum: Feldküchenfahrzeuge, Fahrzeuge mit Drehleiter, exotisch anmutende Exponate aus Amerika oder der ehemaligen DDR, Löschfahrzeuge für Industriebetriebe und solche aus grauer Vorzeit, als die Gefährte noch mit Dampfspritzen gearbeitet haben. Nostalgie ist Trumpf.

Daneben nennt der Scheeßeler noch einen bestens bestückten „Fuhrpark“ an Militärfahrzeugen sein Eigen, darunter eine komplette Panzerbrigade vom Typ Leopard – sowie eine Heerschar mehr oder weniger normaler Lkw zur Güterbeförderung. Letztere, erzählt Huthmann, seien ihm immer mal wieder über Speditionen und andere Firmen in die Finger gekommen – als sogenannte Give Aways zu Werbezwecken. „Sind die Showtrucks mit Airbrush nicht bezaubernd?“, fragt der Besitzer, während er auf eben diese deutet. Ja, das sind sie. Und wie!

Showtrucks mit Airbrush

Wie viele „einsatztüchtige“ Modellautos seine Kollektion zählt, das wisse er auch nicht mehr so genau. Eine Inventarliste führt Huthmann nicht. „Bei 800 habe ich aufgehört zu zählen – es werden aber wohl mindestens 1 000 sein.“ Wichtig beim Sammeln sei ihm jedenfalls stets der Vollständigkeitsaspekt gewesen: „Ein Feldküchenfahrzeug von der Bremer Feuerwehr taugt alleine ja nichts“, nennt er ein Beispiel, „da braucht man noch einen Bus, in dem das Personal mitfahren kann und einen Anhänger zur Stromerzeugung.“ Detailversessen ist der Senior allemal.

Ob er sich noch an sein allererstes eigenes Miniaturfahrzeug erinnern könne? „Na klar, das hatte aber nichts mit der Feuerwehr zu tun.“ Spricht‘s und kramt einen ollen, wenige Gramm leichten Krupp-Titan-Lastwagen hervor, der im Originalmaßstab gut und gerne acht Tonnen auf die Waage bringen würde. „Den habe ich als Kind mal von meiner Oma geschenkt bekommen – ja, und danach war es um mich geschehen.“

Nachschub habe ihm in Folgezeit noch Kogge verschafft – ein längst nicht mehr bestehender Fahrradladen in Scheeßel, der auch Spielzeug im Sortiment geführt habe. Huthmann erinnert sich: Einmal im Jahr kam früher immer ein Katalog mit Spielzeugauto-Neuheiten raus – da hat man angekreuzt, was man zum Geburtstag oder zu Weihnachten haben wollte.“ Mittlerweile würden solche Kataloge alle zwei Monate erscheinen. „Das Ende vom Lied ist natürlich, dass das kein Mensch mehr bei den heute sehr viel höheren Preisen bezahlen kann, sodass man sich schon auf gewisse Fahrzeuge festlegen muss.“ Warum die Minis so teuer geworden sind, erklärt er sich durch eine veränderte Gestaltungsweise: „Früher waren die vielleicht aus acht Bauteilen zusammengedonnert, heute sind es 80.“ So seien die Gefährte zwar anfälliger, aber in der Funktionsweise ihren großen Pendants gegenüber auch realistischer. „Eine Feuerwehr-Drehleiter lässt sich heute sogar wie beim Original ausziehen, da muss man dann schon ruhiger mit umgehen, um nichts kaputtzumachen.“

Bestellung aus dem Katalog

Später, als er für seine Ausbildung bei der Deutschen Bahn nach Hamburg gegangen sei, habe er sich dann aus gleich mehreren Fachgeschäften bedienen können. Die würden ihm bis heute als zuverlässige Fundgrube dienen, und das nicht nur in der Hansemetropole, wie er sagt. „Solche sogenannten Blaulicht-Läden gibt es in fast jeder größeren Stadt.“ Zu Bestellkatalogen greife er nach wie vor – ganz analog. „Ich bin nicht so der Internet-Mensch“, erklärt der 67-Jährige, der heute der Altersabteilung der Scheeßeler Ortsfeuerwehr angehört. Und ein jährlicher Besuch bei der Dortmunder Euromodellbau-Messe, auf der Objekte aus aller Welt ausgestellt würden, der sei natürlich noch immer für ihn Pflicht.

Seine Sammlung noch weiter ausdehnen, das könne er inzwischen aber nicht mehr, sagt Reinhard Huthmann. Ihm fehle schlichtweg der Platz. „Mir kommt es aber auch gar nicht mehr auf die Masse an, stattdessen tausche ich einfach etwas aus, wenn ich auf eine Besonderheit stoße.“ So etwas Ausgefallenes wie ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) der Berliner Bundesfeuerwehr zum Beispiel Oder einen nigelnagelneuen Wasserwerfer 10 000 aus dem Bestand der Bereitschaftspolizei. „Den habe ich jetzt sogar noch in der kroatischen Ausführung bekommen“, berichtet er mit stolzgeschwellter Brust. Der Scheeßeler liebt sein Hobby.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Wie schafft man 2G-plus?

Wie schafft man 2G-plus?

Wie schafft man 2G-plus?
Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen
Testzentren in der Region haben kaum noch Kapazitäten

Testzentren in der Region haben kaum noch Kapazitäten

Testzentren in der Region haben kaum noch Kapazitäten
Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Kommentare