Kommt nun die Ehrenamtskarte?

Gemeinderat diskutiert über freien Eintritt ins Beekebad für Feuerwehrleute

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Freier Eintritt für Feuerwehrleute ins Beekebad? Grundsätzlich eine gute Idee, aber dann bitteschön auch für andere Ehrenamtler, findet die Mehrheit im Scheeßeler Gemeinderat.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die Grünen im Rat lehnen den Antrag ab – jedenfalls so, wie er von der SPD/UGS-Guppe gestellt worden ist. Ebenso hat CDU-Fraktion ihre Bedenken. Dabei wollen die Antragssteller lediglich das Ehrenamt ehren. Nicht irgendeines, sondern im Speziellen das der Freiwilligen Feuerwehr. Deren Helfer sollen, quasi als Wertschätzung der Gemeinde für ihre oft kräftezehrenden Einsätze, freien Eintritt ins Beekebad bekommen. „Das würde allerdings nicht weit genug greifen“, meinen die Zweifler in der Politik. Ein Thema, das während der jüngsten Gemeinderatssitzung hohe Wellen schlug.

Einer dieser Zweifler ist Grünen-Fraktionschef Arthur Lempert. „Wir möchten auf keinen Fall, dass nur die einen gesehen und wertgeschätzt werden, und alle anderen, die genauso viel ehrenamtlich leisten, nicht.“ Dabei ziele der Antrag keineswegs auf die Bevorzugung von Feuerwehrleuten ab, konterte SPD-Mann Frithjof Hellwege, selbst aktiver Brandschützer. „Es geht hier nicht darum, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu etablieren, sondern einzig und allein darum, den besonderen Anforderungen, die Feuerwehrleute zum Beispiel beim Einsatz unter Atemschutz oder an verunfallten Fahrzeugen haben, Rechnung zu tragen.“ Tatsächlich, befand Hellweges Fraktionskollegin Uta Hoops, müsse man das, was die Brandschützer leisten, von anderen ehrenamtlichen Arbeiten doch stark unterscheiden. „Ich selbst bin in sehr vielen Ehrenämtern tätig, bei denen ich im Unterschied zum Feuerwehrwesen weiß, wann ich da hin muss und wie viele Stunden ich mache.“

Dem wollte die Gruppe 57 nicht widersprechen: „Wir finden es eine ganz tolle Idee, den Kameraden freien Eintritt in unser Freibad zu ermöglichen“, meldete sich Peggy Miesner zu Wort, „dient es doch deren Fitness und zur Entspannung nach dem einen oder anderen Einsatz.“ Auch sie sei der Ansicht, dass es ein Unterschied sei, ob man sich nun für die Interessen der Gemeinschaft einsetze oder doch tagtäglich Leben und Gesundheit für eben solche aufs Spiel setzen würde. Sie und ihre Mitstreiter würden den Antrag jedenfalls unterstützen.

Aber dazu sollte es gar nicht mehr kommen, zauberte die CDU doch einen weitergehenden Antrag aus dem Hut, über dem am Ende einzig und allein – bei 18 Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen, abgestimmt wurde. Der zielt darauf ab, die Gemeindeverwaltung Möglichkeiten einer Scheeßeler Ehrenamtskarte (so wie es sie beispielsweise schon der Landkreis eingeführt hat) prüfen zu lassen. Die, erläuterte CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Lange, solle dann einem möglichst großen Kreis Ehrenamtlicher zur Verfügung gestellt werden – zwecks freiem Eintritt oder etwa Vergünstigungen. „Bis zur nächsten Fachausschuss-Sitzung sollte das mal untersucht werden, sodass wir dann über das Thema beraten können“, empfahl Lange.

Tatsache ist: Selbst Scheeßels Gemeindebrandmeister Dieter Apel hatte schon vorab geäußert, dass er den Sinn und Zweck eines Freifahrtscheines für seine Kollegen hinsichtlich des Beekebads nicht wirklich erkennen könne. Ratsfrau Angelika Dorsch (SPD) macht sich auf eine solche Aussage ihren eigenen Reim: „Es ist schon sehr beängstigend, wenn das gegenseitige Aufhetzen von engagierten Scheeßeler Interessengruppen – wie es von der Bürgermeisterin seit Jahren praktiziert wird – schon so bittere Früchte trägt, dass der Gemeindebrandmeister sich nicht einmal mehr traut, Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für seine freiwilligen Feuerwehrleute anzunehmen“, teilte sie am Tag nach der Ratssitzung unserer Redaktion in einem schriftlichen Statement mit. „Wenn ehrenamtlich Aktive bei jeder Geste des Dankes Angst haben müssen, neidisch beäugt zu werden, läuft etwas grundsätzlich falsch in unserer finanziell gut aufgestellten Gemeinde.“

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