Unesco-Plakette anlässlich Blaudruck-Ausstellung feierlich enthüllt

Blaues Virus breitet sich aus

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Ehrenvorsitzende Christine Behrens (3.v.l.) enthüllt die offizielle Unesco-Plakette.

Scheeßel - Von Ursula Ujen. Der Heimatverein Scheeßel macht blau – und das, obwohl die Mitglieder gerade zurzeit besonders aktiv sind. Wer sich von diesem Widerspruch überzeugen möchte, sollte sich laut Vorsitzendem Uwe Wahlers die nur bis diesen Freitag gezeigte Wanderausstellung „Scheeßel macht blau“ im Meyerhof ansehen.

Anlässlich der 2016 erfolgten Aufnahme der Scheeßeler Blaudruckwerkstatt in die deutsche Unesco-Liste des immateriellen Erbes der Menschheit wurde in Zusammenarbeit mit Georg Stark, der als versierter Blaudrucker in Jever eine eigene Werkstatt betreibt, diese besondere Werkschau auf die Beine gestellt. Außerdem wurde die feierliche Enthüllung der offiziellen Unesco-Plakette an der Scheeßeler Blaudruckerwerkstatt durch Ehrenmitglied Christine Behrens vorgenommen. „Wir vom Heimatverein sind inzwischen alle vom blauen Virus infiziert“, verriet Wahlers. „Und dass die unermüdliche Arbeit von Annerose Rathjen mit ihrem Team so wertvolle Früchte trägt, macht uns alle sehr stolz.“

Als Blaudruck-Experte erzählte dann Gastreferent Stark, wie ihm vor 35 Jahren von „echten alten Blaudruckern in Holland und Ungarn“ dieses Handwerk gezeigt worden sei und er dann tatsächlich eine komplette Werkstatt aus Ungarn und alte Blaudruck-Rezeptbücher aus Nienburg erworben hätte. „Ich habe mir dann praktisch alles selbst beigebracht und mich immer mehr in dieses Handwerk vertieft“ verriet Stark.

In seiner Werkstatt in der Altstadt von Jever gibt er seit 32 Jahren sein Wissen an interessierte Besucher weiter. 2016 war er im wissenschaftlichen Auftrag der Landesregierung in Japan, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich des Blaudrucks in Deutschland und Japan zu erforschen: „Wir verwenden hier Holzmodel mit Stahlstiften, die jahrhundertelang halten – in Japan sind es zweilagige, lackierte und sehr filigrane Papierschablonen, die maximal 150 Drucke aushalten.“ Ein weiterer Unterschied sei, dass die Japaner anstelle der bei uns üblichen Calcium-Lauge die hautfreundliche Pottasche verwenden. „Nur so können die Japaner das in den bis heute gut florierenden Werkstätten acht Stunden lang mit den Händen in der Lauge aushalten“, erklärte Stark. Der Blaudruck würde in der östlichen Welt seit vielen Jahrhunderten – auch besonders in der Porzellankunst – sehr geschätzt: Durch die Holländer sei diese Kunst vor 400 Jahren nach Europa gekommen und fände sich beispielsweise noch heute in dem beliebten Service „Friesisch Blau“ wieder.

Im Gefolge der „Beeke-Uln“, die das Programm mit ihren Liedern begleiteten, folgten die Gäste der Aufforderung von Uwe Wahlers zur Enthüllung der wichtigen Plakette. Der Wettergott meinte es nach Dauerregen gut mit dem Heimatverein – der Regen verschonte die Gästeschar, die sich rund um den Blaudruckspeicher versammelt hatte und Ehrenvorsitzende Christine Behrens enthüllte die offizielle Plakette.

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