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Gegen den Schlabberlook: Beekeschule in Scheeßel will Jogginghosen aus dem Unterricht verbannen

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Von: Lars Warnecke

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Jogginghosen sind bei vielen jungen Leuten sehr beliebt. Die Beekeschule in Scheeßel hat den Schlabberlook im Unterricht aber verboten.
Jogginghosen sind bei vielen jungen Leuten sehr beliebt. Die Beekeschule in Scheeßel hat den Schlabberlook im Unterricht aber verboten. © Warnecke

Immer mehr Schulen setzten auf Kleidungsvorschriften – so auch die Beekeschule in Scheeßel. Dort sind die Schüler schon seit 2018 dazu angehalten, in angemessener Kleidung am Unterricht teilzunehmen. Die Jogginghose etwa ist tabu. Nur geht das Verbot auf?

Scheeßel – Karl Lagerfeld hatte zu ihnen eine klare Meinung: Wer in der Öffentlichkeit Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Das scheint man an der Beekeschule in Scheeßel ähnlich zu sehen. Jugendliche, die dem Unterricht im Schlabberlook verfolgen, als wären sie gerade aus dem Bett gekrabbelt? „Bitteschön, aber nicht bei uns“, sagt Leiter Sven Borstelmann. An seiner Oberschule werde auf angemessene Kleidung wert gelegt, ebenso auf ein gepflegtes Aussehen – auch wenn sich einzelne „Ausreißer“ nicht immer oder gar nicht daran halten würden.

Dabei gebe es seit fünf Jahren schon eine Kleidungsvorschrift, zu finden in der hauseigenen, von Schülern, Eltern und Lehrerschaft im Schulterschluss erarbeitete und in einer Gesamtkonferenz verabschiedete Schulordnung, die unter anderem klipp und klar besagt, eben nicht in Jogginghosen oder „Sofaklamotten“ die Schulbank zu drücken. „Das Thema war den Schülern damals sogar selbst sehr wichtig, weil es sie genervt hat“, erinnert sich Borstelmann. Wobei seinerzeit noch eher extrem kurze, sprich aufreizende Kleidung im Sportunterricht bei den Mädchen im Fokus gestanden habe. „Die Jogginghose kam aber auch schon auf.“ Heute sei die Büx unter den Jugendlichen längst in Mode – Erscheinungsbild hin oder her. „Das Tragen schleift sich aber auch an der Schule zunehmend ein, deshalb müssen wir jetzt nachlegen.“

Verschärfung nach den Osterferien

Was der Leiter damit meint: Nach den Osterferien will man bei der ordnungswidrigen Kleidungsauswahl mancher Beekeschüler, welche ihm zufolge zugleich oft auch eine gewisse Laissez-faire-Haltung erkennen lassen würden, die beim Lernen in der Schule fehl am Platz sei, wieder ein ganzes Stück stärker durchgreifen. Sprich: „Erst mal werden wir mit den Jugendlichen das direkte Gespräch suchen, um eine Einsicht herbeizuführen – sollte das nichts bringen, nehmen wir mit dem jeweiligen Elternhaus Kontakt auf, um mitzuteilen, dass wir uns das anders vorstellen.“ Für diejenigen, die danach noch immer meinen, in die Opposition gehen zu müssen, sei seinen Worten nach als letztes Mittel der Wahl auch der Ausschluss aus dem Unterricht denkbar. „Das Problem sind dabei gar nicht die meisten Schüler, sondern jene drei Prozent, die bewusst provozieren wollen“, weiß Borstelmann. Genau dieser Teil sei weniger in den unteren Jahrgängen zu finden, auch nicht in Klasse zehn. „In den Jahrgängen acht und neun ist das eher ein Thema – das kommt dann mit der Pubertät, dass die Schüler rebellieren.“

Immerhin: Eine Chance, sich zeitnahe noch eine andere Hose zuzulegen, etwa eine Jeans, sollte der ein oder andere nur im Besitz von Trainingshosen sein, wird den Betroffenen in Form einer klaren Vorlauffrist gewährt. Um Missverständnissen vorzubeugen: „Die Schüler dürfen natürlich gerne mit Jogginghose rumlaufen“, betont Borstelmann. „Aber die Schulgemeinschaft hat eben gesagt, wir möchten, dass hier anständige Kleidung getragen wird.“

Leiter Sven Borstelmann mit der Schulordnung in den Händen. Die Beekeschüler Eliza Helk und Jonas Jentsch begrüßen, dass angemessene Kleidung getragen werden soll.
Leiter Sven Borstelmann mit der Schulordnung in den Händen. Die Beekeschüler Eliza Helk und Jonas Jentsch begrüßen, dass angemessene Kleidung getragen werden soll. © -

Und dazu, das zeigt ein Blick in die Schulordnung, zählen noch einige weitere Aspekte. So duldet man an der Scheeßeler Oberschule prinzipiell auch keine Klamotten, die in irgendeiner Form Beleidigungen, die Verherrlichung von Alkohol und Drogen oder Symbole von verfassungsfeindlichen Organisationen zeigen. Darüber hinaus darf Unterwäsche nicht sichtbar sein. Warum ebenso auf wetterangemessene Kleidung geachtet werden soll? „Wir haben bei uns Kinder, die selbst bei Minusgraden mit kurzer Hose zur Schule kommen“, berichtet der Leiter.

Ob die Beekeschule nun in besonderem Maße gegen in ihren Augen nicht adäquate Kleidungsstile durchgreift, bezweifelt Borstelmann: „Wir sind sicher in der Minderheit, dass wir es fest ausformuliert haben, aber ich vermute, dass es in den meisten Schulordnungen mit drinsteckt und mehr oder weniger auch Umsetzung findet.“

„Unter normalen Leuten“

Eine, die das konsequente Vorgehen gegen den Schlabberlook ausdrücklich begrüßt, ist die zehnjährige Eliza Helk: „Klar, ich trage daheim auch gerne Jogginghose, in der Schule und in der Öffentlichkeit aber nicht“, sagt die Schülersprecherin aus Wohlsdorf. „Eine angemessene Kleidung, wie ich sie vor allem bei manchen Jungs vermisse, wäre schon sehr gut.“ Ähnlich äußert sich Jonas Jentsch aus der Klasse 7b: „Es ist ja nicht bekannt, wie lange manch einer seine Jogginghose schon anhat, vielleicht auch zum Schlafen. Wenn man ordentlich gekleidet ist, weiß man, dass man sich hier unter normalen Leuten befindet.“

Mancher wird sich angesichts der Kleidungsfrage an der Beekeschule sagen: „Dann führt doch lieber gleich eine Schuluniform ein!“ Nur sei die hierzulande eben auch „ein bisschen verpönt“, weiß Sven Borstelmann. Dabei sieht er durchaus Argumente, die für einen Einheitslook, der ja auch chic sein könne, sprechen würden: „So etwas wäre hoch identitätsstiftend, Einkommensschwächere würden nicht mehr stark auffallen und man kann sich zu Hause nicht mehr bei der Klamottenwahl vertun“, zählt er die Vorteile auf. „Das ist eine Sache, über die man nachdenken kann – man müsste aber natürlich erst wieder mit allen Beteiligten sprechen.“

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