Betonbauer Dennis Behrens fährt zur Berufs-Weltmeisterschaft „WorldSkills“ nach São Paulo

Wie Kuchen backen

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Mit großer Sorgfalt zeichnet Dennis Behrens Markierungen auf eine Holzplatte, die als Schalung einer Beton-Gartenliege dienen wird.

Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Der 20-jährige Betonbauer Dennis Behrens gehört bereits zu den Besten seines Fachs in Deutschland. Am Mittwoch fährt der Scheeßeler mit dem Nationalteam des Deutschen Baugewerbes zur Berufsweltmeisterschaft „WorldSkills“ ins brasilianische São Paulo, wo er zusammen mit seinem Kollegen Pascal Gottfried (21) aus Rattelsdorf (Bayern) gegen vier andere Nationen in seinem Handwerk die Nummer eins der Welt werden will.

Von Frankfurt fliegen Behrens und das Nationalteam in die südamerikanische Großstadt, wo dann vom 12. bis zum 15. August die Wettkämpfe stattfinden. Behrens hat erst im vergangenen Jahr seine Gesellenprüfung bestanden. In mehreren Wettbewerben setzte er sich bis zur Deutschen Meisterschaft durch, die er schließlich gewann – und sich damit auch die Qualifikation für die „WorldSkills“ sicherte.

Mit der WM-Teilnahme hatte er aber zu keinem Zeitpunkt gerechnet. „Ehrlich gesagt, ich habe erst im vergangenen Jahr erfahren, dass es das gibt“, sagt Behrens und grinst. Kein Wunder, Betonbau ist in São Paulo zum ersten Mal eine Disziplin bei den „World-Skills“. Aufgeregt ist er, seine Kontrahenten kann er nicht einschätzen. Trotzdem, das Ziel ist der Titel, „aber schon dabei zu sein ist cool“. Stolz ist man an der Beeke aber bereits. Sowohl in der Familie, dessen Handwerkertradition Behrens in vierter Generation fortsetzt, als auch in seinem Ausbildungsbetrieb „Beco“. Nach Sao Paolo strebt er ein Studium im Bauingenieurswesen an, das Fachabitur dazu hat er seit diesem Sommer in der Tasche.

Mit seinem Teamkollegen Gottfried arbeitet er gut zusammen – das ist wichtig für die bevorstehenden Aufgaben bei den Wettbewerben. „Er ist Bayer und ich bin Norddeutscher, da gibt es schon ein paar Gegensätze“, beschreibt Behrens seinen Partner, „aber wir ergänzen uns sehr gut.“

Die Aufgaben, die auf die Betonbauer zukommen, kennt der Scheeßeler bereits. So gilt es, eine Gartenliege und einen Träger für Brücken, ein sogenanntes Brückenwiderlager, zu bauen. Wie die aber genau auszusehen haben, werden die Teilnehmer allerdings erst beim Wettkampf gewahr.

„Es ist ein bisschen wie Kuchen backen“, erklärt Behrens. Zunächst müsse eine Form hergestellt werden. Bei der Liege ist diese aus Holz, „bei dem Widerlager kommt eine Systemschalung zum Einsatz“. Behrens weiter: „Die Schwierigkeit in diesem Handwerk liegt darin, dass wir zunächst im Negativ denken müssen, bevor wir etwas bauen.“

Die Jury, zu der auch sein bayerischer Trainer, der Nördlinger Bauunternehmer Werner Luther gehört, bewertet dabei nicht nur das Endergebnis, sondern auch wie sauber gearbeitet wurde, ob alles maßgenau und belastbar ist und wie gut Behrens und Gottfried zusammenarbeiten. Außerdem berücksichtigt die Jury, ob die Sicherheitsvorschriften und die vorgegebene Zeit eingehalten werden. „Erfahrungsgemäß ist die Zeit relativ knapp bemessen“, weiß Behrens, „und auf die Sicherheit legt die Jury viel Wert.“

Der 20-Jährige ist einer von mehr als 1200 Handwerkern aus etwa 60 Ländern, die in diesem Jahr zu den „WorldSkills“ nach São Paulo fahren. Aus Deutschland sind insgesamt 41 Teilnehmer dabei, die in 37 Berufen antreten. Das Nationalteam des Deutschen Baugewerbes stellt neben Behrens und Gottfried noch einen Fliesenleger, einen Maurer, einen Stuckateur und einen Zimmerer. Insgesamt gibt es mehr als 50 verschiedene Wettbewerbskategorien – nicht nur im Bau, sondern beispielsweise auch in Logistik oder Gastronomie. Behrens Kontrahenten kommen aus Österreich, Brasilien, Dänemark und Sambia.

Warum er das macht? „Ich möchte mich mit anderen messen“, sagt Behrens. Er suche die Herausforderung. „Außerdem ist so eine Weltmeisterschaft ja nicht alltäglich.“ Ihm gehe es aber auch um den Vergleich des Ausbildungsstandes zwischen den Ländern, zumindest den europäischen. „In manchen Ländern bereiten sie sich zwei Jahre ausschließlich auf die Wettbewerbe vor. Und wir machen das neben der Arbeit“, sagt der junge Betonbauer.

Dennoch sieht er sich gut vorbereitet. Zusammen mit Gottfried und Trainer Luther hielt er ein fast zweiwöchiges „Trainingslager“ in Nördlingen ab. „Wir haben da die Aufgaben ausprobiert und mögliche Änderungen durchgespielt“, berichtet Behrens. Dazu gab es noch eine einwöchige Vorbereitung mit dem Nationalteam im Leipzig. Manches ist für den Betonbauer bereits Routine: „Ein Widerlager machen wir auf dem Bau jeden Tag.“

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