Ostervesedes Ortsbürgermeister im Gespräch

Andreas von Fintel: „Anonymität gibt es nicht“

Andreas von Fintel ist mit seinen 41 Jahren zugleich der jüngste Ortsbürgermeister in der Einheitsgemeinde Scheeßel

Ostervesede - Von Lars Warnecke. Sie sind mit ihrem Dorf fest verwurzelt, kennen quasi jeden Winkel dort. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Ortschaft zu vertreten – gemeinsam mit dem Ortsrat, dem sie vorstehen. Die Rede ist von den Ortsbürgermeistern. Elf Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Scheeßel haben sich entschieden, für ihre Heimat Verantwortung zu übernehmen. Wer sind die Menschen hinter dem Amt?

Welche Ideen und Anliegen möchten sie transportieren? In unserer Interview-Reihe kommt heute Andreas von Fintel (41), Bürgermeister von Ostervesede, zu Wort.

Herr von Fintel, warum sollten eigentlich alle Bewohner des Kreises nach Ostervesede ziehen?
Andreas von Fintel: Ostervesede hat viele Vereine und sonstige Organisationen, die im Ort Freizeitangebote zu den Themen Sport, Musik sowie Tradition und Kultur anbieten. Statistisch betrachtet ist jeder Osterveseder Mitglied in mindestens einem Verein, und findet sich dadurch häufig und regelmäßig zur gemeinsamen Freizeitgestaltung mit weiteren der 710 Einwohnern zusammen. Dieses trägt ganz wesentlich dazu bei, dass wir uns alle kennen und respektieren. Die für Dörfer so gefährliche Anonymität gibt es bei uns nicht. Außerdem werden in Ostervesede traditionelle Veranstaltungen und Bräuche gepflegt, die es hier bereits vor mehr als 100 Jahren gab, zum Beispiel das Buurnreken, das Kofferfestsetzen, Dachbier und die Holzauktion. Die Gemarkungen von Ostervesede, Deepen und Einloh laden zu Spaziergängen ein, die durch Wald und Flur führen. Landschaftlich findet man von allem etwas. Ansprechend ist auch die Lage, denn die Nähe zu größeren Orten wie Scheeßel, Rotenburg und Schneverdingen beziehungsweise der Bahnverbindung Hamburg-Bremen bietet vielfältige Einkaufs- oder berufliche Möglichkeiten. Nicht zuletzt hat Ostervesede noch eine Dorfkneipe sowie ein großes Dorfgemeinschaftshaus, in dem neben dem Vereinsleben auch Familienfeiern von der Geburt bis zur Beerdigung durchgeführt werden.

Ihr Lieblingsort in der Gemeinde Scheeßel?
von Fintel: Mein Lieblingsplatz ist die rund 54 Meter hohe Spitze des Harms Berg in Ostervesede, hier kann man auf einer Bank den Blick auf das Gemeindegebiet genießen.

Was beschäftigt Sie als Ortsbürgermeister derzeit am meisten?
von Fintel: Mal abgesehen von den administrativen Aufgaben eines Ortsbürgermeisters haben wir unsere Themengebiete und die damit verbundenen Aufgaben unter allen Ortsratsmitgliedern aufgeteilt. Da wir einmal im Monat gemeinsam Rücksprache halten, sind alle über alles zeitnah informiert. Gegenwärtig beschäftigen uns insbesondere Themen, auf die wir als Ortsrat nur bedingt Einfluss haben. So gibt es konkrete Planungen, die „SuedLink“-Trasse durch Ostervesede zu führen, die Wohnraumentwicklung im Dorf ist durch die Reglementierungen der Geruchsimmissionsrichtlinie eingeschränkt und die möglichen Auswirkungen des regionalen Raumordnungsprogramms stoßen auf geteilte Meinungen. Hier geht es in der Regel darum, unsere Hinweise, Bedenken und Anregungen der Gemeinde Scheeßel mitzuteilen, damit diese unsere Interessen erkennt und in den jeweiligen Verfahren vertritt.

Was ist das aktuell größte Problem von Ostervesede?
von Fintel: In den vergangenen 15 Jahren ist ein leichter, aber kontinuierlicher Rückgang der Einwohnerzahlen festzustellen. Gerne würden wir diesen Trend aufhalten. Eine wichtige Komponente ist die Ausrichtung der künftigen Wohnraumentwicklung, damit sich die Töchter und Söhne des Ortes, aber auch Auswärtige ein Zuhause einrichten können. Derzeit haben wir noch Potenzial im vorhandenen Baugebiet, doch perspektivisch muss auch wieder neuer Wohnraum im Ortskern entstehen können, damit dieser nicht irgendwann ausstirbt und verfällt. Wünschenswert wäre hier zum Beispiel eine Umnutzung der vorhandenen landwirtschaftlichen Gebäude oder der Rückbau von nicht mehr genutzten Gebäuden, um neuen Wohnraum zu schaffen. Ich sehe dieses als die Herausforderung für die kommenden Jahre, nicht nur für Ostervesede.

Und Ihre Vision? Was wollen Sie während Ihrer Amtszeit für den Ort unbedingt noch erreichen?
von Fintel: Es gibt viele Osterveseder, die sich unentgeltlich engagieren, beispielsweise für die Pflege des Ortsbildes, die Fortschreibung der Orts-Chronik, die Veeser Hochschule, die Feuerwehr und natürlich in den Vereinen. Diese Menschen sind für uns substanziell und bilden die Säulen für ein lebendiges Dorf. Außerdem werden von ihnen Leistungen erbracht, die von der öffentlichen Hand nicht abgedeckt werden können. Hier liegt meines Erachtens der Schlüssel für ein vitales Dorfleben. Gerne würde ich diese ehrenamtlichen Leistungen stärken, fördern und angemessen würdigen.

Wo würden Sie wohnen, wenn Sie nicht Bürgermeister von Ostervesede wären?
von Fintel: Ich war vor meinem Amtsantritt Osterveseder und werde es bleiben.

Wie würden Sie ihren Heimatort in drei Worten beschreiben?
von Fintel: Traditionell, verbunden und zukunftsorientiert.

Folge 1: Westerholz‘ Ortsbürgermeister Wolfgang Kirschstein im Gespräch: „Es braucht einen langen Atem“

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