Wenn das Hurricane über die Bühne geht, sind Clara Post (87) und Gerda Bretzke (86) im Herzen dabei

Auch Senioren feiern mit – aus sicherer Entfernung

Die 87-Jährige Clara Post (l., mit Pflegedienstleiterin Sarah Pflug) hat ein Herz für die Festivalgänger. - Foto: Warnecke

Scheeßel/Ostervesede - Von Lars Warnecke. Für Clara Post ist es immer wieder ein echtes Erlebnis: Mit einer Tasse Kaffee in der Hand und dem Rollator in sicherer Reichweite hat es sich die 87-jährige Bewohnerin der Scheeßeler Seniorenresidenz „Haus im Garten“ vor der Tür unter einem Vordach gemütlich gemacht. Von ihrem „Logenplatz“ aus hat die rüstige Rentnerin freie Sicht auf das Geschehen.

Und es gibt viel zu sehen an diesem Hurricane-Samstag. Denn keine 20 Meter weiter, am Bahnhof, stehen schon wieder die ersten Festivalbesucher, die vor dem Schietwetter kapitulieren und die Rückreise antreten – im strömenden Regen. „Ist denn schon heute wieder Abreisewelle?“, fragt die gebürtige Fintelerin. „Nein, Clara, denen steht nur das Wasser bis zum Hals“, klärt Pflegediensleiterin Sarah Pflug auf.

Jahr für Jahr um diese Zeit herrscht auch in dem Seniorenheim im Beeke-Ort Ausnahmezustand. „Für unsere Bewohner ist das wie Kino, wenn die jungen Leute direkt vor ihrer Nase mit Sack und Pack vorbeispazieren“, erzählt Pflug. Wenngleich früher, als es den Pennymarkt noch im Ort gab – mehr los gewesen sei – „für uns ist das nach wie vor ein kollektiver Spaß“.

Zumindest dann, wenn man nicht selbst im Getümmel steckt, wirft Clara Post ein. „Klar, wenn ich heute noch 70 Jahre jünger wäre, würde ich auch aufs Festival gehen – und mir wahrscheinlich einen nassen Hintern holen“, sagt sie und ergänzt: „Früher war das eine ganz andere Zeit, da hat es so etwas gar nicht gegeben.“ Nein, da habe man sich noch „ganz rustikal“ auf dem Gaststättensaal vergnügt – mit Kapelle und extra Tanzschuhen. „Man hätte damals ja auch gar nicht Kohle für so etwas gehabt.“

Was Post am Hurricane vor allem als Begleiteffekt gefällt: Vor der Senioreresidenz sind für die bahnreisenden Festivalbesicher mehrere Dixie-Toiletten aufgerstellt worden. „Das sind genug, um draufzugehen, wenn bei uns im Heim einmal Not am Mann ist“, sagt die Renterin lachend.

In Ostervesede, nur einige wenige Kilometer vom Hurricane-Gelände entfernt, läuft Gerda Bretzke über die Flure des örtlichen Seniorenheimes. Sie ist 86 und kommt ursprünglich aus Scheeßel. „Ich höre eh schlecht“, antwortet Bretzke auf die Frage, was sie vom Festival mitbekommt. Immerhin: Auch durch die Ortschaft rollt an diesem Wochenende die Blechlawine. „Das schaue ich mir natürlich immer gerne an“, sagt sie. Überhaupt sei sie froh, wenn mal wieder was los ist. „Dass sich einige über den Krach aufregen, kann ich nicht verstehen – das ist doch eh nur ein Wochenende im Jahr so.“

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