Autor und Journalist Matthias Kneip referiert vor Schülern über Polen

Sittengulasch aus Polnisch, Bayrisch und Oberschlesisch

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Wie funktioniert Händeschütteln auf polnisch? Referent Matthias Kneip spielte es mit den Schülern durch.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Wenn im Mai 24 Viertklässler der Grundschule Scheeßel zu Besuch bei ihren Gastgebern im polnischen Zielona Gora sind, dann wissen sie mehr über die Gepflogenheiten im Land ihrer Gastgeber als so mancher Erwachsene. Zu verdanken haben sie das dem Journalisten Matthias Kneip, der die Kinder zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Schüleraustauschs mit der dortigen Schule in punkto interkultureller Kompetenz fit machte.

Der Regensburger, Sohn oberschlesischer Eltern, die nach dem zweiten Weltkrieg polonisiert wurden, machte anhand vieler konkreter Beispiele auch aus der eigenen Vita klar, welche kulturellen Unterschiede zum Nachbarland bestehen. So sei der einzige Satz, den sein Bruder auf Polnisch beherrsche, nicht ohne Grund „Danke, ich bin satt“, äußere sich die Gastfreundschaft der Polen doch oft im gemeinsamen Essen. „Wer dann nicht weiß, dass ein leergegessener Teller das Signal zum Nachfüllen ist, ist geliefert“, so Kneip.

In seinem ebenso unterhaltsamen wie kenntnisreichen Vortrag bezog er die Schüler immer wieder praktisch ein, ließ sie das Händeschütteln auf Polnisch üben („Über die Türschwelle bringt Unglück – sogar der Briefträger wird herein gebeten“) und gab Tipps für kleine Gastgeschenke, die in diesem Land eine große Rolle spielen. So sei es nicht ungewöhnlich, meinte der Autor aus eigener Erfahrung, dass das beim Gastgeber gelobte Bild, eben noch an der Wand, beim Abschied als Präsent überreicht werde. „Ein paar Familienfotos oder Kleinigkeiten für alle dabei zu haben, kann nicht schaden!“, riet er für den anstehenden Besuch.

In den aus seinen literarischen Werken gelesenen Passagen erklärte er nicht nur, was es mit dem Brauch des Oblatenbrechens auf sich hat – auch das mit praktischer Übung in der Aula –, sondern auch, warum man am Ostermontag Gefahr läuft, nass gespritzt zu werden.

Das im eigenen von beiden Kulturen geprägte „Sittengulasch“ der eigenen Jugend aus polnischen, deutschen, bayrischen und oberschlesischen Gebräuchen, es machte den Kindern sichtlich Spaß – das zeigten auch deren rege Beteiligung und Nachfragen. Sie sogen erste altersgerechte Exkurse in die Sprache ebenso begierig auf wie die Übersetzung des bekanntesten polnischen Kindergedichts. Und wenn den Neun- bis Zehnjährigen in Zielona Gora ein Weingott mit Schere oder ein Denkmal über einen Zungenbrecher begegnet, dann wissen die Schüler nach eineinhalb ebenso informativen wie unterhaltsamen Stunden, warum.

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