Aus für Grill-Spieß und Co.?

Scheeßeler Restaurant „Gaucho Rodizio“ bangt um seinen Spezialitätenkoch

Um den Fortbestand des „Gaucho Rodizio“ bangen Jaime Wink (r.) und seine Partnerin Melanie Kröger sowie die Mitarbeiter.  
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Um den Fortbestand des „Gaucho Rodizio“ bangen Jaime Wink (r.) und seine Partnerin Melanie Kröger sowie die Mitarbeiter.
  • Ulla Heyne
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Scheeßel – Lange Spieße vom Holzkohlegrill, von denen nach alter brasilianischer Tradition direkt am Tisch das Fleisch geschabt wird, zusammen mit einem kurzen Gespräch oder Scherz mit den Gästen: Diesen Traum hat Jaime Wink vier Jahre lang im Scheeßeler „Gaucho Rodizio“ gelebt. Seit der Wiedereröffnung nach der corona-bedingten Schließung ist vieles in der alten Mühle im Herzen des Beekeortes anders – und das nicht nur, weil die Sicherheitsvorkehrungen einen guten Teil der Event-Gastronomie nicht mehr zulassen. Der Gastronom hat noch ein anderes Problem: Sein Koch darf nicht mehr arbeiten.

Schon die Einstellung des Brasilianers, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, verlief vor vier Jahren nicht ganz reibungslos: Zunächst musste Wink nachweisen, dass es auf dem heimischen Arbeitsmarkt keine adäquate Besetzung gab, die die Geheimnisse der „Gaucho Rodizio“-Tradition der Fleischzubereitung beherrschte. Dann wurde das Zeugnis des Kochs, der seinen Beruf in der latein-amerikanischen Heimat sogar studiert hatte, falsch übersetzt – aus – „tecnica“ für Fachkraft wurde ein technischer Mitarbeiter – und der Antrag auf Arbeitserlaubnis zunächst abgelehnt.

Seitdem hatte sich die „Säule des Restaurants, um die wir unser Konzept gebaut haben“, wie Wink erklärt, gut integriert: Deutsch gelernt, hier den Führerschein erworben, Steuern und Sozialabgaben gezahlt. Zeitig vor Ablauf der auf vier Jahre befristeten Arbeitserlaubnis im Mai nahm der Spezialitäten-Koch bereits im Januar mit der Ausländerbehörde Kontakt auf, da er im April auf Heimaturlaub fliegen wollte und eine Wiedereinreise mit nur 20 Tagen Visumsrestlaufzeit ihm gewagt erschien. Er wurde beruhigt: Er sei zu früh dran – „das reicht vier Wochen vorher.“ Als er durch den Lockdown nicht reisen konnte, wurde er im März erneut vorstellig. Da bekam er eine verstörende Nachricht: Die Arbeitserlaubnis sei nicht verlängerbar, eine Weiterbeschäftigung im Scheeßeler Gourmettempel für Fleisch-Genüsse sei erst nach Ablauf weiterer drei Jahre möglich.

Nicht nur für den Koch selbst, auch für Wink und seine Lebenspartnerin Melanie Kröger, die sich seit eineinhalb Jahren um das Management kümmert, brach eine Welt zusammen. „Wir haben alle Unterlagen immer wieder durchgesehen und konnten keine Stelle finden, aus der die Befristung der Erlaubnis auf vier Jahre und Ausschluss der Verlängerung hervorgehen“, so Kröger. Ihre E-Mails mit der Bitte um Zusendung von Kopien des relevanten Passus seien unbeantwortet geblieben. Neben dem Inhalt der Nachricht selbst ist es auch diese scheinbare Gleichgültigkeit, die Wink fassungslos macht: „Es wirkt fast so, als sei das Sterben eines Restaurants, noch dazu in diesen Zeiten, und an dem weitere fünf Arbeitsplätze hängen, den Behörden egal.“

Der Landkreis verweist in einer schriftlichen Stellungnahme auf die Gesetzeslage: „In der einschlägigen Vorschrift ist eine gesetzliche Maximaldauer zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis als Spezialitätenkoch bestimmt. Ein gesetzlicher Ausnahmetatbestand existiert nicht. Der Landkreis ist an die bundesrechtlichen Vorschriften gebunden.“ Zum Vorwurf mangelnder Information heißt es: Dem Antragsteller „musste auch bekannt sein, dass ihm lediglich ein vorübergehender Aufenthalt als Spezialitätenkoch im Bundesgebiet erlaubt ist. Visumantragsteller werden bereits durch die Dienststellen des Auswärtigen Amtes darüber aufgeklärt und auch bei Beantragung des Aufenthaltstitels wird in der Regel ausdrücklich auf diesen Umstand hingewiesen.“

Die Nichtbeantwortung der E-Mails von Wink begründet der Landkreis wie folgt: „Weiterführende Auskünfte gegenüber dem Arbeitgeber mussten aus datenschutzrechtlichen Gründen verweigert werden. Eine Vollmacht, die weitere und individuelle Auskünfte ermöglicht hätte, wurde bisher nicht vorgelegt.“

Wink hätte sich jedenfalls eine Beratung gewünscht: „Es ist doch für alles eine Lösung zu finden.“ Erst, nachdem er selbst für seinen Mitarbeiter bei der Ausländerbehörde vorstellig wurde, erfuhr er von der Möglichkeit, die Arbeitsbefähigung des Kochs hier anerkennen zu lassen: Das Gleichstellungsverfahren der IHK dauert jedoch drei Monate – möglicherweise zu lang, um das Überleben des Betriebs zu sichern, obwohl Wink seit März tagsüber in seinem alten Beruf bei einem Tiefbauunternehmen arbeitet, bevor er abends im „Gaucho“ den Laden aufschließt. Momentan bekommt er Hilfe von einem vor Jahren angelernten Koch, der eigentlich nur bei Notfällen einspringt – „doch der ist längst im Rentenalter, eine Dauerlösung ist das nicht!“, weiß Wink.

So hängt die Existenz eines gesamten Betriebs für Wink von dieser einen Personalentscheidung ab. Nicht nur für sich, sondern auch die fünf Mitarbeiter, die er sonst entlassen müsste. Wie lange das „Gaucho Rodizio“ noch über Wasser halten kann in Zeiten, wo die finanzielle Decke durch die Schließung aufgebraucht ist und die Vorsicht der Gäste nicht gerade für ein volles Haus sorgt? „Maximal einen Monat“, so der Restaurantchef.

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