Andere Länder, andere Sitten

Kulturbotschafterin erklärt in Scheeßel arabische Verhaltensweisen

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Paul Göttert (v.l.), Dunja Sabra und Anja Schürmann freuten sich über das rege Interesse an der Vortragsveranstaltung im Forum der Beeke-Schule.

Scheeßel - Von Ursula Ujen. Andere Länder, andere Sitten – so heißt es in Kurzform aus dem Volksmund. Dunja Sabra, Tochter einer Österreicherin und eines Ägypters, nennt es anders: „Verständnis und Umgang mit dem(n) Fremden“. In Anbetracht der Flüchtlingszahlen ein Thema, das jeden berühren sollte.

Deshalb hatten Paul Göttert von der Scheeßeler Flüchtlingshilfe und Anja Schürmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, die promovierte Wissenschaftlerin in den Beeke-Ort eingeladen. Am Dienstagabend hielt Sabra vor rund 50 Zuhörern einen Vortrag im Forum der Beeke-Schule.

Umgang auf Augenhöhe gefordert

„Meine emotionale Heimat liegt in Ägypten, meine geistige im deutschsprachigen Raum“, stieg die mit Kopftuch bekleidete Muslima, 1969 in München geboren und im Alter von 13 Jahren mit ihren Eltern nach Kairo ausgewandert, in ihren Vortrag ein. Europaweit ist Sabra als Dolmetscherin unterwegs und engagiert sich an ihrem jetzigen Wohnort in Buxtehude ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe beziehungsweise der Arbeit mit „Mehrheimischen“, wie sie es gern bezeichnet. Sie weiß, worüber sie spricht, schließlich verfügt sie über ausgiebige persönliche Erfahrungen in der arabischen und der westlichen Welt.

Voll motiviert und sachlich äußerst gut fundiert hatte die Schnellrednerin dann über zwei Stunden ihr Publikum im Griff: Anhand etlicher Schautafeln verdeutlichte sie die gravierenden Unterschiede beider Kulturkreise und warb eindringlich für mehr gegenseitiges Verständnis auf Augenhöhe. Während in den europäischen Ländern der Mensch als Individualist gesehen werde, würden in der arabischen Welt die Kollektive, das heißt der Großverband der Familie, im Mittelpunkt stehen.

Im arabischen Kulturkreis opfere der Einzelne sich dem Kollektiv

„Oberste Priorität hat im arabischen Kulturkreis nicht der Einzelne, sondern das Wohl des Kollektivs. Dieser Grundsatz gebietet absolute Loyalität, auch wenn es dabei zu persönlichen Nachteilen kommt – das Wohl der ganzen Familie steht an erster Stelle,“ erklärte Sabra ausführlich die unterschiedlichen Machtstrukturen und Lebensstile.

Ausländische Eltern seien oft mit den freien Umgangsformen in Kindergärten und Schulen überfordert, da sie selbst nur autoritäre Systeme erlebt hätten. Sie warb für aufklärende Informationsveranstaltungen, so wie sie es erfolgreich in Buxtehude praktiziere. „Bitte reden Sie mit den Eltern“, insistierte die 48-Jährige. „Und haben Sie bitte ganz, ganz viel Geduld, denn diese Menschen sind mit ganz anderen Wertvorstellungen und Verhaltensregeln aufgewachsen.“ Mit einem zu kräftigen Händedruck oder ausdauerndem Blickkontakt schaffe man beispielsweise sogleich unbeabsichtigt eine große Distanz, da dieses Verhalten in der arabischen Welt Macht signalisiere. Auch die direkte Offenlegung von Problemen sei unüblich, da man durch höfliche Umschreibungen versuche, den Gesprächspartner nicht zu verletzen, bevor man auf den Kern der Sache käme. Diese und viele weitere Tipps wurden bei den zahlreich anwesenden Erziehern, Lehrern und Flüchtlingsbetreuern dankbar angenommen – es entspann sich eine angeregte Diskussion im Forum.

Aufklärung für friedliches Miteinander notwendig

Auch hinsichtlich der Übergriffe von Geflüchteten auf junge deutsche Mädchen nahm Dunja Sabra kein Blatt vor den Mund und verdeutlichte die Problematik, indem sie die von den jungen Männern erlernten Moralvorstellungen in deren Herkunftsländern erklärte („In der arabischen Welt gelten freizügig gekleidete Frauen, die allein unterwegs sind, praktisch als Freiwild.“), aber auch gleichzeitig gezielte Aufklärungsarbeit anmahnte. „Nur mit objektiver Aufklärung können wir auf Dauer ein friedliches und für alle Seiten zufriedenstellendes, harmonisches transkulturelles Zusammenleben erreichen,“ warb sie für mehr gegenseitige Akzeptanz und Toleranz.

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