Unser Redakteur testet

Selbstversuch im Bauchtanz: Der mit dem Bauch tanzt

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Premal Anders und unser Redakteur kommen sich beim Tanz näher.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Bis er soweit ist wie Salma Hayek oder Mata Hari, wird er noch lange üben müssen: Unser Redakteur wagte sich bei der Scheeßeler Gruppe Larimar an orientalischen Bauchtanz - ein Selbstversuch.

Es ist ein bisschen wie damals in der Schule, wenn man null Schimmer von dem hatte, was der Lehrer von einem wollte. Gleich nimmt er einen dran, und das bist vielleicht du. Nur dass wir an diesem Abend nicht in einem Klassenzimmer sitzen, sondern im Nötelhaus in Scheeßel. Und der Lehrer ist kein Lehrer im klassischen Sinn, sondern Premal Anders. Gleich wird die Bauchtanztrainerin mich auffordern mitzutanzen. Shakira und die bezaubernde Jeannie lassen grüßen - und ich bin dabei. Ob das gut geht?

Frische 54, eine positive Ausstrahlung - bei Anders fühlt man sich als Hahn im Korb jedenfalls schon mal in guten Händen. Eben noch in ihren Alltagsklamotten, schlüpft sie in einen weiten bodenlangen, schimmernden Rock. Unterhalb der mit Netzstoff bedeckten Bauchpartie bindet sie sich ein pinkfarbenes Dreieckstuch mit Pailletten um die Hüften. Ihr Ausdruck verändert sich innerhalb einer Minute. Jetzt ist sie die dunkelhaarige, strahlende, geheimnisvolle Frau, die mir gleich Orientalischen Tanz näherbringt.

Der letzte Mann habe schon vor sehr langer Zeit bei ihr mittrainiert, sagt die Leiterin der Bauchtanz-Gruppe Larimar. Rund zehn Frauen, die sich an diesem Abend allesamt sehr viel Orient am Körper leisten, machen derzeit mit. Premal Anders ist am Längsten dabei. Vor 21 Jahren hat sie die Gruppe ins Leben gerufen.

Bevor das Training beginnt, muss ich meine Schlappen ausziehen, denn Bauchtanz wird barfuß getanzt. Wichtig ist außerdem das besagte klimpernde Tuch, das mir eine der Damen jetzt um die Hüfte bindet. „Man soll dich ja auch hören.“ Orientalischer Tanz, klärt mich die Trainerin auf, kann eine erotische Note haben, muss aber nicht. „Bei uns geht es um Körperwahrnehmung, schonende Bewegungen und die Freude an beidem“, sagt Anders, die nebenbei auch noch Yoga lehrt. Dabei könne wirklich jeder Bauchtanz machen: dick, dünn oder schwanger. „Alle Muskeln des Körpers werden gelockert und gestärkt. Man bewegt Muskeln, von denen man vorher nicht wusste, dass sie da sind. Oder wie das geht, zum Beispiel die oberen und unteren Bauchmuskeln isoliert voneinander flattern zu lassen.“

Ich bin auf jeden Fall gespannt. Im Kreis stehend, fangen wir aber erst mal mit einer Wahrnehmungsübung an. Wir stehen locker, nehmen unsere Knie wahr. Alles ist ruhig. „Wir bleiben bei unserem Becken stehen. Unsere Organe liegen darin wie in einer Schale.“ Wir atmen ein und aus, spannen einzelne Muskeln an und lassen wieder los. Über Brust, Schulter, Arme, Hände und Kopf geht es zurück zum Bauch, „unserer Mitte“. Warum dieses Durchdeklinieren des Körpers? Das wird nach der Lockerungsübung deutlich. Ob Beine, Becken oder Brust - wer orientalisch tanzt, muss die jeweilige Körperregion isoliert von ihrer Nachbarschaft bewegen.

Als die typische arabische Musik erklingt, machen wir die Übungen nach, die unsere Trainerin vortanzt. Die Schleife, die Acht, die liegende Acht oder einen Kreis - diese Basis-Figuren sollen wir mit unserer Hüfte nachzeichnen. Allen Anwesenden gelingt das auch spielerisch - nur mir nicht. „Da muss doch irgendwo eine Hüfte sein!“, hofft Anders. Ich rufe Tanzschul-Basics ab, verstaubte zwar, aber vorhanden. Dennoch erkenne ich schnell, dass mir schon die Grundfiguren nicht gelingen wollen. Das sei völlig normal, beschwichtigt die Trainerin. Ein Jahr brauche der Körper, um sich auf den Bauchtanz einzustellen. „Das sind ja Bewegungen, die man normalerweise nicht macht. Also muss das Gehirn erst einmal die Nervenbahnen anlegen, um die Bewegungen zu kontrollieren.“

Dann kommt der Moment, in dem mir endgültig klar wird, warum Bauchtanz keine Männerdomäne ist. „Wir stellen uns unsere Brust wie eine alte Schreibmaschine vor“, sagt Anders. Also nicht die Tasten, sondern die Walze mit dem Papier: Wie es am Zeilenende „Ping“ macht und die Walze zurücksaust. Ruckartig. Waagerecht. So sollen wir unsere Brust bewegen. Ich schaue lieber zu. Und jetzt der „Shimmy“: das rhythmische Zittern der Hüften. Aufrecht und locker stehen, die Hüften hin- und herschütteln und das Bauchtanz-Tuch klimpern lassen. Meines klirrt verräterisch leise.

Selbstversuch im Bauchtanz: Der mit dem Bauch tanzt

Selbstversuch im Bauchtanz, Scheeßel
Unser Redakteur wagt sich an den Bauchtanz. © Mediengruppe Kreiszeitung/H. Goldstein
Selbstversuch im Bauchtanz, Scheeßel
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Selbstversuch im Bauchtanz, Scheeßel
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Selbstversuch im Bauchtanz, Scheeßel
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Unser Redakteur wagt sich an den Bauchtanz. © Mediengruppe Kreiszeitung/H. Gol dstein
Selbstversuch im Bauchtanz, Scheeßel
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Unser Redakteur wagt sich an den Bauchtanz. © Mediengruppe Kreiszeitung/H. Goldstein

Es folgen Lektionen, bei denen die Mädels mir davontanzen. Längst bin ich kräftig ins Schwitzen gekommen, meine nackten Füße treten blind über das Parkett, während die Frauen elegant darüber hinwegschweben. Nach 90 Minuten höre ich mit dem Training auf. Die Tänzerinnen wollen nochmal gefordert werden und bewegen sich elegant zur Musik weiter.

Für mich wird es wohl bei einem Kurzausflug in den Orient bleiben. Aber: Falls ich die Gruppe bei einem ihrer Auftritte mal erwischen sollte, dann, ja dann werde ich mich vor den Bauchtänzerinnen verneigen.

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