Scheeßelerin Nele-Marie Dillenberger zieht es aus England in die Kreisstadt

Vom Au-Pair zum „Bufdi“

Nele-Marie Dillenberger erhofft sich Klarheit von ihrem Jahr als „Bufdi“ an der Rotenburger Schule am Grafel. „Ich möchte Lehrerin werden. Das Jahr soll zeigen, ob ich das auch wirklich kann.“ - Foto: Ginter

Scheessel/Rotenburg - Von Jessica Ginter. Elf Monate verbrachte sie ihre Zeit als Au-Pair in einem kleinen Dorf nordöstlich von London. Nun ist Nele-Marie Dillenberger zurück aus Flitch Green und stürzt sich direkt in das nächste Abenteuer: Ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst an der Schule am Grafel in Rotenburg. Das Vorhaben der jungen Scheeßelerin, sich als Lehrerin zu versuchen, soll vor allem eins bringen: Klarheit.

Schon früher engagierte sich die 19-Jährige in der Arbeit mit Kindern. Beim Fußballtraining wurde der Teamgeist der Spielerinnen gefördert, beim Trampolin warf sie immer mal wieder ein Auge auf die Jüngeren – und spätestens nach ihrer dreijährigen Erfahrung als Babysitterin stand für Dillenberger fest: „Es ist toll zu sehen, wie Kinder sich weiterentwickeln, und sie dabei ein Stück weit beeinflussen und unterstützen zu können.“

In England erhielten ihre „Host“-Kinder Maisie (9) und Charlie (7) Dillenbergers volle Aufmerksamkeit – das zwölf Stunden am Tag und fünf Mal die Woche. „Mein Alltag bestand darin, die Kinder für die Schule fertig zu machen, sie hinzubringen, abzuholen, für sie zu kochen, tagsüber Unternehmungen zu planen und abends ins Bett zu bringen“, berichtet die 19-Jährige, die erst seit drei Wochen wieder zurück in der Heimat ist. Einmal täglich sei sie mit dem Hund der Familie Lamp Gassi gegangen, und während die Kinder in der Schule waren, habe sie die Zeit genutzt, um ins Fitnessstudio zu gehen oder die Wäsche zu machen, erzählt die Scheeßelerin.

„Mit meinen Gasteltern Claire und Jamie kam ich sehr gut klar“, und auch sonst habe Dillenberger, wie sie sagt, „großes Glück“ mit ihren englischen Gast- und gleichzeitig Arbeitgebern gehabt.

„Es gab durchaus Familien, die innerhalb eines Jahres zwischen drei oder mehr Au-Pairs wechselten, weil sie nicht mit ihnen zurecht kamen, oder die Mädchen eben nicht mit ihnen“, schildert Dillenberger. Die Scheeßelerin ist überzeugt, dass dies auf die Erziehung der Eltern zurückzuführen sei, und ist froh, „dass Maisie und Charlie so artig waren“.

Mit „ihren“ Kindern unternahm sie auch Tagesausflüge, wenn diese nicht zur Schule mussten. „Das war zwar anstrengender, da ich den ganzen Tag durcharbeiten musste, aber das sind letztendlich auch die schönsten Tage gewesen“, erinnert sich die 19-Jährige.

Die Wochenenden konnte sie für sich und Freunde nutzen. „Ich habe schnell Anschluss gefunden und häufig sind wir dann nach London oder in andere Städte gefahren“, berichtet sie. So habe sie nicht nur die Weltstadt selbst erkundet, sondern neben Cambridge auch Brighton und Cornwall. „Wir versuchten einfach rumzukommen und so viel wie möglich vom Land zu sehen“, erklärt Dillenberger.

Aufgrund ihrer neuen und anderssprachigen Bekanntschaften hat die Scheeßelerin nun auch Lust, eine weitere Sprache, vermutlich Spanisch, zu erlernen. „Die Zeit in England hat mich persönlich nicht allzu sehr verändert“, doch habe sie dazu beigetragen, dass sie weitere Interessen für sich entdeckt hat, gibt die junge Frau zu. Außerdem stellt sie fest: „Man hat nun eine ganz andere Sicht auf Zuhause und nimmt die kleinen Dinge mehr wahr.“ Um ihren persönlichen Horizont zu erweitern und die Sprachkenntnisse während der Auslandsaufenthaltes zu verbessern und zu testen, ist die ehemalige Eichenschülerin zehn Monate lang wöchentlich zur Sprachschule gegangen und hat dort dann auch das „Cambridge English Exam“ absolviert.

„Ich habe mich nicht nur sprachlich verbessert, sondern bin auch mutiger, offener und vor allem selbstständiger geworden“, sagt sie. Über ihren Werdegang sei sie sich nun mehr im Klaren. „Dass ich mit Kindern arbeiten möchte, steht außer Frage.“ Ob es dann wirklich das Lehramtstudium werden soll, zeigt sich nach ihrem Jahr als „Bufdi“ an der Rotenburger Grundschule, das sie zum Anfang des neuen Schuljahres angetreten hat.

Dillenberger: „Ich erhoffe mir, möglichst viel mit den Schülern arbeiten zu können und die Erziehung der Kinder von einer anderen Seite kennenzulernen, als ich sie in der Zeit als Au-Pair entdeckt habe.“ Schon jetzt weiß die „Aushilfslehrerin“, dass sie an der Schule am Grafel ihre eigene AG betreuen wird – selbstverständlich Englisch. „Es wird wohl nicht ganz einfach, da die Kinder im Grundschulalter noch nicht viel können, doch mit der AG möchte ich versuchen, sie spielerisch heranzuführen“, plant sie schon die Vorbereitungen.

Anschließend möchte die Scheeßelerin sich im Klaren sein, ob sie tatsächlich Lehrerin werden möchte. Und wer weiß, vielleicht ja sogar in England.

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