TV Scheeßel und SV Jeersdorf

Sportler machen verschiedene Erfahrungen mit Vereins-App

Wer beim SV Jeersdorf trainieren will, muss sich vorher über die App anmelden.
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Wer beim SV Jeersdorf trainieren will, muss sich vorher über die App anmelden.

Eine App, die das Vereinsleben leichter organieren soll, testen aktuell der TV Scheeßel und der SV Jeersdorf. Allerdings machen sie damit unterschiedliche Erfahrungen. Während in Jeersdorf das Programm gut angenommen wird, tun sich die Scheeßeler schwer.

Scheeßel/Jeersdorf – Eines Tages wird man nicht nur für den Impf- oder Testtermin eine digitale Anmeldung brauchen, sondern auch für das regelmäßige Training beim Turnen oder Tischtennis. Ein Zukunftsszenario? Mitnichten – sowohl beim TV Scheeßel als auch im SV Jeersdorf ist die von einem zweiköpfigen Startup-Unternehmen entwickelte Vereins-App seit dem Sommer im Gebrauch. Aber hält sie, was sie verspricht? Nämlich eine Vereinfachung der vereinsinternen Administration, der Kommunikation und des Informationsflusses?

Die Antwort hängt ganz davon ab, wen man fragt. So sind die Erfahrungen, die die beiden Vereine nach Aussage ihrer Vorsitzenden bisher mit der App gemacht haben, doch recht unterschiedlich. Völlig begeistert ist Frank Rathjen. In „seinem“ SV Jeersdorf sind inzwischen sämtliche 14 Sparten in der App vertreten. Für ihn liegen die Vorteile des Handytools auf der Hand: Gechattet wird nicht mehr über unterschiedliche Kanäle, sondern nur noch hier, und: „Ich kann gezielt einzelne Gruppen oder alle Mitglieder erreichen, ohne E-Mail, SMS und Whatsapp bedienen zu müssen.“ Letzteres verbiete sich schon aus datenschutzrechtlichen Gründen, „außerdem wird das Medium von einigen abgelehnt“. Dabei handele es sich auch um eine Frage der Akzeptanz: „Zugegeben, ich habe den Einsatz auch sehr gepusht.“

Dies ist bei den Kollegen aus Scheeßel nicht der Fall: „Chef“ Jörg Schories hat den Übungsleitern die Verwendung des Tools freigestellt, zu dem sich beide Vereine vertraglich für ein Jahr gebunden haben und dessen Kosten für die ersten zwölf Probemonate vom Kreissportbund übernommen werden. Für seine eigene Übungsleitertätigkeit bedeutet dies, nun nicht mehr drei- sondern viergleisig zu fahren, hat sich die Vereins-App doch (noch) nicht als Kommunikationsmittel der Wahl durchsetzen können.

Für ihn kommt die Lösung zu spät, habe sich Whatsapp für den Informationsaustausch bei den Gruppen doch längst etabliert. „Dagegen anzukommen, ist schwer.“ So sei die Akzeptanz schon bei vielen Übungsleitern als Multiplikatoren eher gering, entsprechend gering auch bei den Mitgliedern.

Beim SV Jeersdorf hingegen geht man noch einen Schritt weiter: Wer hier trainieren will, muss sich zu jedem Termin über die App anmelden. Für Rathjen bedeutet dies nicht nur, „dass ich immer weiß, wer da in unserem Sporthaus unterwegs ist“. Sondern auch, dass er die Listen für das Gesundheitsamt, die seit der Pandemie geführt werden, auf Knopfdruck erzeugen kann. Für ihn eine erhebliche Erleichterung, „sonst kamen einige per E-Mail, im Facebook-Messenger oder klassisch in den Briefkasten – wahlweise meinen oder den am Vereinshaus“.

Gerade bei der Koordination des unlängst in Betrieb genommenen Bürgertestzentrums und der Dienste dort sei die App von unschätzbarem Wert gewesen: „Das wäre sonst nicht so reibungslos abgegangen“, ist Rathjen sich sicher.

Wie auch beim „großen Bruder“ jenseits der Wümme gibt es auch hier Skeptiker und Kritiker, gleichwohl: „Das war eine demokratische Entscheidung, die muss der Einzelne dann eben auch mittragen.“ Anfängliche Akzeptanzprobleme sind für den Visionär nicht neu. Aber „an die digitale Schließ- und Musikanlage haben sich auch die Skeptiker inzwischen gewöhnt“.

Andere Funktionen der App, wie der Live-Ticker oder die Übersicht über Spielergebnisse, werden bislang von beiden Vereinen nicht genutzt, was zum Teil auch am fehlenden Spielbetrieb liegt. Schories misst dieser Option keine Bedeutung bei: „Diejenigen Abteilungen, die so etwas nutzen würden, wie die Basketballer, haben da schon andere Tools.“ In Jeersdorf wurde der Live-Ticker zu Testzwecken eingesetzt, „aber letztlich muss jemand Lust darauf haben, ihn zu füttern und es muss auch genügend Interesse da sein, das zu abonnieren“, so Rathjen.

Dass die App für Rathjen das ideale Werkzeug darstellt, das so gut wie alle Anforderungen des gut 400 Mitglieder starken, spartenreichen Vereins befriedigt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat sich der Verein mit seinen Erfahrungen und Bedürfnissen doch erheblich in der Planungsphase eingebracht: „Die Macher sind programmiertechnisch fit, wir kommen aus der Praxis und wissen, was gebraucht wird“, fasst der Jeersdorfer die symbiotische Kooperation zusammen.

Eine von ihm für die eigenen Vereinsmitglieder verfasste Anleitung für das digitale Sport-Tool soll bald allen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Viele der Wünsche des Vereins finden beim monatlichen Update Berücksichtigung wie Push-Nachrichten oder das Ausbügeln technischer Herausforderungen des Programms in den Kinderschuhen.

Insgesamt möchten die Jeersdorfer die App nicht mehr missen. Sie halten es für gut denkbar, die App auch dann weiter einzusetzen, wenn die Nutzung ab dem nächsten Sommer nicht mehr kostenfrei ist, sondern mit einem knapp vierstelligen jährlichen Betrag zu Buche schlägt. Auch Schories will nach der Erprobungsphase im Frühsommer in kleiner Runde die Ergebnisse Revue passieren lassen. Dass auch die Sportler von der Beeke sich in Zukunft einloggen, bevor sie Beine oder Schläger schwingen, sieht er hingegen eher skeptisch.

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