Bescherung im Meyerhof: Scheeßeler Bürger stiften Weihnachtsgeschenke für Flüchtlingskinder

„Blicke sagen mehr als Worte“

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Auch diese zwei Jungen syrischer Herkunft freuen sich über ihre Weihnachtsgeschenke.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Es ist Mittwochnachmittag. Wie jede Woche tummeln sich auch heute zahlreiche Flüchtlinge und Ehrenamtliche auf der Meyerhofdiele. Es ist Zeit für das Integrations-Café – und Zeit für Geschenke. Die haben Scheeßeler Bürger für die jüngsten aus den Zuwandererfamilien stammenden Gäste gestiftet – nach einem Aufruf des CDU-Gemeindeverbands und der örtlichen Flüchtlingshilfe.

Mit einem Lächeln im Gesicht verfolgt Franz Wenzl, zweiter Vorsitzender der unlängst zu einem Verein formierten Hilfe, das Geschehen. Gerade stimmt Brunhilde Hermann auf der Gitarre „Ihr Kinderlein kommet“ an. Erstaunlich viele der Sprösslinge, die mit ihren Eltern oder Großeltern in die Begegnungsstätte gekommen sind, können das Weihnachtslied mitsingen. „Sie kennen es aus der Schule“, weiß Kara Roueida, die heute als Dolmetscherin aushilft.

„Bekomme ich denn auch ein Geschenk?“, tippt ein Mädchen syrischer Herkunft Wenzl von hinten an. Natürlich bekommt sie eins. Denn dafür haben die Organisatoren gesorgt. 54 Flüchtlingskinder leben derzeit in der Gemeinde, und genauso viele Präsente – sortiert nach Altersklassen und Geschlecht – liegen auf den Gabentischen verteilt.

Für die meisten Jungen und Mädchen ist es das erste Weihnachtsfest. Dass auch ihnen eine kleine Aufmerksamkeit zuteil wird, geht auf eine Idee des Scheeßeler CDU-Gemeindeverbands zurück. Der hatte vergangene Woche während einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge die Bürger dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen. „Jeder konnte sich einen Coupon mit nach Hause nehmen, auf dem das jeweilige Geschenk, schon festgelegt war – angefangen vom Kleinkindspielzeug über den Fußball bis zur Puppe“, erläutert Verbandsvorsitzender Manfred Lieder das Prozedere. Mit dieser Vorgabe war es schließlich an den Wohltätern, die Präsente, die nicht teurer als 15 Euro sein sollten, zu besorgen und mit einem persönlichen Weihnachtsgruß zu versehen.

Dass die Aktion unter den Scheeßelern dermaßen gut angenommen worden sei, freut nicht nur den Christdemokraten. „Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen“, stellt Franz Wenzl fest und ergänzt mit Blick auf die immer noch vorherrschenden Sprachbarrieren: „Die dankbaren Blicke der Kinder sagen doch so viel mehr als Worte.“ Nicht alle hätten zur Bescherung den Weg in den Meyerhof gefunden. „Unser Verein wird sich noch darum kümmern, dass auch sie ihre Geschenke bekommen“, versichert der Flüchtlingshelfer.

Neben einem gemütlichen Beisammensein sollte die jüngste Zusammenkunft auch eine kleine Präsentation der örtlichen Kultur rund um das Weihnachtsfest sein. Ein geschmückter Weihnachtsbaum, Plätzchen, Christstollen und adventliches Liedgut taten dafür ihr Übriges. „Natürlich feiern die meisten der Flüchtlinge kein Weihnachten, aber man kann es ihnen ja dennoch näher bringen“, begründet Wenzl die Entscheidung.

Während für die aus den verschiedensten Kulturkreisen stammenden Kinder an diesem Nachmittag so mancher Wunsch in Erfüllung ging, wird die Hoffnung auf Frieden in den jeweiligen Kriegs- und Krisenländern vorerst unerfüllt bleiben. Der aus der Provinz al-Hasaka stammende Syrer Adnan Hussein gibt die Hoffnung jedoch nicht auf. „Ich wünsche mir, dass Krieg und Hass so schnell wie möglich vorbei sind“, sagt der 46-Jährige in seiner Landessprache, während Kara Roueida übersetzt. „Wir haben unser Land nur verlassen, weil wir unsere Familien vor dem Terror beschützen möchten.“ Umso dankbarer sei er nun, dass man ihn und seine Angehörigen in Scheeßel „mit einer großen Warmherzigkeit“ aufgenommen habe. Und noch jemandem sei seinen Worten nach zu danken: „Der Bundeskanzlerin.“

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