Simon Schumacher setzt sich bei Orgelkonzert mit der Passionszeit auseinander

Berührender Besuch vom Nachbarn

Helfende Hände: Gastgeber Andreas Winterhalter (l.) gab Simon Schumacher bei seinem musikalischen Antrittsbesuch in der Nachbargemeinde beim Ziehen der Register Schützenhilfe. Foto: Heyne

Scheeßel – Einen musikalischen „Gang durch die Passionszeit“ erlebten am frühen Sonntagabend die Besucher des Orgelkonzerts in der St.-Lucas-Kirche. An der kürzlich renovierten Vierdag-Orgel saß jedoch nicht wie gewohnt Kantor Andreas Winterhalter, sondern sein Rotenburger Kollege Simon Schumacher, von Ersterem eingeladen, um sich in der Nachbargemeinde musikalisch vorzustellen. „Schön, dass es endlich geklappt hat“, freute sich Winterhalter in seiner Anmoderation. Und auch Schumacher gab sich zufrieden: „Ich hatte mir vorgenommen, innerhalb des ersten Jahres meiner Amtszeit vorbeizukommen“ – die ist in einer knappen Woche herum, die Einlösung des Versprechens erfolgte also „auf den letzten Drücker“.

Das Warten hatte sich für die wie üblich eher übersichtliche Zahl der Zuhörer gelohnt. Sein Programm zum Beginn der Fastenzeit nahm sich ebenso differenziert aus wie das Spiel des Wahl-Rotenburgers. Der Duktus aller Stücke, von Brahms über Bach bis zu Liszt und Buxtehude: düster – das brachte die thematische Vorgabe mit sich. So hatte Schumacher gleich vorweg betont: „Der Leidensweg Jesus ist ein unbequemer Weg“ – entsprechend dunkle Klangfarben herrschten auch bei seiner musikalischen Umsetzung vor. Bestechend in seiner Schlichtheit: Das Choralvorspiel „Schmücke dich, o liebe Seele“ von Johannes Brahms. Mit seinen Stücken stelle Schumacher einen musikalischen Bezug zu den in den kommenden Sonntagen gelesenen Texten her. Aber auch Elemente des Kreuzweges selbst wurden thematisiert, etwa in Liszts Werk „Via Crucis“, der den letzten Weg Jesus‘ nachzeichnete. Nuanciert gab Schumacher das für Liszt eher untypische Werk: trostlos, behutsam, als er seiner heiligen Mutter begegnet, roh, fast brutal, als er das erste Mal strauchelt. Kraftvoll dagegen setzte der A-Organist die erschrockene Trauer in Buxtehudes Präludium in G um, als zwei Frauen entdecken, dass der Stein zur Grabkammer weg ist – und am Ende war, wie von Schumacher angekündigt, tatsächlich das Rollen des Steins zu entdecken.

Doch auch eine andere Seite Schumachers als die des versierten Organisten durften die Zuhörer kennenlernen, nämlich mit einem kleinen Einblick in die Improvisationskunst, ein Schwerpunkt in seinem Masterstudium, für den er 2014 sogar mit einem Preis ausgezeichnet worden war. Dem Publikum gefiel´s: „Eine tolle Sache, eine Stunde lang Musik auf diesem Niveau hören zu dürfen“, befand Stefan Heitmann. Stamm-Zuhörerin Edda Bobrich, für die der Abend ein Vorgriff auf Osterfreuden bedeutete: „Berührend, eine tolle Auswahl der Stücke – und je länger ich die Orgel kenne, desto besser gefällt sie mir.“ Dem konnte sich der Organist nach eintägiger Probe nur anschließen: „Die ist gut in Schuss“, und in Anspielung auf die eingeschränkte Verstellbarkeit des Hockers mit einem Schmunzeln: „auch wenn Organisten in Scheeßel anscheinend nicht größer als 1,76 sein dürfen.“

Ein weiteres „Joint Venture“ der beiden Kantoren ist bereits in Planung: Am 19. Mai steht ein gemeinsames Konzert der beiden Kantoreien an.  hey

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