Arbeiten für Großunterkunft auf dem Internatsgelände laufen auf Hochtouren / Einzug ab März

Schuften für die Flüchtlinge

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Verschaffen sich einen Überblick über den Stand der Renovierungsarbeiten: Käthe Dittmer-Scheele und Frank Thies.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ein vermeintlich ganz normaler Morgen am Helvesieker Weg: Ein Spaziergänger führt seinen angeleinten Hund Gassi, eine junge Frau schiebt schräg gegenüber ihren Kinderwagen vor sich her. Doch das beschauliche Szenario trügt. Denn nur wenige Meter von der Straße entfernt herrscht auf dem Internatsgelände, zwischen Beeke-Bad und dem Theatersaal der Eichenschule, rege Betriebsamkeit. Die Herrichtung der Flüchtlingsunterkünfte schreitet voran – voraussichtlich Anfang März sollen die ersten Zuwanderer in die beiden Wohnblöcke einziehen können.

Eigentlich war erwartet worden, dass die Gemeinde Scheeßel in den jahrzehntealten Gebäuden schon ab kommender Woche Neuankömmlinge hätte einquartieren müssen. Doch schließlich, so Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, sei man hinsichtlich einer dezentralen Unterbringung in angemieteten Immobilien dann doch noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Ein Entspannungsmoment in einer Zeit, in der die Gemeinde schon mehr als 185 Flüchtlinge aufgenommen hat – und allein bis Ende März 120 weitere erwartet.

Ebenso viele Plätze sind auf das Gebäudeensemble, welches der Gemeinde von der Eichenschulgenossenschaft überlassen worden war, verteilt. Von den Fluren führen Zwei- und Vierbettzimmer ab, jeder Schlafraum ist quasi serienmäßig mit abschließbaren Spinden, Kühlschränken, Tischen, Stühlen und sanitären Anlagen ausgestattet. Auch die Bettwäsche in Sternenoptik, noch original in Folie verpackt, liegt schon für die neuen Bewohner auf den Matratzen bereit.

Seit Anfang Dezember sind die Unterkünfte, in denen einst Eichenschüler untergebracht wurden, fest in der Hand von Malern, Installateuren und Elektrikern. Ob Dachreparaturen oder die Instandsetzung der Heizung – man habe schon erheblich etwas herrichten müssen, damit die Blöcke überhaupt wieder bewohnbar sind, sagt Dittmer-Scheele. Wie viel Geld die Gemeinde dafür in die Hand genommen hat, will die Verwaltungschefin nicht verraten. Nur so viel lässt sie wissen: „Der Eichenschule entstehen keine Kosten. Wie uns die Erstattung nachher gelingt, müssen wir noch zu einem späteren Zeitpunkt sehen.“

Gleich im Eingangsbereich zweigt eine Tür in das Aufsichtszimmer ab. Ein Ansprechpartner, so Ordnungsamtsleiter Frank Thies, werde rund um die Uhr vor Ort zugegen sein. Ferner sehe das Betreuungskonzept den Einsatz eines Hausmeisters sowie – jedenfalls zeitweise – eine Reinigungskraft für die gemeinsame Küche und den Essbereich vor. Welche mit der Gemeinde kooperierende Anbieterfirma diese Aufgaben übernehmen wird, stünde zwar zur Stunde noch nicht ganz fest, die Verhandlungen mit zwei potenziellen Institutionen, die bereits Erfahrungen mit Flüchtlingsunterkünften dieser Größenordnung gesammelt hätten, würden jedoch bereits in vollem Gang laufen. Bis zum Einzugstermin solle auf jeden Fall eine Lösung gefunden worden sein, versichern die Bürgermeisterin und ihr Fachbereichsleiter.

Ob mit der Einquartierung überhaupt ab März begonnen werden müsse, sei noch nicht absehbar, erklären die beiden. „Falls uns weitere Wohnungen angeboten werden, setzen wir auf jeden Fall vorrangig die dezentrale Unterbringung fort“, betont Dittmer-Scheele.

Eine Etage tiefer geht es in den Küchenbereich. An sechs, mit Sicherheitsmechanismen ausgestatteten Kochstellen haben die Bewohner die Möglichkeit, ihre Mahlzeiten selbst zuzubereiten. Einnehmen können sie diese in einem Gemeinschaftsraum direkt an Ort und Stelle, „oder sie nehmen sich ihr Essen mit aufs Zimmer“, so Thies.

Spielte die Gemeinde anfangs noch mit dem Gedanken, einen externen Cateringdienst mit der Verpflegung zu beauftragen, hat sie von dieser Idee wieder Abstand genommen. „So würde man den Menschen, die ja aus ganz verschiedenen Kulturkreisen stammen, einen festen Tagesrhythmus vorgeben, den sie womöglich gar nicht gewohnt sind“, meint der Ordnungsamtsleiter, der dadurch auch mögliche Spannungen unter den Bewohnern nicht ausschließen will. Stattdessen müssen sich die Flüchtlinge nun selbst verpflegen – „und das ist auch gut so, da sie auf diese Weise darauf angewiesen sind, ihre Einkäufe im Ort zu tätigen und so unter die Leute kommen“, erklärt Käthe Dittmer-Scheele.

Während drinnen bereits weitestgehend alles fertiggestellt ist – lediglich die Feuermelder müssen noch installiert, die Kühlschränke in den Zimmern aufgestellt sowie die Herde und Waschmaschinen angeschlossen werden – gleicht der Außenbereich einer Großbaustelle. Grund: Ein Bautrupp ist damit beschäftigt, eine benachbarte dritte Baracke mit dem Bagger niederzureißen. „Die Einsturzgefahr war einfach zu groß“, erläutert Thies. Als nächster Schritt werde nun der Boden geebnet und mit Schotter versehen.

Der Aufwand, den die Gemeinde für die Herrichtung betreibt, er ist immens – aber eben auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So rechnet man im Rathaus damit, dass die Gebäude bereits nach drei Monaten ausgelastet sein werden. „Wir sind auf jeden Fall schon jetzt auf der Suche nach weiteren Objekten“, sagt die Bürgermeisterin.

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