„Aufspringen auf den Blaudruckzug“

Neuer Museumsleiter Nils Meyer hat große Pläne für Scheeßel

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Für den neuen Museumsdirektor Nils Meyer war Scheeßel und der Meyerhof zu Anfang Neuland. Inzwischen hat er sich jeden Keller, jeden Dachboden angesehen und ist begeistert. Viel Potenzial für florierenden Tourismus sieht Meyer durch die internationale Blaudruck-Anerkennung als immaterielles Weltkulturerbe. 

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Anlässlich der Grundsteinlegung zum neuen Empfangs- und Bürogebäude des Scheeßeler Heimatvereins auf dem Meyerhofgelände stellte sich der Mann vor, der den Beekeort verstärkt in den Mittelpunkt des touristischen Interesses rücken will. Im Interview verriet uns Nils Meyer, wie.

Herr Meyer, was sollte man über Sie wissen?

Nils Meyer: Ich bin 44 Jahre alt, bin in Brake aufgewachsen und habe in Hamburg prähistorische Archäologie studiert und wohne mit meiner Frau und unserem zweieinhalbjährigen Sohn noch in Nordenham.

Was prädestiniert Sie für die Arbeit als Museumsleiter auf dem Meyerhof – abgesehen von Ihrem Namen?

Meyer: Schon früh im Studium bei diversen Praktika hatte ich gemerkt, dass meine Leidenschaft für das Museumsmanagement schlägt. Darum habe ich an der Uni Hamburg den Aufbaustudiengang „Museumsmanagement“ absolviert, an dessen Initiierung 1996 das Freilichtmuseum am Kiekeberg federführend war. Danach habe ich zehn Jahre bis Anfang 2017 ein Mühlenmuseum in Nordenham geleitet. Öffentlichkeitsarbeit, Projektentwicklung, Museumspädagogik: Das gehörte alles zur „One-Man-Show“ dazu.

Was reizt Sie an der Aufgabe in Scheeßel?

Meyer: Ich muss gleich vorwegsagen: Ich kannte Scheeßel und den Meyerhof vorher nicht. Inzwischen habe ich mir jeden Keller, jeden Dachboden angesehen und bin begeistert: von der wunderschönen Anlage, vom Flair, aber auch von den vielen praktischen Aktivitäten. Beim Kunsthandwerkermarkt habe ich mir den Blaudruck zeigen lassen – das wird ganz groß!

Inwiefern?

Meyer: Die internationale Blaudruck-Anerkennung als immaterielles Weltkulturerbe wird uns wahnsinnig fordern, aber auch viel bringen. Sie birgt unglaublich viel Potenzial.

Trotz gewachsener Strukturen markiert der Bau des Infohauses eine Art Startpunkt – wie wollen Sie Ihren Stempel oder in diesem Fall Ihr„Model“ aufdrücken?

Meyer: Das ergibt sich daraus, was hier schon so lange gepflegt wird. Hier arbeitet ein wunderbares Team. Diese Aktivitäten müssen nur noch gebündelt und beworben werden. Auf jeden Fall wollen wir eine Dauerausstellung zum Blaudruck, falls möglich, ab 2019. Mit 1 200 Modeln handelt es sich um eine der größten Sammlungen mindestens in Norddeutschland. Eine eher interne Aufgabe „hinter den Kulissen“ wird sein, sie weiter zu inventarisieren, zu digitalisieren und Duplikate anzulegen.

Was soll das Infogebäude konkret mit sich bringen?

Meyer: Erweiterte Öffnungszeiten, ein Museumsshop, ein klassischer Tresen mit Kasse – und Mitarbeiter, die den Gästen für Fragen zur Verfügung stehen. Wie das personell umzusetzen ist, muss geklärt werden. Und noch mehr museumspädagogische Arbeit: Eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen, um die Programme auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Das soll auch viel praktische Arbeit enthalten. Das Infogebäude ist aber nur ein Baustein.

Wie könnte man den Meyerhof denn über die Landkreisgrenzen hinweg bekannt machen?

Meyer: Man muss groß denken: eigene Flyer, ein Imagefilm, internationale Presse, Werbung in den Metronom-Zügen. Denkbar ist vieles. Ein Bericht im Heute-Journal, ähnlich wie unlängst über den ebenfalls anerkannten Orgelbau, würde ziehen. Der Blaudruck-Zug ist am Anrollen – wenn es losgeht, müssen wir drin sitzen.

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