Beeke-Schule macht mit Sprachlernklassen ihre ganz eigenen Erfahrungen

Ein holpriger Weg

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Sven Borstelmann

Scheeßel - Sie sprechen Arabisch, Kroatisch und Polnisch. Manche sind gerade erst in Deutschland angekommen, einige bleiben nur kurz, andere ein Leben lang. Auch an der Scheeßeler Beeke-Schule erfahren Kinder und Jugendliche in sogenannten Sprachlernklassen Förderung – und das nicht nur mit Flüchtlings- und Asylbewerberhintergrund, wie Rektor Sven Borstelmann erklärt.

„Bei ihnen handelt es sich auch um junge Leute aus Polen, Tschetschenien und den baltischen Staaten, deren Familien hier Fuß fassen wollen, der deutschen Sprache aber überhaupt nicht mächtig sind“, sagt Borstelmann. Insgesamt 33 Jungen und Mädchen würden derzeit an der Oberschule von dem Förderangebot Gebrauch machen – das seien fast doppelt so viele, als noch vor einem Jahr.

Schon damals hat Borstelmann eine Sprachlernklasse beantragt. Die war auch zum 1. Februar 2015 genehmigt worden. Aber: „Zwei Tage später ist hat man uns das wieder gestrichen, da uns aus unserem Haus keine Lehrkräfte zur Verfügung standen“, so der Schuldirektor. Beholfen habe man sich schließlich über das Ganztagsangebot, indem der Schulleiter „quasi von der Straße weg“ bereitwillige Privatpersonen einstellte, die die jeweilige Landessprache der Kinder beherrschen. Borstelmann: „Zum neuen Schuljahr haben wir nun ganz offiziell eine Sprachlernklasse, Lehrer dafür gibt es aber immer noch nicht.“

Wie das Angebot in der Praxis aussieht, schildert der Schulleiter so: „Um überhaupt Sozialkontakte zu bekommen, laufen die Kinder in unseren Wahlklassen mit.“ Stundenweise würden sie aus dem regulären Unterricht herausgenommen, um in Kleingruppen – zumeist mit ihren Landsleuten – an der Sprachförderung teilzunehmen. „So etwas handhaben wir bei jedem ganz individuell – je nach Leistungsstand.“ Einige würden auf diese Weise sechs bis acht Stunden pro Woche unterrichtet, andere nur zwei.

Was alle miteinander verbindet ist die Teilnahme am Sportunterricht. Die, ist sich Borstelmann sicher, würde schließlich die Sozialkompetenz effektiver fördern, als es in anderen Fächern der Fall ist.

Dass das Konzept schon erste Früchte trägt, macht er am Beispiel eines jungen Flüchtlings-Brüderpaars aus Afghanistan deutlich, welches in den Kriegswirren seine Eltern verloren hat: „Die beiden sprachen anfangs nur Paschto, machen aber im Eiltempo gehörige Fortschritte. Man merkt: Sie wollen sich integrieren.“ Er weiß aber auch von anderen Fällen zu berichten: „Im letzten Schuljahr hatten wir eine 19-Jährige, die haben wir einfach so mitbeschult, da sie durch alle Raster gefallen war – die war noch nicht einmal alphabetisiert.“

Obwohl die Beeke-Schule nun Sprachlernklassen vorhält, empfindet Borstelmann das alles aus seiner Sicht als Belastung. Er moniert: „Seit den 1960er Jahren ist Deutschland ein Einwanderungsland, und immer gibt es noch kein System, das die Kinder auffängt.“

lw

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- Ziel ist der bestmögliche Abschluss

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