Bauernmal: Wegeversteigerung spült 700 Euro in die Gemeindekasse

Bieterduelle op Platt

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Die Gastwirtschaft als Auktionshaus: Wenn Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele auf Platt gemeindeeigene Wege für ein Jahr versteigert, gibt es immer viel zu lachen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Negen Öro. Tein. Ölben. „Ton eenten, ton tweetn un ton dreetn“, ruft Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. Und schon kann sich der Bieter über eine auf ein Jahr befriste Pacht für den Leehopweg freuen. Mittwochabend, am Dreikönigstag, kamen in Stahmleders Gasthaus wieder honorige Bürger zum Bauernmal zusammen. Viel Geld spült die gewohnt zum Jahresauftakt stattfindende Wegeversteigerung nicht in die Gemeindekasse. Aber das ist auch gar nicht das Ziel. Vielmehr will man bei Grog und Klönschnack an Scheeßeler Traditionen anknüpfen.

Und die reichen weit zurück. Denn wer in alten Zeiten beim Bauernmal eines der begehrten Wegenutzungsrechte ergattert hatte, durfte dort ein Jahr lang seine Ziegen und Schafe weiden lassen und die auf den Seitenstreifen stehenden Apfelbäume abernten. Auch heute noch erfreuen sich die Pächter an dem satten Rot der saftigen Frucht. Doch was früher einmal eine durchaus ernste Angelegenheit war, hat sich längst zu einer Aktion mit Spaßgarantie entwickelt. Nutzungsrechte von rund 30 Gemeindewegen kamen unter den sprichwörtlichen Hammer – und die ließ sich Auktionatorin Dittmer-Scheele in gewohnt humoriger Manier mal mehr, mal weniger teuer bezahlen.

Wie immer mussten sich auch diesmal „de Grönen“ vorstellen – selbstverständlich op Platt. Das sind diejenigen, die zum ersten Mal am Bauernmal teilnehmen. In diesem Jahr erkauften sich mit Peggy Miesner, Alexander Schweiger, Anke Fitschen, Christoph Miesner sowie zwei Vertretern der örtlichen Presse gleich ein halbes Dutzend „Gröne“ das Wohlwollen ihrer Zuhörer, indem sie ihre „Antrittsreden“ souverän meisterten und jeweils eine Runde Grog springen ließen.

Während der Auktion selbst entspann sich unter den Anwesenden manch nervenaufreibendes Bieterduell. Peggy Miesner bot beispielsweise „tweeuntwintig Öro“ für den Küsterkampweg. „Schall se den Weg för tweeuntwintig Öro bekamen?“, fragte die Bürgermeisterin amüsiert. In letzter Sekunde meldete sich Alexander Schweiger zu Wort, der mit seinem Gebot über „dreeuntwintig Öro“ den Zuschlag erhielt.

Besonders begehrt war der Vahlder Kirchweg, den sich Claus Meinke erneut sichern wollte. Andere Interessenten boten hartnäckig mit, doch bei 35 Euro ging auch der Konkurrenz die Luft aus. Es war das zweithöchste Gebot des Abends. Den Spitzenpreis erzielte – wie bereits im vergangenen Jahr – der Bartelsdorfer Kirchweg, für den Vorjahrespächter Ernst-August Kröger zusammen mit der Bürgermeisterin ganze 52 Euro locker machten.

Am Ende kamen 620 Euro zusammen, die Sparkassendirektor Jürgen Lange und sein Vorstandskollege Olaf Achtabowski auf 700 Euro aufstockten. Das Geld wird zunächst auf ein Sparbuch eingezahlt und soll dann zur Neuanpflanzung von Bäumen an öffentlichen Wegen verwendet werden.

Allein am Scheeßeler Lehmsalweg dürfte das Pensum bereits erfüllt sein: 50 Apfelbäume stehen dort auf einer gemeindeeigenen Fläche, die nun von dem Bartelsdorfer Kröger als Höchstbietender des Abends allesamt abgeerntet werden dürfen – theoretisch zumindest.

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