Vernissage am Freitag

Atelier Geddert begeht 35-jähriges Bestehen mit Ausstellung „Artenvielfalt“

Kuratorin Birgit Ricke (l.) steht mit Sabine und Christian Geddert im Kunstgewerbehaus.
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Kunstgewerbehaus-Kuratorin Birgit Ricke (l.) freut sich über das hohe Niveau der Jubiläumsausstellung von Sabine und Christian Geddert und ihre Atelierteilnehmer.

Scheeßel – Keine 24 Stunden sind die Wände des Kunstgewerbehauses auf dem Meyerhof leer geblieben: Kaum haben die Teilnehmer eines Kunstkurses der Eichenschule am Sonntag ihre Werke entfernt, werden schon wieder Bilder für die nächste Vernissage am Freitag gehängt. Es wird die erste offizielle Ausstellungseröffnung in diesem Jahr sein – die zweiwöchige Werksschau der Eichenschüler musste aufgrund der Corona-Inzidenzwerte noch ohne auskommen.

Was aber nicht heißen soll, dass das Team um Birgit Ricke nicht schon einige Erfahrung auf diesem Terrain hätte: „Letztes Jahr haben wir drei Vernissagen unter Corona-Bedingungen abgehalten, das hat gut geklappt.“

Auch Sabine Geddert, deren Atelier mit „Artenvielfalt“ hier zum dritten Mal an eine lange Ausstellungstradition seit 1991 anknüpft, wird ihre Einführung am Freitag um 18.30 Uhr an der frischen Luft halten, bevor Kleingruppen à sieben Besucher die Ausstellung begutachten können, während die Wartenden draußen bei Snacks und Getränken und Musik der „Schulmuskanten“ verweilen. Für die Vahlderin und ihren Ehemann Christian, der 19 seiner „Skulpturen mit Durchblick“ beisteuert, markiert Scheeßel einen Neustart nach der Absage einiger Ausstellungen im Vorjahr.

„Als die erste Absage kam, war das Auto schon gepackt“, erinnert sich die Vahlderin. Noch bitterer sei eine Absage aus New York gewesen: „Die Werke waren schon verschifft, das Schiff ist auf halber Strecke wieder umgekehrt.“ Das „Von 100 auf Null“ durch Pandemie und ihre unterschiedlichen Phasen hat Christian Geddert in seinen Skulpturen verarbeitet: Etwa die zweite Welle, die die Welt zu erschlagen droht oder den Lockdown, der Schutzraum und Isolation gleichzeitig bedeute.

Auch die Teilnehmer der Ausstellung werden ihre Werke, die allesamt in der Atelierarbeit entstanden, zum ersten Mal seit einem Jahr sehen, waren die 60-mal-80-Zentimeter Bilder doch nach den Stationen der Wanderausstellung Fintel, Hamburg und Altonaer Rathaus, doch inzwischen eingelagert.

Die Umsetzung des Themas „Artenvielfalt“ ist inhaltlich ebenso vielfältig wie technisch: Neben allerlei Tieren vom Eichhörnchen bis zum Chamäleon in Öl oder Acryl („Vorgabe war Transportfähigkeit für die Wanderausstellung, deshalb fiel Filigranes wie Aquarelle oder Kohle raus“, so Geddert) finden sich auch ein Pantoffeltier aus bemalter Folie oder Mischtechnik mit Specksteinstaub, den die Künstlerein mit Holzleim auf die Leinwand aufgebracht hatte.

Sie verarbeitet hierin ihre Eindrücke beim Besuch einiger Höhlenmalereien in Frankreich, in einem anderen Werk hat sie fotografische Impressionen ihres ersten Tauchgangs malerisch umgesetzt. „Einige haben eine konkrete Vorstellung, wenn sie ins Atelier kommen, andere experimentieren – dann entwickelt sich intuitiv etwas.“

So wie bei ihren eigenen großflächigen Werken, die die Wände dominieren. Nur auf den ersten Blick Landschaften von Wäldern oder Mohnblumenfeldern, entdeckt der geneigte Betrachter hunderte von Tieren und Wesen. Sogar Donald Trump, der auf eine in einem Baum versteckte Barbusige schielt, ist dabei. Diese „Suchbilder“ spiegeln auch Gedderts eigene Wahrnehmung der Welt wieder: „Eigentlich kann man die Natur doch gar nicht betrachten, ohne darin etwas zu sehen.“

Die Teilnehmer ihrer Kurse begleitet die Künstlerin individuell bei der Umsetzung ihrer Ideen, teilweise über Jahrzehnte hinweg. Die Erschafferin des Eichhörnchenbildes habe als 18-Jährige vor dem Fenster des geddertschen Ateliers in Ottensen gestanden; „Zum Abi bekam sie einen Malkurs geschenkt, inzwischen ist sie seit 35 Jahren dabei.“ Gut möglich, dass man sich auch im Beekeort demnächst ein Bild vom kreativen Treiben der „Atelierzeit“ machen kann. Ähnlich wie bei den „Kreativtagen“ in Vahlde plant Geddert, parallel zur Ausstellung an einem der Samstage, an denen sie persönlich für Fragen zur Verfügung steht, einen Malworkshop auf dem Meyerhofgelände. Für Kuratorin Birgit Ricke, die angesichts der vielen Nachholtermine gar nicht zur Planung neuer Ausstellungen kommt („Bis 2023 sind wir ausgebucht.“), ist das Atelier Geddert ein Sonderfall: „Prinzipiell stellen wir keine Werke von Hobbykünstlern aus. Bei dieser Künstlergruppe, die seit über 30 Jahren am Start ist und professionell begleitet wird, merkt man jedoch die Qualität.“

Die Vernissage beginnt am Freitag, 18. Juni, um 18.30 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 25. Juli montags bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, dienstags und freitags auch von 14 bis 17 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Ein Teil der Bilder ist im Original käuflich zu erwerben; alle Bilder sind als Kunstdrucke erhältlich.

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