Beim ersten „Refugium“-Begegnungscafé bleiben die Flüchtlinge aus

Rätselraten um Teilnehmer statt Kennenlernen

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Lorndry von der Elfenbeinküste (l.), der mit „Kümmerin” Anouschka Stooff (2.v.l.) zum Refugium gekommen war, konnte mit vielen Einheimischen ins Gespräch kommen.

Scheeßel - Sparsame Blicke bei den Organisatoren des ersten „Refugiums“, dem neuen wöchentlichen Treff für Einheimische und Flüchtlinge: Dieser soll nach dem Plan der Organisatoren Anja Schürmann (Gleichstellungsbeauftragte) und Anouschka Stooff (ehrenamtliche Helferin beim Asylkreis der Kirche) das zwei Mal mit dreistelligen Besucherzahlen abgehaltene „Café International“ ablösen. Doch gerade mal ein Asylbewerber hatte am Mittwochnachmittag den Weg in den Meyerhof gefunden.

Hierhin hatten die Organisatoren die Veranstaltung vom ursprünglich angedachten Jugendzentrum verlegt, „um mehr Platz zu haben“, so Anja Schümann. So sitzen Lorndry von der Elfenbeinküste und ein knappes Dutzend Einheimischer etwas verloren an der gedeckten Kuchentafel in einer Ecke der Meyerhof-Stube. Enttäuscht sei er nicht, versichert der Flüchtling. Warum er gekommen ist? „Meine Mama hat mich mitgenommen“, meint er und zeigt auf „Kümmerin“ Anouschka Stooff, der die in Afrika übliche, ebenso respektvolle wie zugewandte Anrede gilt.

Die kann nur vermuten, warum das Angebot im Unterschied zu den beiden sonntäglichen Terminen kaum Resonanz findet: „Viele unserer Betreuten sind jetzt an der BBS in Rotenburg und gerade erst aus der Schule gekommen – vielleicht haben die sich erstmal hingelegt?“ Auch ihre Mitstreiterin Schürmann lässt sich nicht entmutigen: „Es ist ja erst das erste Mal, das läuft sich schon noch ein!“ Die Flinte ins Korn werfen will sie nicht gleich: „Wir sind nächste Woche wieder hier, um zu klönen, zu spielen und gemeinsame Interessen zu entdecken.“ Arthur und Klaus Lempert denken einen Schritt weiter: „Vielleicht sollte man eine Whats-App-Gruppe gründen, um die Leute zielgerichteter zu informieren?“

So bleibt an diesem Nachmittag viel Zeit, um Pläne zu schmieden, wie es weiter gehen könnte und was Not tut. „Wir brauchen dringend Handwerker, die die gespendeten Möbel vor Ort aufbauen können“, meint Stooff, „und wir würden uns wünschen, dass diejenigen, die ankommen, gleich begrüßt werden.“ Im Fall eines somalischen Paars habe das gut geklappt: Neben „Patin“ Andrea Winterhalter, die Familie in Empfang nahm und zur Wohnung begleitete, sei auch ein Landsmann zum Dolmetschen vor Ort gewesen.

Und am Ende des Nachmittags klärt sich das Rätselraten um das Fernbleiben von Interessenten doch noch auf: Beim vom Asylkreis initiierten Kochen, das einmal im Monat just parallel zu diesem Termin in der Beeke-Schule über die Bühne geht, werden 25 Flüchtlinge gezählt.

hey

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