Bürgermeisterkandidatin auf der Zielgeraden

Auf der Bank mit Ulrike Jungemann

Ulrike Jungemann an ihrem Lieblingsort: die Vareler Heide. Hierher komme sie oft, um die Natur zu genießen, sagt sie.
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Ulrike Jungemann an ihrem Lieblingsort: die Vareler Heide. Hierher komme sie oft, um die Natur zu genießen, sagt sie.

Scheeßel – Wenn Ulrike Jungemann sich mal so richtig entspannen will, dann schnappt sie sich ihr Fahrrad oder macht sich zu Fuß auf den Weg in die Vareler Heide – für oft ausgedehnte Spaziergänge. Scheeßels Bürgermeisterkandidatin genießt die Landschaft, die Stille, durchbrochen nur von den Geräuschen der Natur. „Da kriegt man den Kopf frei“, sagt die 49-Jährige.

Manchmal begleiten sie Mitglieder ihrer mit sechs Geschwistern und 16 Nichten und Neffen nicht gerade kleinen Familie – wenn aus Nordrhein-Westfalen, wo Jungemann geboren und aufgewachsen ist, mal wieder jemand von ihr zu Besuch in ihrer Wahlheimat Scheeßel ist. Dann freut Jungemann sich. Sie sei eben ein absoluter Familienmensch, betont sie. Und dann ist da auch noch ihre Mutter. 87 ist die gerade geworden – ausgerechnet am Tag, an dem der SV Rot-Weiß Scheeßel auf dem Meyerhof seine Ausstellung eröffnet hat. „Natürlich wäre ich gerne hingegangen, zum Kennenlernen weiterer Leute, zum Netzwerken – nur wäre meine Mutter dann ziemlich enttäuscht gewesen.“

Solche „Ausrutscher“ bleiben zur Zeit aber eher die Ausnahme. Seit Wochen schon besucht Jungemann Firmen und Vereine, kommt mit den Bürgern der Einheitsgemeinde, in der sie mit Unterstützung der CDU neue Bürgermeisterin werden möchte, ins Gespräch – auf ihre gewohnt charmant-lockere Art. „Ich schätze den Schnack in kleiner Runde, in der man offenener und vertrauter miteinander reden kann“, sagt sie.

Nun ist Rike Jungemann quasi auf der Zielgeraden ihres Wahlkampfes angelangt. Ein Wahlkampf, der eigentlich gar keiner ist. Am 12. September wird sie ins hohe Amt gewählt – so oder so. Einen Mitbewerber, das ist seit der Tagung des Gemeindewahlausschusses seit rund zwei Wochen offiziell bekannt, gibt es nicht. Ihre Gesprächsrunden will sie trotzdem fortsetzen. Wie geplant. „Ich möchte natürlich schon, dass die Leute mich kennenlernen und nicht denken, sie ruhe sich aus, weil sie ja die einzige Kandidatin sei.“ Auch Wahlplakate mit ihrem Konterfei finden in diesen Tagen Einzug im Straßenbild – nicht viele, aber ein paar.

Was ist ihr durch den Kopf gegangen, als sie erfuhr, dass es nur auf ihre Kandidatur hinausläuft? Wie hat sie es erfahren? „100 Prozent sicher war ich mir nie, aber irgendwie war es für mich schon auch eine abschließende Erleichterung, dass da keiner mehr ist“, sagt sie ganz offen. „Natürlich wäre es für den Bürger aber auch ganz schön gewesen, wenn er die Wahl gehabt hätte – denn jetzt sieht der Wahlzettel so aus: ,Ulrike Jungemann: Ja oder Nein‘“. Am Abend der Verkündigung selbst sei sie gar nicht im Rathaus zugegen gewesen – die Arbeit beim Landkreis in der Stabsstelle Kreisentwicklung, wo sie nun bald nach 21 Jahren als Regionalplanerin die Segel streichen wird, habe gerufen.´„Am nächsten Morgen habe ich Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, die Wahlleiterin, angerufen und mir das Ergebnis mitteilen lassen“, sagt sie. „Jetzt ist es ein spannendes Gefühl – eigentlich kann ja auch nichts mehr kommen, es sei denn, ich werde morgen vom Bus überfahren.“

Ein Abstecher zum Heide-Schafstall gehört für die Bürgermeisterkandidatin immer dazu.

Während des Pressegesprächs auf der Holzbank, nur unweit vom Heide-Schafstall entfernt, erzählt Jungemann auch davon, wie früh sie schon von der Scheeßel-CDU gefragt worden sei, als Bewerberin anzutreten. „Ich musste quasi zwei Jahre lang Stillschweigen bewahren – dabei fragten mich in dieser Zeit auch andere Gemeinden immer schon, ob ich es mir nicht vorstellen könne, dort Bürgermeisterin zu werden.“ Es passe einfach nicht in ihre Lebensplanung, habe sie daraufhin erwidert – notgedrungen. Denn zu ihrem Wort, betont Jungemann, habe sie defintiv stehen wollen. Scheeßel habe ihr, die das Kreisgebiet schon von Berufswegen her sehr gut kennt, einfach richtig gut gefallen. – auch von der Größe her. „Ich war jedenfalls begeistert, als ich damals von meiner Partei das Angebot bekam.“

Einen Blick ins neue Rathaus, den habe sie auch schon geworfen – als eine von vielen Besuchern beim Abend der offenen Tür Anfang Juli. Wie ihr das Chefinnen-Büro, das sie ab November als Nachfolgerin von Dittmer-Scheele beziehen wird, gefällt? „Ich dachte nur, was für eine coole Aussicht auf den Kernort!“ Bei der Sichtung des picobello aufgeräumten Schreibtisches der Noch-Amtsinhaberin sei ihr indes etwas mulmig geworden. „Mein erster Gedanke war: Hoffentlich, wenn du es wirst, kriegst du das auch so hin.“

Dass sie es hinbekommen wird, eine Kommunalverwaltung zu leiten, davon sei sie natürlich überzeugt. Immerhin habe sie sich immer gerne in neue Aufgaben eingearbeitet. „Wobei man ja immer ein bisschen kritischer mit sich selbst ist – Frauen sowieso“, schmunzelt die 49-Jährige, die sich nun schon sehr auf das ihr weitestgehend noch unbekannte Team im Rathaus freut.

Zuvor gilt es aber noch eine Bürgermeisterwahl zu gewinnen – mit dem alleinigen Fokus darauf, wie hoch die Beteiligung wohl ausfallen wird. „Ich denke, sie wird schon ziemlich hoch sein, schließlich finden an dem Tag ja auch noch andere Wahlen statt.“

Wie sie die Stunden vor der Stimmenauszählung verbringen wird? Jungemann muss nicht lange überlegen: „Ich möchte die Zeit einfach genießen – ein Teil meiner Familie wird auch wieder nach Scheeßel kommen.“ Und selbstverständlich soll auch ein ausgedehnter Spaziergang durch die Vareler Heide, ihrem Lieblingsort in der Gemeinde, ganz bestimmt wieder mit drin sein.

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