Stimmen-Patt im Bauausschuss bringt keinen Vorstoß bei der Ausbauvariante

Beim Knotenpunkt ist der Knoten drin

Diese Kreuzung hat Rat und Verwaltung in Scheeßel schon viele Nerven gekostet. Nun will man in der Bauleitplanung endlich weiterkommen. Foto: Warnecke
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Diese Kreuzung hat Rat und Verwaltung in Scheeßel schon viele Nerven gekostet. Nun will man in der Bauleitplanung endlich weiterkommen.

Scheeßel – Wie geht es weiter mit dem Knotenpunkt an der L 130, der Helvesieker Landstraße, im Einmündungsbereich zum Fuhrenkamp und zum Vareler Weg? Antworten darauf, wie die außerorts gelegene Kreuzung im Nordosten Scheeßels – bis heute mit einer Bedarfsampel ausgestattet – nach jahrelangem Hin und her zwecks Entschärfung denn nun im Detail ausgebaut werden soll, die sollte es eigentlich am Mittwochabend auf einer Sitzung des gemeindlichen Bau- und Planungsausschusses geben. Schließlich muss die Gemeinde Scheeßel möglichst fix zu Potte kommen, will sie im Fuhrenkamp weiteres Wohnbauland veräußern. Nur führte ein Stimmen-Patt bei der Frage, wie der Bau der geplanten Linksabbiegerspur auf der ebenfalls geplanten vollsignalisierten Kreuzung denn nun vonstattengehen soll, dummerweise dazu, dass keine Entscheidung herbeigeführt werden konnte. Stattdessen muss der Fachausschuss nun in einer neuerlichen Zusammenkunft das Thema neu aufrollen.

Immerhin: Der Grundstock mit der Änderung des Bebauungsplans Nr. 59 „Fuhrenkamp II“ ist gelegt. Die war notwendig geworden, da die darin bereits ausgewiesene Verkehrsfläche einer Abbiegerspur platztechnisch nicht mehr Rechnung getragen hätte. Hatte sich der Gemeinderat schon 2017 per Beschluss mehrheitlich auf eine Ausbauvariante festgelegt – nämlich auf eine einseitige Verziehung der Fahrbahn in Richtung Fuhrenkamp bei Beibehaltung des an der Kreisstraße liegenden Geh- und Radweges sowie einer Anpassung des Einmündungsbereichs –, brachte die Verwaltung nun doch noch wieder eine zweite ins Spiel. Warum? „Nach Auswertung neuer Kriterien und unter Berücksichtigung von Anmerkungen der Unteren Naturschutzbehörde haben sich aus naturschutzrechtlicher Sicht Veränderungen ergeben, sodass wir meinen, auch über diese Variante noch mal zu sprechen“, erläuterte Verwaltungsmitarbeiterin Birgit Grambkow. Demnach könnte die Fahrbahn auch beidseitig verbreitert werden, wofür dann aber eine Verlagerung des Geh- und Radweges unausweichlich sei. Eine dritte Variante – die einseitige Verziehung in westliche Richtung, also in Richtung Vareler Weg – , war zwar von der IDN aus Oyten, dem mit der Planung betrauten Ingenieurbüro, ebenfalls ausgearbeitet worden, geriet aufgrund der vergleichsweise ungünstigen Parameter aber nicht mehr in die Auswahl.

Sicher ist: Wie auch immer der Ausbau an der Helvesieker Landstraße erfolgen soll – es müssen Bäume weichen, vor allem, um gewisse Sichtfelder gewährleisten zu können. Darum war es auch kein Zufall, dass gleich mehrere Vertreter der Öko-Initiative „Scheeßel für den Planeten“, die die Fällungen mit Argwohn betrachten, der Sitzung als Zuschauer beiwohnten.

Wie aber schneiden Variante eins und Variante zwei im Vergleich ab? Laut Planerin Sina Geils würde sich die Flächeninanspruchnahme gar nicht großartig unterscheiden. Ebenso, verdeutlichte sie, sei der Unterschied beim Baumverlust mit gerade mal zwei Bäumen nicht besonders groß. Was allemal für eine einseitige Fahrbahnverziehung sprechen würde, seien die geringere Bauzeit und das Weniger an Herstellungskosten. Aber: „Unter naturschutzfachlicher Sicht wäre Variante zwei sicher die günstigste“, so Geils.

Warum man nicht gleich eine ganz andere Planung vorgenommen habe, die nach Regelwerk für Fußgänge und Radfahrer genauso sicher sei, dafür aber weniger in die Ökologie eingreifen würde, wollte Diana Cartwright von der Bürgerinitiative wissen. Geils: „Eine andere Möglichkeit, als den Knotenpunkt mit Linksabbiegerspur herzustellen, sehe ich nicht, da die Linienform ja auch vorgegeben ist.“ Darüber hinaus würde das Landesamt für Straßenbau und Verkehr im Bereich einer Tempo-70-Zone auch keine Abweichung in Form eines Kreisverkehrs zulassen.

Deutlich brachte Cart-wrights Mitstreiterin Doris Rosenberg ihren Unmut zum Ausdruck. Bei Jeersdorf würde es doch auch einen außerörtlichen Kreisel an einer Landesstraße geben, sogar mit einem Zebrastreifen, meldete sich die Scheeßelerin lautstark zu Wort. „Und auch dort gibt es ein Wohngebiet – Ausnahmen gibt es doch, wieso nicht für unseren Knotenpunkt?“ Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) erwiderte, dass man in der Tat gemeindeseitig beim Land und beim Landkreis auf die vergleichbare Situation hingewiesen habe, weil dort ja auch ein Zebrastreifen sei. Nur, habe man erfahren, sei dieser fachlich gesehen auch gar kein Zebrastreifen. „Es ist jedenfalls immer und immer wieder abgelehnt worden.“

Dass ein Kreisel für den Fahrzeugverkehr in der Tat eine gute Lösung darstelle, darauf verwies Ratsherr Detlev Kaldinski (SPD). „Statistisch gesehen kommt es hier auch zu wenig Unfällen, nur gerade von den Grünen ist in jüngster Vergangenheit der Radverkehr, darunter vor allem die Schüler, in den Vordergrund geschoben worden – und für die ist der Kreisel keine gute Lösung, besonders außerorts, da sie dort nicht vorfahrtsberechtigt wären.“

Er wie auch viele andere Ausschussmitglieder verwiesen in diesem Zusammenhang darauf, dass die Gemeinde die Kreuzung als solche bauen müsse und langsam aber sicher in Zugzwang geraten würde. „Irgendwann läuft uns die Zeit davon“, befand Frithjof Hellwege (SPD) „Die Leute können es nicht mehr nachvollziehen, dass wir uns über Jahre damit beschäftigen, eine Lösung zu finden.“ Dem pflichtete Marsha Weseloh (CDU) bei: „Ohne die Knotenpunktentschärfung dürfen wir das Baugebiet an der Helvesieker Landstraße nicht bebauen lassen – und es gibt schon genug Leute, die dort endlich loslegen möchten.“

Überhaupt, meldete sich Angelika Dorsch (SPD) zu Wort, handele die Gemeinde beim vorgesehenen Kreuzungsausbau nach bestehenden Richtlinien. „Wir müssen uns an Recht und Gesetz halten, da haben wir nach Ausschöpfung aller denkbaren Szenarien keinen Spielraum.“

Für die zu fällenden Bäume, hieß es in der Sitzung, würden jedenfalls großzügig Ersatzpflanzungen vorgenommen. Im sogenannten Jeersdorfer Dreieck, einer Fläche, die der Gemeinde gehört, soll zum Ausgleich ein üppiger Eichenwald entstehen. „Was bringt uns der in dieser Abgeschiedenheit?“, entfuhr es „Planetenretterin“ Doris Rosenberg. „Wir wollen bei uns vor der Haustür frische Luft!“

Der Knotenpunkt – eine unendliche Geschichte

Schon bei der Ausweisung des ersten Baugebietes im Fuhrenkamp war die Gemeinde vom Land verpflichtet worden, den Kreuzungsbereich für die Verkehrsteilnehmer zu regeln – was aus diversen Gründen aber nicht umgesetzt worden war. 2005/06, damals waren noch wenig Gebiete angeschlossen, gab es die erste Initiative, seinerzeit war man noch von einem Kreisverkehr ausgegangen. Da sich unter Anwohnern dagegen Widerstand geregt hatte, war das Thema zunächst vertagt worden. Mit dem immensen Zuwachs weiterer Wohngebiete im Laufe der Folgejahre kehrte der Kreuzungsausbau zurück auf die politische Agenda. 2017 gab es eine Verkehrsuntersuchung – mit dem Ergebnis, dass die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern nicht etwa durch einen Kreisverkehr, auf dem diese auch gar nicht gegenüber motorisierten Fahrzeugen bevorrechtigt wären, sondern durch eine ampelgeregelte Kreuzung gewährleistet werden könne. Nachdem diese Entscheidung klar war, stiegen Rat und Verwaltung in den Variantenvergleich ein.

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