Auf klimafreundlichem Kurs

„Smart Ort“ Sothel feilt weiter an zukunftsweisenden Öko-Ideen

Schritt für Schritt zu mehr Klimaschutz: Landkreismitarbeiterin Ulrike Jungemann und Sothels Ortsvorsteher Günter Bassen sind zwei von mehreren Köpfen, die hinter dem Sotheler Quartierskonzept stecken.
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Schritt für Schritt zu mehr Klimaschutz: Landkreismitarbeiterin Ulrike Jungemann und Sothels Ortsvorsteher Günter Bassen sind zwei von mehreren Köpfen, die hinter dem Sotheler Quartierskonzept stecken.

Sothel – Den Klimaschutz anpacken, mit ganz konkreten Maßnahmen und zukunftsweisenden Ideen, auch wenn die sich womöglich heute noch gar nicht wirtschaftlich darstellen lassen – dieses Vorhaben haben sich die Sotheler seit gut einem Jahr auf die Fahnen geschrieben. „Und wirklich jeder im Dorf, vom Landwirt bis zum Akademiker, zieht engagiert mit“, freut sich Ortsvorsteher Günter Bassen über die Resonanz auf das vom Landkreis ins Leben gerufene Pilotprojekt.

Das trägt den Namen „Energetisches Quartierskonzept“ und weist Sothel ganz offiziell als sogenannten „Smart Ort“ aus. Will heißen: Neben dem Stromsektor werden im Dorf flächendeckend vor allem die Wärmeversorgung, die Sanierungsmöglichkeiten des Gebäudebestandes sowie Perspektiven der zukunftsfähigen Mobilität hinsichtlich klimaschonender Alternativen auf Herz und Nieren geprüft. Übergestülpt worden sei das Programm dabei niemandem, beteuert Bassen. „Das wäre der ganzen Sache auch nicht zweckdienlich.“

Obwohl Corona der geplanten Bürgerbeteiligung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht habe, wie Projektbetreuerin Ulrike Jungemann von der Kreisverwaltung berichtet – Haustürgespräche hätten durch Fragebögen ersetzt werden müssen oder fanden online statt: das Interesse unter den 190 Einwohner, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sei die ganzen 13 Monate über nicht abgeebbt.

So lange liegt die Auftaktveranstaltung, die seinerzeit noch in Präsenz stattfinden konnte, nun zurück. Rund 80 Interessierte hatten sich seinerzeit in der Dorfgaststätte eingefunden, um sich das Förderprojekt der KfW-Bank und dessen Ziele vorstellen zu lassen. Wie Sothel zu dieser Ehre gekommen ist? Jungemann klärt auf: „Im Sommer 2019 hatte der Landkreis einen Aufruf gestartet und abgefragt, welche Orte unter 400 Einwohner sich vorstellen könnten, sich mit den aktuellen Gegebenheiten energetisch autark darzustellen, was die Wärme- und Stromversorgung betrifft – beziehungsweise, wenn die das noch nicht können, was man machen müsste.“ Vier Dörfer hätten sich daraufhin beworben, neben Sothel seien das Ippensen, Clüversborstel und Plönjeshausen gewesen. „Voraussetzung war es aber, dass sich die Bevölkerung vor Ort schon Gedanken darüber gemacht hat über vorhandene Potenziale und auch mit der ein oder anderen Idee aufwarten konnte“, so die Scheeßelerin, die mit Unterstützung der CDU bei der Kommunalwahl im September für das Bürgermeisteramt in der Gemeinde kandidiert. Da es nur einen „Smart Ort“ geben konnte, habe am Ende Sothel den Zuschlag bekommen – „das Dorf hatte sich mit einem Erhebungsbogen beworben, der wirklich schon sehr gut ausgearbeitet war“, erinnert sich Jungemann.

Wenn wir sehen, dass sich eine klimaschonende Maßnahme nicht oder noch nicht umsetzen lässt, dann ist das auch eine Erkenntnis.

Sothels Ortsvorsteher Günter Bassen

Nachdem ein für die Konzepterstellung zuständiges Fachbüro gefunden worden war, sich zudem im Ort eine Steuerungsgruppe mit vorwiegend jungen Einwohnern gebildet hatte, was Bassen besonderes erfreut, ging es im Anschluss an die gut besuchte Startschussversammlung auch schon gleich mit einer ersten Bestandsanalyse los. „Gemeinsam mit den beiden Büromitarbeitern sind wir mit Lageplan und Fotokamera durch den ganzen Ort gelaufen, um die Häuser, deren Baujahr und die Bewohnerzahl aufzunehmen“, so Jungemann. Dabei, ergänzt der Ortsvorsteher, habe man ganz nebenbei und zur Überraschung aller Beteiligten festgestellt, dass jedem Haushalt im Durchschnitt 170 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stünden – bei 2,7 Bewohnern. „Das ist von der Fläche her schon enorm“, findet er.

Auch Fragebögen, berichten die beiden, hätten per Postwurf im Dorf die Runde gemacht, woraufhin zahlreiche Haushalte eine energetische Beratung angefordert hätten. „Die hat als wichtiger Punkt im ganzen Prozess auch vielerorts schon stattgefunden und es wurde mit kleinen Maßnahmen wie Fassaden- und Fenstersanierungen tatsächlich bereits reagiert – einige Sotheler warten wegen der Kontaktbeschränkungen aber noch immer auf Einzelgespräche.“

Die, verspricht die Landkreismitarbeiterin, sollen aber ganz sicher noch geführt werden. „Im September hatte es sogar noch eine weitere Präsenzveranstaltung mit zwei Workshops in Kleingruppen gegeben – seitdem konnte eine umfangreiche Bürgerbeteiligung leider aber nicht mehr im gewünschten Umfang stattfinden“, bedauert sie. Immerhin würden die Einwohner zu sämtlichen wichtigen Informationen den aktuellen Stand betreffend fortwährend via Newsletter auf dem Laufenden gehalten. „Wir hoffen nun, dass es im Spätsommer eine Abschlussveranstaltung in Präsenz geben kann, bei der die Möglichkeit besteht, sich darüber auszutauschen, wie alles gelaufen ist.“ Oder wie auch etwas nicht gelaufen ist.

Für Günter Bassen sind solche Feststellungen aber kein Beinbruch. „Wenn wir sehen, dass sich eine klimaschonende Maßnahme nicht oder noch nicht umsetzen lässt, man denke zum Beispiel an Wasserstoffenergie, dann ist das auch eine Erkenntnis.“ Immerhin wisse man so, was für das Dorf geht und was nicht. „Das Projekt war ja auch immer ergebnisoffen.“

Ein durchaus machbarer Punkt, der für Sothel aus den Erhebungen resultiert: Derzeit wird im Dorf geprüft, ob die Häuser über ein Wärmenetz an eine der beiden ortsansässigen Biogasanlagen angeschlossen werden können. „Die Wärme, die bei der Stromproduktion entsteht, könnte somit sinnvoll eingesetzt werden“, weiß Jungemann, die im Landkreis selbst für den Bereich Bioenergie zuständig ist und seit mehr als zehn Jahren solche Projekte begleitet. Mittlerweile würden einige Einwohner, bei denen sich gezeigt habe, dass sie ihre Heizung sanieren müssen, darauf warten, ob es zu einem derartigen Versorgungsnetz kommt.

Die Verwaltungsfrau, die in Scheeßel Bürgermeisterin werden möchte, und der Ortsvorsteher sind sich einig: Gerade unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzpaketes des Bundes passt das Projekt „Smart Ort“ wunderbar in die Zeit.

„In Sothel gibt es jedenfalls viele Möglichkeiten, mit den eigenen Potenzialen die Klimaziele, die sich Deutschland bis zum Jahr 2050 gesteckt hat, zu erreichen“, findet Jungemann.

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