Eichenschule plant neuen Theatersaal / Kreisfachausschuss bewilligt Fördermittel / „Großer Nutzen“

Ein Anbau als einzige Alternative

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Der Planungsentwurf für den neuen Theatersaal ist bereits in trockenen Tüchern: Christian Birnbaum (l.) und Stephan Anders stellen die Grundriss-Zeichnung des Architekten vor.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ortstermin im Büro von Christian Birnbaum. Es ist Tag eins nach der für die Eichenschule so wichtigen Kreis-Schulausschusssitzung. Zufrieden nippt der Leiter des Gymnasiums an seiner Kaffeetasse. Neben ihm: Sein nicht weniger zufriedener Kollege Stephan Anders. Beide wollen berichten über das, was jetzt tatsächlich angeschoben werden soll: einen neuen Theatersaal auf dem Schulgelände an der Königsberger Straße.

Der Schulleiter weist auf den Bereich hin, in dem der Neubau seinen Platz finden wird.

Mit einer 40-Prozent-Förderung könne die Eichenschulgenossenschaft nun seitens des Landkreises rechnen, freut sich Geschäftsführer Anders, und er ergänzt: „Ohne diesen Zuschuss wäre unser Finanzierungskonzept für das Bauprojekt wohl auch obsolet gewesen.“ Das liege schon seit längerem in seiner Schublade. Erste Überlegungen, den bestehenden Theatersaal auf dem ehemaligen Internatsgelände am Helvesieker Weg gegen einen Anbau einzutauschen, habe es bereits im Herbst 2014 gegeben. Von fast drei Millionen Euro sprechen die zwei Pädagogen mit Blick auf die Gesamtkosten. „Diese auf Darlehensbasis zu bestreiten, hätte uns angesichts der zu geringen Zinssätze dann doch vor immense Probleme gestellt“, begründet Anders den Antrag des Genossenschaftsvorstandes, über die Schulbaukasse eine Förderung zu erfahren.

Übrigens nicht das erste Mal. So seien dem Gymnasium in freier Trägerschaft in den vergangenen 16 Jahren auch schon für Bauprojekte wie dem Solitär, der Caféteria und der Turnhalle entsprechende Zuschüsse durch den Kreis gewährt worden – seinerzeit jedoch noch jeweils zu 50 Prozent. Dabei sei man nie darauf bedacht gewesen, „sich goldene Wasserhähne zu leisten“, wie Birnbaum betont, „wir versuchen einfach nur, unsere Schule von den Räumlichkeiten her gut aufzustellen“.

Zu kostenintensiv in der Instandhaltung:Der jetzige Theatersaal wird wohl bald als solcher ausgedient haben.

Darum nun auch der Schritt zum neuen Theatersaal. Denn, so Birnbaum: Schon bald kehre an der Bildungseinrichtung wieder eine G9-Beschulung zurück. „So haben wir einen kompletten 13. Jahrgang, daher brauchen wir mehr Räume“, sagt er. Integriert seien diese direkt im Obergeschoss des Gebäudes, verweist er auf die von einem Architekturbüro bereits angefertigte Planungsskizze. Dafür werde eines der Klassenzimmer in einen zusätzlichen Naturwissenschaftsraum umgewidmet. Optisch angelehnt werden solle der neue Baukörper an das dann benachbarte Solitär – mit Flachdach und ähnlichen Fensterkonstruktionen. Rund 400 Quadratmeter Fläche werde das direkt an den Sportplatz grenzende Gebäude vereinnehmen – allein 360 Quadratmeter davon der Saal als eigentliches Herzstück, inklusive einer Bestuhlung mit 199 Sitzplätzen, getrennten Umkleidekabinen für Mädchen und Jungen, Arbeitsräumen sowie einer sogenannten Teleskopzuschauertribühne, die je nach Bedarf ein- und ausgefahren werden kann.

Viel Theater um einen millionenschweren Neubau, möchte man meinen. Stephan Anders wiegelt ab: „Es gibt niedersachsenweit keine zweite Schule, die mit einem derart großen Theaterbereich aufwarten kann“, spielt er auf den Bereich „Darstellendes Spiel“ an – ein im Unterrichtsplan der Eichenschule fest verankterter Wahlpflichtkurs. Zehn Gruppen würden aktuell an Bühnenstücken feilen oder sie – wie jetzt gerade im „Theaterfrühling“ – zur Aufführung bringen. „Mehrere von ihnen hatten das Land auch schon bei bundesweiten Theatertreffen vertreten“, erzählt Stephan Anders. Für ihn sei das ein hoher Qualitätsausweis.

In der Praxis müssten die probenden Schüler so nicht mehr künftig den Weg zur Spielstätte am Helvesieker Weg antreten, „und auch der Unterricht bräuchte nicht mehr zehn Minuten früher beendet werden – nur damit einige noch pünktlich den Bus erwischen“, nennt Anders weitere Vorteile. Ebenso in finanzieller Hinsicht erhoffen er und sein Chef sich eine Verbesserung. Immerhin stammt der jetzige Theatersaal noch aus den 1960ern, die laufenden Unterhaltungskosten seien entsprechend enorm. Birnbaum: „Früher oder später hätten wir eh über eine Alternative nachdenken müssen.“

„Machen das nicht aus Jux und Dollerei“

Anders und Birnbaum sind überzeugt: So, wie der Neubau konzipiert ist, werde er sich harmonisch in das Gesamtbild an der Königsberger Straße einfügen. Noch habe man den Bauantrag nicht gestellt, schließlich ist es der Kreistag, der über den Förderantrag bei seiner nächsten Sitzung Anfang Mai noch ein letztes Wort sprechen muss. Aber danach solle dann alles recht zügig vorangehen, sagt der Geschäftsführer der Schulgenossenschaft.

Wann der erste Spartenstich erfolgen wird – Anders zuckt mit den Schultern. „Wir werden jetzt erst einmal einen Fahrplan festlegen, zum nächsten Weihnachtsfest wird aber garantiert noch kein Schauspiel am neuen Standort stattfinden“, schmunzelt er. Auch wie es mit dem ehemaligen Internatsgelände weiter gehen wird, stünde bis dato noch in den Sternen. „Klar ist: Wir wollen uns von dem Gelände trennen“, so Birnbaum. Nur mit Blick auf das Wann und in welchem Rahmen sei noch gar nichts spruchreif.

Mit der unlängst auf dem Gelände geschaffenen Flüchtlingsunterkunft habe die Entscheidung jedenfalls nichts zu tun, betont er. So habe man seinerzeit der Gemeinde aus sozialen Beweggründen unter die Arme greifen wollen und ihr die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Und fast so, als müsse er sich rechtfertigen, ergänzt Birnbaum: „Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei, weil wir gerade Geld übrig haben oder uns ein Denkmal setzen wollen.“

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