„Dem Dorf verpflichtet“

Sothels Ortsvorsteher Günter Bassen im Gespräch

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„Einer allein ist nichts.“ – Günter Bassen möchte mit der Sotheler Dorfgemeinschaft noch vieles erreichen.

Sothel - Von Lars Warnecke. Sie sind mit ihrem Dorf fest verwurzelt, kennen quasi jeden Winkel dort. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Ortschaft zu vertreten – gemeinsam mit dem Ortsrat, dem sie vorstehen. Die Rede ist von den Ortsbürgermeistern. Elf Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Scheeßel haben sich entschieden, für ihre Heimat Verantwortung zu übernehmen. Wer sind die Menschen hinter dem Amt? Welche Ideen und Anliegen möchten sie transportieren? In unserer Interview-Reihe kommt heute Günter Bassen (CDU), Ortsvorsteher der 200-Seelen-Ortschaft Sothel, zu Wort.

Herr Bassen, wieso hat Sothel eigentlich keinen eigenen Bürgermeister?

Günter Bassen: Scheeßel und die dazugehörigen Orte sind eine Einheitsgemeinde, die Ortschaften haben also keinen eigenen Haushalt. Ein Ortsbürgermeister steht einem Ortsrat vor, der entscheidet. Unsere Einwohner möchten direkt über alle Belange mitentscheiden, die Sothel betreffen. Da wir ein kleiner Ort sind, ist das auf Einwohnerversammlungen, die immer gut besucht sind, gut umsetzbar.

Warum sollten alle Bewohner des Kreises nach Sothel ziehen?

Bassen: Wenn alle Bewohner das täten, wäre Sothel nicht mehr Sothel. Aber natürlich könnten wir Zuwachs gebrauchen. Unser Ort ist sehr zentral gelegen zwischen Scheeßel, Elsdorf und Sittensen, zwischen Rotenburg, Zeven und Tostedt. Die Kreisstraßen führen sternförmig nach und von Sothel. Die Bahn in Scheeßel und die Autobahnauffahrt in Elsdorf ermöglichen es uns in kürzester Zeit, in Hamburg oder Bremen zu sein. Bei uns findet man viele Facetten des Landlebens. Wer in unserer Gemeinschaft den Nächsten achtet und respektiert und sich am Dorfleben beteiligen möchte, ist willkommen.

Ihr Lieblingsort in der Gemeinde Scheeßel?

Bassen: Ich bin gerne dort, wo Menschen gemeinschaftlich etwas auf die Beine stellen. Reizvolle Landschaftselemente haben wir viele in unserer Einheitsgemeinde, wir müssen sie nur erkennen. Meinen persönlichen Lieblingsort findet man in der Gemarkung Sothel – mehr möchte ich nicht verraten.

Was beschäftigt sie als Ortsvorsteher derzeit am meisten?

Bassen: Die Ortsbildpflege und die Instandhaltung der Straßen und Wege in unserer Gemarkung stehen im Moment im Fokus. Durch die hohen Niederschläge sind viele Wege und Seitenräume aufgeweicht. Wo es möglich ist, stehen an unseren Straßen und Wegen Bäume und Strauchhecken, die der Pflege bedürfen. Die Fußwege im Ort, die wir alle in Eigenleistung erstellt haben, müssen dringend saniert werden. Auf und an allen Straßen und Wegen muss die Verkehrssicherheit gegeben sein.

Was ist das aktuell größte Problem von Sothel?

Bassen: Die Entwicklung unserer Einwohnerzahl erfordert unsere größte Aufmerksamkeit. Junge Menschen, die meist über ein Studium adäquate Arbeitsplätze in den Ballungszentren gefunden haben, verlassen den Ort. Auch brauchen wir den weiteren Breitbandausbau und eine bessere Mobilfunkversorgung, damit bei fortschreitender Digitalisierung Arbeiten auf dem Land möglich ist. Darin steckt die Chance, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zu besetzen und auch zu schaffen. Wir sind ein kleiner Teil einer Solidargemeinschaft, wollen aber unseren Beitrag dazu gerne erbringen. Wir haben allerdings immer häufiger das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden, vielleicht, weil wir so wenige sind? Sothel aber ist unsere Heimat – die Anerkennung fordern wir ein!

Und ihre Vision? Was wollen sie während ihrer Amtszeit für den Ort unbedingt noch erreichen?

Bassen: Sothel zukunftsfähig machen wird nur mit gemeinschaftlicher Anstrengung möglich sein – einer allein ist nichts. Dabei müssen wir beachten, dass wir unseren Kindern die Zukunft nicht verbauen, nicht vorenthalten. Die Geruchsemissionsrichtlinie ist, auch nach dem neuerlichen Gerichtsurteil, so nicht hinnehmbar. Ich hoffe, dass bis zur endgültigen Entscheidung, die Baugenehmigungsbehörde wohlwollend für die Bauwilligen entscheidet. Anerkennung, Achtung und Respekt, Freiraum und Rücksicht gegenüber und für den Nächsten sind Attribute, die eine Gemeinschaft ausmachen. In Sothel sind wir da auf einem guten Weg.

Wo würden sie wohnen, wenn sie nicht Ortsvorsteher von Sothel wären?

Bassen: Der Titel „Ortsvorsteher“ macht es nicht aus. Bei alldem, was ich hier geschildert habe, ist es klar: Ich wohne in Sothel.

Wie würden sie ihren Heimatort mit drei Worten beschreiben?

Bassen: Kraft-Tankstelle, besinnlich, liebenswert.

Zur Person: Günter Bassen (56), von Beruf Küchenmeister, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit 2011 ist das CDU-Parteimitglied im Scheeßeler Gemeinderat vertreten. Im selben Jahr trat er in Sothel auch das Amt des Ortsvorstehers an. Seit der Kommunalwahl im September 2016 ist Bassen zudem zweiter stellvertretender Bürgermeister der Einheitsgemeinde Scheeßel.

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