Nach einem Reitunfall

Scheeßelerin Franziska Pusch: Aufgeben ist einfach nicht ihr Ding

Franziska Pusch mit einem Bild in den Händen, das sie als Springreiterin zeigt. Nach ihrem schweren Unfall hat sie sich schon wieder auf ein Pferd gesetzt. - Foto: Warnecke
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Franziska Pusch mit einem Bild in den Händen, das sie als Springreiterin zeigt. Nach ihrem schweren Unfall hat sie sich schon wieder auf ein Pferd gesetzt.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Franziska Pusch ist eine aufgeweckte, eine lebenslustige junge Frau. Ihr Lachen steckt an. Gerade erst hat die 27-Jährige ihre Ausbildung begonnen. Immobilienkauffrau will sie werden. Dafür wohnt sie zeitweise in Hamburg.

Dass die Scheeßelerin heute mit beiden Beinen fest im Leben steht, ist alles andere als selbstverständlich. Bei einem Reitunfall verletzte sie sich schwer. Eine Querschnittslähmung drohte. Doch Pusch, willensstark wie sie nun einmal ist, kämpfte sich zurück zu alter Form – und das innerhalb nur weniger Wochen. Eine Geschichte, die beispiellos ist. Und die Mut macht.

Eigentlich hätte sie nach Barcelona reisen sollen, im Juli dieses Jahres. Die beste Freundin heiratete, Pusch war als Trauzeugin eingeladen. Doch daraus wurde nichts. Zu frisch waren noch die Operationen, die sie über sich ergehen lassen musste. Die Ärzte rieten von einem Flug ab. „Am Ende hat Jana ganz auf standesamtlichen Beistand verzichtet“, sagt die Scheeßelerin. „Aus Solidarität.“ Beste Freundinnen halten eben zusammen – auch in schweren Zeiten.

Und schwere Wochen hat die junge Frau in der Tat hinter sich, seit diesem schicksalhaften Tag, dem 23. April, einem Montag, an dem sich ihr Leben von jetzt auf gleich auf den Kopf stellen sollte. Franziska Pusch ist eine gute Reiterin. Bis zu dem Unfall mischt sie im Reitsport viel mit, nimmt regelmäßig an Spring- und Dressurturnieren teil. An jenem Tag ist sie in einer Reithalle in Verden. 

Oft schon hat sie Pferde freizeitmäßig geritten, so auch heute. „Ich bin auf das Pferd rauf, doch dann ist das junge Tier auf einmal abgegangen“, erinnert sich die 27-Jährige. Ehe sie sich versehen kann, wird sie mit voller Wucht gegen eine Bande geschleudert. Ihre Rippen brechen mehrfach. 

„Dass sie nicht meine Lunge durchbohrt haben, grenzt an ein Wunder – da hatte ich wohl gleich mehr als nur einen Schutzengel.“ Sie erleidet einige Brustwirbelfrakturen sowie eine starke Lungenprellung. Ihr Kopf bleibt glücklichweise unverletzt, auch, weil sie eine Kappe trägt. „Dafür habe ich mir aber noch den vierten Lendenwirbel gebrochen – gleich zweifach, und das war wirklich die schlimmste Verletzung“, sagt sie.

„Ich dachte, dass es das mit mir gewesen sei“

Die Verunfallte bleibt bei vollem Bewusstsein. „Im ersten Moment habe ich noch gedacht, dass es das jetzt mit mir gewesen sei, da ich keine Luft mehr bekommen konnte.“ Durch den Aufprall war Blut in ihre Lunge gelangt. Die Eltern werden informiert. Mit dem Rettungshubschrauber wird sie ins Klinikum Bremen-Mitte geflogen.

Erst vier Tage später, nachdem die Schwellungen abgeklungen waren, kann Pusch operativ behandelt werden. „Bis dahin habe ich wegen dem Wirbelbruch stramm liegen müssen“, blickt sie zurück. Sie sieht der OP mit gemischten Gefühlen entgegen. „Die Ärzte gaben mir zu verstehen, dass ich nach dem Eingriff am Lendenwirbel auch querschnittsgelähmt sein könnte, meine Angst, nicht mehr gehen zu können, war groß.“ Doch die OP gelingt. Im Rückenbereich werden ihr zwei Eisenstäbe implantiert. „Spätestens in zwei Jahren, wenn alles ausgeheilt ist, kommen die wieder raus.“

Nur wenige Tage später steht sie schon wieder auf den Beinen, kann zwei bis drei Schritte freihändig gehen. „Zwar unter Schmerzen, aber ich hatte den Willen, so schnell wie möglich wieder gesund zu werden.“ Tatsächlich macht Pusch Fortschritte – schneller, als jeder ihrer Ärzte es vermutet hätte. „Die waren schon alle ziemlich baff“, sagt sie. Zwei Wochen später, nach Tagen zwischen Verzweiflung und heiteren Momenten, kann sie das Krankenhaus schon wieder verlassen.

Täglich übt sie

In der ersten Zeit ist ihr Weggefährte ein spezieller Rollator. Täglich übt sie daheim in Scheeßel mit dem Gerät das Gehen. Nach einer dreiwöchigen Reha in Bad Pyrmont ist sie fast wieder die Alte. Ihr Gang beim Pressegespräch wirkt sicher, „nur bin ich wegen der Stäbe gerade vielleicht nicht mehr ganz so gelenkig wie früher“. Wenigsten, fügt sie schmunzelnd hinzu, müssten die Eltern ihr aber nicht mehr beim Anziehen helfen.

Inzwischen führt Franziska Pusch wieder ein relativ unbeschwertes Leben. Nach dem Unfall hat sie sich eine Hündin zugelegt, „Ronja“, ein Bernersennen-Bordercollie-Mix. Am 2. August, gleich nach der Reha, hat sie ihre Ausbildung aufgenommen. Wenn sie nicht in Scheeßel ist, lebt sie in Hamburg in einer Wohngemeinschaft. Und sie hat sich auch schon wieder auf ein Pferd gesetzt, „was wirklich gutgetan hat für meine Seele“.

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