Betreiber der Biogasanlage am Deepener Weg sind nach neuen Auflagen zum Umdenken gezwungen

Kleinere Variante, große Effizienz

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Von der Biogasanlage in Ostervesede aus sollen künftig zwölf Haushalte mit Wärmegas versorgt werden – 18 weniger als ursprünglich geplant.

Ostervesede/Scheeßel - Das haben sich Christoph Miesner und Henning Bassen anders vorgestellt: 2010 nahmen die beiden jungen Landwirte aus Ostervesede ihre Biogasanlage am Depeener Weg in Betrieb – unter anderem mit dem Ziel, in der Ortschaft ein Wärmenetz aufzubauen. Ein entsprechender Bebauungs- und Flächennutzungsplan war vom Scheeßeler Gemeinderat schon längst abgenickt. Doch Novellierungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zwangen die beiden zum Umdenken. „Hätten wir gewusst, was auf uns zukommt, hätten wir unser Vorhaben nie in die Tat umgesetzt“, sagen sie.

Alles auf Anfang hieß es dann auch auf der jüngsten Sitzung vom Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde. Der musste sich erneut mit dem B- und F-Plan befassen, liegen dem Konzept, mit dem die Betreiber ursprünglich 30 Haushalte mit Wärmegas versorgen wollten, nun doch einige wesentliche Änderungen zugrunde.

„Für uns ist eine völlig neue Situation entstanden“, erklärte Christoph Miesner. Um ihre Pläne zu verwirklichen, hatten er und sein Kompagnon eigenen Angaben zufolge bereits mehrere hunderttausend Euro in eine Gasleitung und ein Satelliten-Blockheizkraftwerk investiert. Doch genau letztere Anlage habe für die beiden eine böse Überraschung bereitgehalten. „Das Kraftwerk hatten wir im Glauben gekauft, dass es – ebenso wie unsere Hauptanlage – im EEG 2009 vergütet wird“, so Miesner. Doch mit Inkrafttreten eines neuen Gesetzes im vergangenen Jahr hätten die Banken die bereits bestehenden Finanzierungen komplett auf Eis gelegt. „Man hat uns quasi den Geldhahn zugedreht.“

Ein weiteres Problem, das den Landwirten in die Quere kam, ist die Mindestlagerkapazität für Gärreste. Die soll nämlich nach einer Neuregelung bundesweit in allen Biogasanlagen von sechs auf neun Monate angehoben werden.

Für die Landwirte war eine wirtschaftliche Umsetzung nun nicht mehr möglich, notgedrungen machte sich das Duo auf die Suche nach Lösungen – und wurde fündig. „Unser neues Konzept sieht nach den neuen EEG-Richtlinien vor, dass wir nicht mehr wie vorgesehen 900 Kilowatt produzieren, sondern nur noch 750 – und damit das Wärmenetz mit zwölf statt 30 Haushalten betrieben werden kann“, erklärte Miesner. Entsprechende Verträge mit den Hauseigentümern seien bereits abgeschlossen.

Zusätzlich müsse man nun ein Endlager für die Gärreste bauen – und nicht nur das. „Wir wollen auch einen Nachgärer errichten, um so eine 30 Tage längere Verweilzeit für die Substrate zu erreichen.“ So, erklärte der Landwirt weiter, könne man jährlich rund 600 Tonnen Mais einsparen. Miesner: „Wir hätten bei weniger Input die selbe Menge Gas – und parallel weniger Verkehr am Deepener Weg.“

Schon am Vorabend der Sitzung hatte sich der Osterveseder Ortsrat mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung für ein Inkraftsetzen des neuen B- und F-Planes ausgesprochen – und zwar in geheimer Abstimmung. Und bis auf die Grünen-Ratsfrau Ursel Brüning-Wildhagen stimmten nun auch die Ausschussmitglieder dem Vorhaben zu. „Es gilt der Vertrauensschutz, den wir schon damals gegeben haben“, meldete sich Wolfgang Bassen (CDU) zu Wort. „Wenn man so viel Geld in die Hand genommen hat, sollten wir den kleineren Part jetzt nicht ablehnen.“

Ähnlich äußerte sich Detlev Kaldinski (SPD): „Wir haben der weitergehenden Lösung bereits zugestimmt, mit diesem Konzept gehen sogar Verbesserungen einher.“ Erstaunt zeigte er sich über die immer neuen Auflagen für die Anlagenbetreiber: „Was da gesetzlich passiert, ist sehr fraglich. Man kann sich nur wundern, wie sich in kürzester Zeit alles ändert.“

lw

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