Verzögerung durch unvollständiges Gutachten

Bauen in Westeresch: Das lange Warten geht weiter

Ein Stoppelfeld, im Hintergrund ein paar Häuser.
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Dort soll es mal hin, in Nachbarschaft zur bestehenden Wohnbebauung. Nur wird es mit dem Erschließungsstart für den zweiten Abschnitt des Westerescher Baugebietes wohl noch eine ganze Weile dauern.

Das Dorf Westeresch schrumpft. Das muss nicht sein, sagen Dorfbewohner. Doch es hapert an der Entwicklung neuer Grundstücke.

Westeresch – Uwe Wichern aus Westeresch macht sich Sorgen. Sorgen darum, dass die Einwohnerzahl seines Heimatdorfes stagniert – von 529 im Jahre 2015 liegt die Zahl nunmehr bei 466. Über den Daumen gepeilt seien das mehr als zehn Prozent, rechnete er in der jüngsten Ortsratssitzung, der er als Zuschauer beiwohnte, vor. „Eine solche Entwicklung kennt man eigentlich nur von Dörfern im tiefsten Brandenburg oder in Mecklenburg-Vorpommern – aber nicht von einer Ortschaft, die mitten zwischen Hamburg und Bremen liegt, und das mit dem Autobahnanschluss vor der Haustür.“

Nein, er sei überzeug, dass in Westeresch etwas völlig schiefgelaufen sein müsse. Anders, so Wichern, sei die Abwanderung jedenfalls nicht zu erklären. Dabei habe er von mindestens 30 jungen Leuten erfahren, die im Dorf gerne sesshaft werden möchten – da es an Bauland fehle, nur eben nicht könnten. Immer noch nicht. „Vor zwei Jahren wurde der Ortsbürgermeister in einer Sitzung des Ortsrates gefragt, wann es mit dem neuen Baugebiet hier losgeht – damals hieß es in acht Wochen.“ Nun sei man aber schon 108 Wochen weiter, „und von einer Realisierung weiter entfernt denn je“, stellte Wichern fest.

Ja, es stockt beim Thema Wohnbauentwicklung in Westeresch. Und zwar gewaltig. Dabei hatte der alte Ortsrat sich vor drei Jahren schon dafür ausgesprochen, den zweiten Bauabschnitt am Sandberg, nachdem der erste nach knapp 20 Jahren vollgelaufen war, im Rahmen der dörflichen Eigenentwicklung anzugehen. Während der Flächennutzungsplan für den neu zu erschließenden Teil schon längst eingetütet ist, muss der Bebauungsplan nach aktuellen Gegebenheiten noch genehmigt werden. Und genau das, erläuterte Scheeßels Bürgermeisterin Ulrike Jungemann (CDU), sei der Knackpunkt. „Bekanntlich haben wir gewisse Themen, die uns schon seit Jahren kreisweit ein bisschen entgegenstehen – und das sind die Geruchsbelastungen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung.“

Auf der einen Seite sei man gemeindeseitig natürlich froh darüber, landwirtschaftliche Betriebe in den Ortschaften zu haben, die sich auch entwickeln sollten, betonte die Rathaus-Chefin. Nur komme bei der Ausweisung von Neubaugebieten eben auch die Geruchsemissionsrichtlinie mit ihrer Zehn-Prozent-Vorgabe ins Spiel. „Das heißt, bis zu zehn Prozent der Geruchsbelastung muss jährlich auch ertragen werden.“ Allerdings werde dieser Grenzwert im zweiten Bauabschnitt, in dem später bis zu 16 Grundstücke zum Verkauf angeboten werden sollen, noch übertroffen. Man müsse schauen, was man dagegen machen könne, führte Jungemann weiter aus. Ein Gutachten sei zwar erstellt worden – mit jenen Tierhaltungsanlagen im Ort, die in die Berechnungen mit aufzunehmen seien –, nur sei dieses nicht ganz prüfbar und könne daher in die Genehmigung nicht mit einfließen. „Weil nicht alle Anlagen genannt worden sind, beziehungsweise es auch mal Umwidmungen gab“, so Jungemann.

Mittlerweile seien ein paar Nachprüfungen angestellt worden, gewisse Dinge gelte es noch zu überarbeiten und Unterlagen bei der Gemeinde einzureichen. „Ein zweiter Schritt, den wir jetzt noch nicht näher betrachtet haben, sind die in der Nähe zum Plangebiet befindlichen Winkraftanlagen – das müssen wir auch noch prüfen.“ Daher sei es momentan nicht so einfach, den Abschnitt im B-Plan festzusetzen und ihn auch als Satzung zu genehmigen. „Wir haben noch einen Termin beim Landkreis, wo sich zu dem Thema ausgetauscht werden soll und der uns vielleicht einen Schritt weiter bringt“, kündigte die Bürgermeisterin an.

Wann das Dorf mit einem Erschließungsstart dann rechnen könne, wollte Westereschs Ortsbürgermeister Heiko Cordes wissen. „Das kann ich nicht sagen“, erwiderte Jungemann, „anderthalb bis zwei Jahre wird es noch dauern.“ Den Unmut von Uwe Wichern könne sie verstehen. „Westeresch ist aber nicht der einzige Ort, wo wir diese Probleme haben.“ Nur gebe es optional auch noch die Möglichkeit, innerhalb des Dorfes Baulücken zu schließen – in diesem Fall der sogenannten Nachverdichtung dürfe die Geruchsbelastung tatsächlich auch noch höher ausfallen als in einem Baugebiet. Ihre Empfehlung: „Man darf gerne mal gucken, wo es solche Flächen gibt.“

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