Amtsschimmel statt Schaukelpferd

Aus für Osterveseder Traditionsflohmarkt „Rund ums Kind“ nach 20 Jahren

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Der „fliegende“ Brötchenverkauf – für Organisatorin Jessica Brockmann (l.) und ihr Team eine Quelle der Spendengenerierung neben dem Standgeld.

Ostervesede – Wenn sich wie immer am zweiten Samstag im Februar die Tische im Osterveseder Dorfgemeinschaftshaus mit Kinderkleidung, Spielsachen und allerlei anderem Ausgemustertem stapeln, das für kleines Geld einen neuen Besitzer findet, dann feiert der Flohmarkt „Rund ums Kind“ sein 20-jähriges Bestehen. Ein Anlass zur Freude? Mitnichten. Es wird das letzte Mal sein, dass Ehrenamtliche aus den Reihen der Kindergarteneltern die Börse organisieren und so Geld für den guten Zweck in die Kassen der „Lütten Veeser“ spülen.

Jessica Brockmann, die in den vergangenen sechs Jahren gemeinsam mit einem Team von sechs Eltern für die Organisation verantwortlich zeichnete, ist etwas traurig, bei der zweimal jährlich abgehaltenen Traditionsveranstaltung den Stecker ziehen zu müssen – und auch ein bisschen ratlos, sind die Erlöse aus rund 100 Stunden ehrenamtlicher Vorbereitungszeit pro Jahr, davon allein zweieinhalb Tage vor jeden Flohmarkt, doch zu 100 Prozent in die Kinder- und Jugendarbeit geflossen. 75 Prozent für den Kindergarten, 25 für andere Projekte – das war die Regel. Eine Digitalkamera, den Bauwagen „Wolfshöhle“ für die Waldtage, ein Bällebad, diverse Spiele und Bastelmaterialien – all das würde es ohne die Standgebühren sowie den Kuchen- und Brötchenverkauf nicht geben. Doch damit ist nun Schluss, ein feststehendes Fußballtor für den Sportplatz wird wohl die letzte Anschaffung sein.

Der Grund: Eine Anfrage aus dem Ort, ob der Veranstalter der Kindergarten und damit eine gemeindeeigene Institution sei. Dieser habe das verneint, lässt Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) gegenüber unserer Zeitung wissen. Somit greift die für Vereine gültige Entgeltordnung. „Daran müssen wir uns schon im Zuge der Gleichbehandlung halten“, so die Rathauschefin

Das Argument der Veranstalter, dass die Erlöse zu 100 Prozent in gemeinnützige Zwecke gehen, die in diesem Fall sogar das Säckel der Gemeinde als Träger des Kindergartens entlasten, ist für die Rathauschefin nicht stichhaltig: „Wir kennen die Abrechnungen der Veranstalter nicht, können und wollen das also nicht überprüfen.“ 2016 beispielsweise sei keine Geld- oder Sachspende eingegangen, 2017 seien es gerade einmal 50 Euro gewesen. Das wiederum kann Brockmann nicht nachvollziehen – die Spendenquittungen hat sie aufbewahrt; allein 2017 waren es 850 Euro für den Bauwagen.

Damit kommt für Brockmann eine Weiterführung des Flohmarktes nicht infrage – mit dem Zahlen einer Miete lohne sich die Veranstaltung finanziell nicht mehr, wie sie vorrechnet. Die Versicherung von rund 100 Euro sei aus den Einnahmen noch zu verschmerzen, doch zusammen mit der von der Gemeinde geforderten Raummiete von mehr als 400 Euro für die beiden Säle und die Theke „würden wir vermutlich sogar rote Zahlen schreiben“. So wird der Flohmarkt der letzte sein – auch wenn hier schon die neue Regelung greift „und wir vermutlich noch draufzahlen“, so Brockmann. Sie bedauert das Aus der Traditionsveranstaltung: „Der Bedarf ist wirklich da, die 72 Stände sind immer vergeben – ich habe sogar eine Warteliste von 15 Interessenten.“ Die Entscheidung der Gemeinde sei für sie zwar nachvollziehbar, „aber bei der Miete wäre es schön gewesen, wenn man einen Kompromiss hätte finden können.“ Andere Gruppen tagten dort regelmäßig. „Der Seniorennachmittag ist einmal im Monat da – die zahlen nie etwas, und bei uns kommt sogar noch etwas für die Kinder und Jugendlichen rum.“ Ihr Dank gilt den vielen Ehrenamtlichen, dem Kindergarten, den Eltern, der Vereine und der Dorfgemeinschaft in Ostervesede – „sie alle haben uns all die Jahre super unterstützt.“

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